1.199 Fliegenberg-Kahlhof

 

Verordnung der Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Fliegenberg-Kahlhof« vom 17. Februar 1994 (GBl. v. 23.03.1994, S. 175).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Dischingen, Landkreis Heidenheim, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Fliegenberg-Kahlhof«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 28,0 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 25. November 1991 auf dem Gebiet der Gemeinde Dischingen, Gemarkung Frickingen Flur 2, Landkreis Heidenheim,

im Bereich des Teilgebietes Fliegenberg die Flurstücke Nrn. 156 (Teil), 157, 158 (Teil), 160 (Teil), 162, 163, 165 (Teil), 166, 189 (Teil), 199-203, 206 (Teil), 210, 211, 213, 214, 215 (Teil), 216;

im Bereich des Teilgebietes Kahlhof die Flurstücke Nm. 34 (Teil), 44 (Teil), 141, 142 (Teil), 143 (Teil), 144 (Teil), 145 (Teil), 146.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 25. November 1991 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 25. November 1991 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Heidenheim in Heidenheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung

·         der landschaftsprägenden Trockenrasen mit einer einzigartigen Vielzahl bodenlebender Insekten sowie mit zahlreichen besonders geschützten, vom Aussterben bedrohten wärmeliebenden Pflanzen,

·         der extensiv bewirtschafteten Magerwiesen im Süden des Teilgebietes Fliegenberg wegen der aus ihrem Blütenreichtum gegebenen Bedeutung für die Insektenwelt,

·         des extensiv zu bewirtschaftenden Ackers im Westen des Teilgebietes Fliegenberg wegen seiner Bedeutung für den Schutz seltener Ackerwildkräuter.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      im Bereich der Trockenrasen und Magerwiesen
a) Dünger oder chemische Mittel einzubringen oder anzuwenden,
b) land- oder forstwirtschaftliche Produkte zu lagern,
c) zu pferchen; unberührt bleibt die ordnungsgemäße Ausübung im Grundbuch eingetragner Pferchrechte in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

14.      zu reiten;

15.      das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren;

16.      Luftfahrzeuge jeglicher Art zu starten oder zu landen, mit Ausnahme des Betriebs von Segelflugmodellen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang auf Flurstück Nr. 160.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine jagdlichen Einrichtungen erstellt werden;

2.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und mit den sich aus § 4 Abs. 2 Nr. 9 und 13 ergebenden Einschränkungen;

3.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung »Egautal und Katzensteiner Tal mit angrenzenden großflächigen Geländeteilen« des Landratsamtes Heidenheim vom 20. März 1978 (GBI. S. 204) für den räumlichen Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 17. Februar 1994

DR. ANDRIOF