1.196 Wiesentäler bei der Menzlesmühle

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Wiesentäler bei der Menzlesmühle« vom 2. November 1993 (GBl. v. 28.01.1994, S. 36).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12), zuletzt geändert durch Gesetz vom 25. Februar 1992 (GBI. S. 113), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Alfdorf und Kaisersbach, Rems-Murr-Kreis, und der Gemeinde Gschwend, Ostalbkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Wiesentäler bei der Menzlesmühle«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 62,8 ha. Es entfallen auf den Rems-Murr-Kreis ca. 46,7 ha und auf den Ostalbkreis ca. 16,1 ha.

Es umfaßt nach dem Stand vom 4. Mai 1990 folgende Flurstücke und Teile von Flurstücken:

Rems-Murr-Kreis:

Gemeinde Alfdorf, Gemarkung Vordersteinenberg, Flur 1: 567, 576-581, 583, 584, 586, 587, 590, 591, 592, 598, 761, 762;

Gemeinde und Gemarkung Kaisersbach, Flur 1: 158-160, 166, 168-174, 175/1, 175/3, Bach 1;

Gemeinde und Gemarkung Kaisersbach, Flur 2: 109/3 teilweise (tw.), 109/4,109/5, 109/6, 110, 111, 112, 113-120, 122 tw., 123, 124, 131 tw., 132, 133, 134 tw., 135 tw., 136 tw., 149 tw., FW 12, Bach 1;

Gemeinde und Gemarkung Kaisersbach, Flur 5: 30-33, 34/1, 34/2, 35/1, 35/2, 36/1 tw., 36/4, 37, 38b tw., 38 c, 38 d tw., 44 tw., 45 a, 45 b tw., 45 c, 46, 47, 48, 49 tw., 50 a, 50 b, 51 a, Vic. W. 3 tw., 51 b, 52, 53, 54/ 1, 54 /2, 54/3a tw., 54/3b, Bach 2, 57,58 tw., 66,67/1 tw., 67/6, 67/8, 67/9, 68GV, 68/1-68/8, 73/1 tw., 73/2 tw.,74/1b, Vic. W. 7, 79/2tw., 80tw., 81 tw., 82/1 tw., 83, 84, 85/1, 85/2, 86/1-86/4, 87/1, 87/2, 88/1, 89, 90, 90/1, 91 tw., 92/1 tw., 99 tw., 99a, 99b, 99c, 99d tw., 99e tw., 99f, 100, 101 tw., 102 GV tw., 103 tw., 103/1-103/3, 104/1, 104/2,105,106/1,106/2,107/1a, 107/1b, 108, 110, FW 6 tw., 109 tw., 111/2, Bach 1/1, FW 2 tw., 111/3,111/6, 111/7;

Gemeinde und Gemarkung Kaisersbach, Flur 6: 205/13, 232-251, 261, 262, 264, 265, 266 tw., 267, 269 tw.;

Ostalbkreis:

Gemeinde Gschwend, Gemarkung Altersberg: 212/18, 212/19, 212/20 tw., 213/5-213/9, 223, 223/1-223/3, 224, 224/1, 224/2;

Gemeinde Gschwend, Gemarkung Altersberg, Flur 1: 67 tw., 71, 72/1 tw., 72/2, 73 tw., 76/3 tw., 80/1 tw., 84 tw., 88, 88/2 tw., 91/1, 64 Weg tw., 61 tw., 73/1, 87 tw.;

Gemeinde Gschwend, Gemarkung Altersberg, Flur 5: 31/3 tw., 42, 44/1, 44/2, 45, 46, 48, 50 tw. (Rot), 51/1, 52/1, 53/1, 53/3, 54, 55, 56/1, 56/2, 57, 58, 60 GV tw., 61 tw., 62 tw., 63, 98/1, 98/2 tw., 99, 100/5 tw. (Weg), 102 tw., 105, 106,109,182 tw., 182/9 (Bach), 182/10.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 14.Februar 1993 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte (Blatt 1-3) des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 14. Februar 1993 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis in Waiblingen sowie beim Landratsamt Ostalbkreis in Aalen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

·         die Erhaltung und Förderung der offenen Wiesentäler mit ihren extensiv genutzten Naßwiesen unterschiedlichster Ausprägung im Wechsel mit Kleinseggensümpfen, Großseggenrieden und Hochstaudenfluren, des Hagensees mit seinen Verlandungszonen und der naturnahen Bachläufe als Lebensraum für bedrohte Pflanzen- und Tierarten;

