1.195 Haberschlachter Tal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Haberschlachter Tal« vom 4. August 1993 (GBl. v. 26.10.1993, S. 612).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12), zuletzt geändert durch Gesetz vom 25. Februar 1992 (GBI. S. 113), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Brackenheim, Landkreis Heilbronn, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Haberschlachter Tal«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 18,1 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 31. Oktober 1991 auf dem Gebiet der Stadt Brackenheim, Gemarkung Brackenheim, Landkreis Heilbronn, die Flurstücke Nrn. 377, 378, 379, 380, 381, 385, 385/1, 386, 386/1 Weg, 387, 387/1, 388, 388/1 Weg, 388/2, 4909, 4909/1, 4910, 4911, 4912, 4913, 4914, 4915, 4916, 4917, 4918, 4919, 4920, 4921 Weg, 4922 Weg, 4923 Weg, 4924, 4925, 4987 WaG, 4988, 4989, 4990 WaG, 4991, 4992 WaG, 4993, 4995, 4996, 4997 WaG, 4998, 4999 Weg, 5000, 5001 WaG, 5002, 5003, 5004, 5005, 5006 WaG, 5007, 5008, 5009, 5010, 5076, 5077, 5078, 5080 sowie Teile der Flurstücke Nrn. 233 Wa 2 Forstbach, 4994 Wa 2 Forstbach, 4908 Wa 2 Sulzbach.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 31. Oktober 1991 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 31. Oktober 1991 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Heilbronn in Heilbronn auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

die Erhaltung einer ökologisch wertvollen Talaue mit Röhrichten, Tümpeln, Sumpfwäldchen, bachbegleitenden Gehölzbeständen, Brachflächen und Wiesen;

die Erhaltung der mosaikförmigen Verteilung von genutzten und nicht genutzten Flächen;

die Sicherung und Entwicklung ungestörter Reservate zur Regeneration feuchtgebundener Pflanzen-, und Tierarten;

die umweltverträgliche Landbewirtschaftung als Dauergrünland unter Erhaltung und extensiver Pflege von Feuchtbiotopen, soweit ein Erfordernis besteht;

die Sicherung von Lebensräumen gefährdeter Pflanzen- und Tierarten einschließlich der Funktionssicherung von Fortpflanzungs-, Nahrungs- und Rastrevieren.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

die Bodengestalt zu verändern;

Entwässerungs- oder andere Maßnahmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern sowie Gewässer zu verunreinigen;

Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Äcker oder Intensivobstanlagen umzuwandeln;

zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

Feuer anzumachen;

ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

das Gebiet außerhalb der gekennzeichneten Wege zu betreten;

Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd unter Berücksichtigung des Schutzzweckes und mit der Maßgabe, daß
a) die Ansitzjagd vom Hochsitz (Flst. 4999) in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang betrieben werden darf und keine weiteren Hochsitze erstellt werden,
b) keine Kirrungen und Fütterungen in den Feuchtgebieten angelegt werden,
c) Treibjagden an maximal drei Tagen in der Zeit vom 15. November bis 15. Januar jeden Jahres durchgeführt werden,
d) die Jagd auf Stockenten nur in der Zeit vom 15. November bis 15. Januar jeden Jahres ausgeübt und sonstiges Wasserwild nicht bejagt wird,
e) an Stillgewässern keine Ausbildung für Jagdhunde durchgeführt wird;

für unabdingbare fischereiliche Hegemaßnahmen an Forst- und Sulzbach vom linken Bachufer in Fließrichtung aus;

für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und mit der Maßgabe, daß
a) Entwässerungsmaßnahmen und Auffüllungen auch kleineren Umfangs nicht vorgenommen werden,
b) jegliche Veränderung der Dauergründlandnutzung unterbleibt,
c) Abfälle und sonstige Gegenstände auch vorübergehend nicht gelagert werden,
d) bisher baumfreies Dauergrünland auch zukünftig baumfrei bleibt,
e) die herkömmliche Streuobstnutzung auf den Flurstücken Nrn. 5076, 5077 und 5078 erhalten bleibt und für abgängige Obstbäume innerhalb eines Jahres hochstämmige Obstbäume nachgepflanzt werden,
f) die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 27. Juli 1988 (BGBl. I S. 1196), zuletzt geändert durch die Änderungsverordnung vom 22. März 1991 (BGBl. I S. 796), zu beachten sind;

für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Naturdenkmalverordnung des Landratsamtes Heilbronn vom 18. Juli 1986, veröffentlicht im Amtsblatt für den Stadt- und Landkreis Heilbronn vom 7. August 1986, hinsichtlich der nunmehr in das Naturschutzgebiet fallenden Naturdenkmale Nrn. 6/5, 6/11 und 6/12 außer Kraft.

 

STUTTGART, den 4. August 1993

DR. ANDRIOF