1.198 Heldenberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Heldenberg« vom 29. Dezember 1993 (GBl. v. 28.02.1994, S. 134).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Städte Donzdorf und Lauterstein, Landkreis Göppingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Heldenberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 213,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. Februar 1992

auf dem Gebiet der Stadt Donzdorf, Gemarkung Donzdorf, die Flurstücke Nrn. 4083 teilweise (tw) Feldweg (FW), 4084, 4087,

auf dem Gebiet der Stadt Donzdorf, Gemarkung Winzingen, die Flurstücke Nrn. 218 tw, 228 bis 232, 274, 275/ 1, 275/2, 283, 285 bis 290, 291/1, 292, 301 bis 303, 304 tw (FW), 305, 306, 307/1, 307/2, 308 bis 311, 319, 325 bis 327, 329 bis 335, 337, 338, 340, 370/1, 370/2, 371 bis 387, 388/1, 388/2, 389 bis 392, 394, 399 bis 402, 405 bis 409, 414, 418, 420 bis 424, 428 bis 435, 437, 438, 443 bis 447, 450, 451 tw (FW), 452 bis 457, 508 (Bach), 512/2, 515, 516 tw (FW), 516/1, 516/2, 517 bis 520, 522, 523, 525, 526, 527/1, 527/2, 529, 532/2, 533 tw (FW), 534, 535 (Bach), 536, 538, 538/1, 540 bis 543, 545/1, 545/2, 545/3, 545/4, 546, 547/1, 547/2, 548, 552 tw (FW), 554, 556/1, 556/2, 557, 558, 583, 585, 586, 587/1, 587/2,

auf dem Gebiet der Stadt Lauterstein, Gemarkung Nenningen, die Flurstücke Nrn. 443, 1487 tw, 1495, 1496, 1500, 1512, 1513, 1585 tw (FW), 1696, 1697, 1698 tw (FW), 1699 bis 1701, 1702 (FW), 1721, 1722 (FW), 1728 bis 1731,1732 (FW), 1733, 1734, 1735 (FW), 1736,1737, 1738 (FW), 1739, 1740 tw (FW), 1741 bis 1744, 1745 (FW), 1746, 1747 (FW), 1748, 1749.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 16. Dezember 1993 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 16. Dezember 1993 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart im Stuttgart und beim Landratsamt Göppingen in Göppingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung

·         einer äußerst vielfältigen, ökologisch hochwertigen Landschaft mit Heiden, einem Hangquellmoor, Feucht- und Trockenwiesen, Streuobstwiesen, Hecken, Waldsäumen und naturnahen Waldtypen vom Schluchtwald bis zum Wald auf trockenwarmen Standorten,

·         der vernetzten Lebensräume einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, insbesondere einer großen Anzahl bedrohter Arten der Roten Listen,

·         der besonders abwechslungsreichen, reizvollen und typischen Landschaft.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle, Erdaushub oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Dauergrünland in Äcker umzuwandeln;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      im Bereich der Heideflächen
a) Dünger oder chemische Mittel anzuwenden,
b) zu pferchen,
c) land- oder forstwirtschaftliche Produkte zu lagern;

14.      zu reiten;

15.      das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren;

16.      das Gebiet außerhalb befestigter, mindestens 2 m breiter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

17.      das Gebiet außerhalb der vorhandenen Wege und Pfade zu betreten;

18.      Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen;

19.      Luftfahrzeuge jeglicher Art zu starten oder zu landen;

20.      Ski oder Grasski zu fahren.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß im Bereich der Heideflächen und auf den Flurstücken Nrn. 1737, 1739 und 1742 (Gemarkung Nenningen)
    a) keine Hochsitze erstellt werden, mit Ausnahme einfacher Leiterhochsitze aus naturbelassenen Hölzern an den Waldrändern,
    b) keine Fütterungs- und Kirrplätze errichtet und keine Wildäcker angelegt werden;

2.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 13;

3.   für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 13 und mit der Maßgabe, daß die vorhandenen Laubwaldgesellschaften erhalten bleiben;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten

die Naturdenkmalverordnung des Landkreises Göppingen ND Nr. 11/16 und ND Nr. 26/28 vom 22. Oktober 1984, veröffentlicht in der Neuen Württembergischen Zeitung (NWZ), Göppinger Kreisnachrichten, vom 31. Oktober 1984,

die Landschaftsschutzgebietsverordnung »Hohenstaufen, Rechberg, Stuifen mit Aasrücken und Rehgebirge« des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg vom 4. Oktober 1971 (GBI. S. 479) für den räumlich Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 29. Dezember 1993

DR. ANDRIOF