·         die Erhaltung der bodenständigen Populationen von Fischen der Forellenregion;

·         die Sicherung der kulturhistorisch interessanten Talabschnitte;

·         die Erhaltung des charakteristischen Landschaftsbildes der reizvollen Wiesentäler.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

10.      Feuer anzumachen;

11.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

12.      Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen;

13.      Hunde unangeleint und außerhalb von Wegen laufen zu lassen;

14.      Erholungseinrichtungen aufzustellen;

15.      die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern, insbesondere Wiesen umzubrechen oder aufzuforsten, Seggen- oder Röhrichtbestände zu düngen oder auf andere Weise zu beeinträchtigen;

16.      das Gebiet mit Ausnahme der vorhandenen Straßen und der markierten Wege zu betreten;

17.      die Wasserflächen mit Booten aller Art zu befahren.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine Wildäcker, Fütterungen oder Kirrungen errichtet werden und Hochsitze und Ansitzleitern landschaftsgerecht wie z. B. in Form einfacher Rundholzkonstruktionen erstellt werden; die Ausübung der Jagd hat schonend und unter Berücksichtigung des Schutzzwecks, insbesondere wertvoller Pflanzenstandorte, zu erfolgen;

2.   für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und mit der Maßgabe, daß
a) vom linken Ufer des Otterbaches (Wa 2) zwischen der K 3252 und der Einmündung in den Hagensee sowie vom Nordufer des Hagensees aus nicht gefischt werden darf,
b) auf die bodenständigen Populationen von Kleinfischen der Forellenregion besondere Rücksicht genommen wird,
c) der Hagensee nicht gedüngt werden darf;

3.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität mit Ausnahme von § 4 Abs. 2 Ziff. 15;

4.   für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß
a) in der Talaue die Beseitigung der Fichtendickungen und der Umbau der älteren Fichtenbestände in standorttypische natürliche Laubwaldgesellschaften,
b) im gesamten Gebiet ein nach ökologischen Gesichtspunkten ausgerichteter Aufbau der Waldränder angestrebt wird;

5.   für die Nutzung der im Hagbachtal und im Gauchhauser Tal vorhandenen Tiefbrunnen und Quellschächte des Zweckverbandes »Wasserversorgung Menzlesmühle« im Rahmen der wasserrechtlichen Genehmigungen und Erlaubnisse des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis vom 8. Oktober 1981 und vom25. Juli 1985, geändert durch Bescheid des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 30. September 1986, sowie für die Unterhaltung und Instandsetzung dieser Einrichtungen;

6.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß zur Unterhaltung des Gauchhauser Baches, des Hagbaches, des Hagensees, der Schwarzen Rot und der Mühlkanäle das Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle hergestellt wird und das bei der Unterhaltung dieser Gewässer anfallende Sedimentmaterial nicht innerhalb des Naturschutzgebietes gelagert wird;

7.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragen Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

8.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten

·         die Naturschutzgebietsverordnung »Streuwiesen an der Schwarzen Rot« des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18. August 1979 (GBI. S. 386),

·         die Naturschutzgebietsverordnung »Streuwiesen im Gauchhauser Tal« des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 7. Juli 1975 (GBI. S. 602),

·         die Landschaftsschutzgebietsverordnung »Welzheimer Wald mit Leintal« des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 30. August 1972 (GBI. S. 574), soweit sie sich auf den räumlichen Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht,

·         die Landschaftsschutzgebietsverordnung »Gebiete nördlich und östlich Welzheim« des Landratsamtes Waiblingen vom 4. November 1968 (Amtsblatt für den Landkreis Waiblingen vom 17. Dezember 1968) und die Änderungsverordnung des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis vom 11. März 1981 (Waiblinger und Backnanger Zeitung vom 23. März 1981), soweit sie sich auf den räumlichen Geltungsbereich dieser Verordnung beziehen,

·         die Naturdenkmal-Sammelverordnung des Landratsamtes Ostalbkreis vom 4. Sep­tember 1984 (Amtsblatt des Ostalbkreises Nr. 37 vom 14. September 1984), soweit sie sich auf die Naturdenkmale 13/1 (Trollblumenwiese beim Haghof) und 13/2 (Pflanzenstandort beim Brandhof) bezieht,

außer Kraft.

 

STUTTGART, den 2. November 1993

DR. ANDRIOF