1.200 Zaberauen von Meimsheim und Botenheim

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Zaberauen von Meimsheim und Botenheim« vom 7. April 1994 (GBl. v. 29.04.1994, S. 218).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S.701) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBI. 1979 S. 12), wird verordnet.

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Brackenheim, Landkreis Heilbronn, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Zaberauen von Meimsheim und Botenheim«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 34 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. August 1993:

auf dem Gebiet der Stadt Brackenheim, Gemarkung Brackenheim, die Flurstücke Nrn. 5935, 5936, 5937, 5958, 5959 Zaber, 5880 Zaber teilweise (tw);

auf dem Gebiet der Stadt Brackenheim, Gemarkung Botenheim, die Flurstücke Nrn.:
721/1, 746, 747, 749, 750, 751, 753, 754, 756, 757, 758, 759, 761, 762, 763, 764, 765, 766, 767, 770, 773, 775, 776, 778, 779, 782, 784, 786, 787, 789, 791, 793, 795, 796, 798 Weg, 799, 800, 801, 802, 803, 804, 805, 806, 807, 808, 809, 810, 811, 812, 813, 814, 815, 816, 817, 818, 819, 820, 820/1 Weg, 821, 822, 823, 825, 827, 828, 830, 834, 836, 838, 840, 842, 845, 846, 848, 849, 850, 852, 854, 856, 859, 859/2 Weg, 960/1 Weg, 965, 965/ 2, 971, 972/ 1, 990, 992, 994, 995, 997, 999, 1000, 1002, 1004, 1009 tw, 1011 tw, 1012 tw, 1014 tw, 1015 tw, 1016 tw, 1018, 1019, 1020, 1021, 1023, 2073/8 Herrenwiesenbach, 2073/9 Weg tw; und

auf dem Gebiet der Stadt Brackenheim, Gemarkung Meimsheim, die Flurstücke Nrn.:
66 Zaber tw, 520 Herrenwiesenbach tw, 549 Weg, 550, 554, 556, 558, 560, 561, 562, 564, 566, 567, 568, 569, 571, 573,576,578,580,581 Weg, 582, 584, 586, 590, 593, 595, 597,599,600 Weg, 601, 603, 605, 606, 607, 608, 609, 610, 612, 614, 616, 618, 620, 627, 628, 629, 629/1, 630, 631/1, /2, 632, 633, 634/1, /2, /3, 635, 636, 637, 638, 639, 640, 641, 642, 643, 646, 647, 648, 649, 650, 651, 652, 653, 654, 655, 656, 657, 658, 659, 660/1, /2, /3, /4, 661/1, /2, 662, 663, 664, 665, 666, 667, 668, 669/1, /2, 671/1, /2, 672/ 1, /2, 673, 674, 676, 677/1, /2, 678/1, /2, /3, /4, 679/2, 680, 681/1, /2, 682, 683, 684/1, /2, /3, 685, 686, 696 Ziegelbach tw, 720, 721, 722, 723/1, /2, 724, 725, 726, 727/1, /2, 728, 729, 730, 731, 732/1, /2, 733, 734, 734/1 Weg, 735, 736, 736/1, 746, 747/1, /2, 748, 748/1, /2, 749, 750 Weg, 753/1, 754, 755, 758, 761, 762, 763, 764 Weg, 764/1, /2, /3, 765, 774/1, 790/1, 5435/1 Weg.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 27. August 1993 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 27. August 1993 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Heilbronn in Heilbronn auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

·         die Erhaltung der mosaikförmigen Verteilung von genutzten und nicht genutzten Flächen;

·         die Einrichtung ungestörter Reservate zur Regeneration feuchtgebundener Pflanzen- und Tierarten nach Durchführung von Renaturierungsmaßnahmen;

·         die Sicherung und Sanierung von Grünlandstandorten mit unterschiedlichem Vernässungsgrad;

·         die umweltverträgliche, zukünftige Landbewirtschaftung als Wiesenaue unter Erhaltung und extensiver Pflege von Feuchtbiotopen, soweit ein Erfordernis besteht;

·         die Sicherung von Lebensräumen gefährdeter Pflanzen- und Tierarten einschließlich der Funktionssicherung von Fortpflanzungs-, Nahrungs- und Rastrevieren.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- öder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern, ausgenommen die Umwandlung von Äckern in Grünland;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, motorgetriebene Schlitten zu benutzen oder das Gebiet mit Geländefahrrädern zu befahren;

11.      außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      das Gebiet außerhalb der gekennzeichneten Wege zu betreten;

14.      Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen;

15.      nach Durchführung von Renaturierungsmaßnahmen der Still- und Fließgewässer Nutzungen jeglicher Art einschließlich Besatzmaßnahmen in den Gewässern vorzunehmen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd unter Berücksichtigung des Schutzzwecks und mit der Maßgabe, daß
    a) Treibjagden wie bisher an maximal drei Tagen in der Zeit vom 15. November bis 15. Januar jeden Jahres durchgeführt werden. Weitere Treibjagden, deren Notwendigkeit sich durch übermäßige Wildschäden in landwirtschaftlichen Flächen ergibt, sind nach Zustimmung des Regierungspräsidiums zulässig;
    b) keine Kirrungen und Fütterungen in den Feuchtgebieten angelegt werden;
    c) die Jagd auf Stockenten nur in der Zeit vom 15. November bis 15. Januar jeden Jahres ausgeübt und sonstiges Wasserwild nicht bejagt wird;
    d) an den Stillgewässern keine Ausbildung für Jagdhunde durchgeführt wird;

2.   für unabdingbare fischereiliche Hegemaßnahmen an der Zaber vom linken Flußufer in Fließgewässerrichtung aus;

3.   für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 9;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich dem Landratsamt als untere Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen. Abweichungen von der Nutzungs- und Bestandskarte der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart sind ebenfalls unverzüglich mitzuteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten die Verordnungen des Regierungspräsidiums Stuttgart zur einstweiligen Sicherstellung des Naturschutzgebietes »Zaberauen von Meimsheim und Botenheim« vom 22. April 1991 (GBI. S. 275) und zur Verlängerung der einstweiligen Sicherstellung des Naturschutzgebiets »Zaberauen von Meimsheim und Botenheim« vom 14. April 1993 (GBI. S. 259) außer Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamt s Heilbronn zum Schutz von Naturdenkmalen im Landkreis Heilbronn vom 18. Juli 1986, veröffentlicht im Amtsblatt für den Stadt- und Landkreis Heilbronn vom 7. August 1986, außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

STUTTGART, den 7. April 1994

DR. ANDRIOF