1.202 Lindenfeld

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Lindenfeld« vom 29.Juli 1994 GBl. v. 16.09.1994, S. 482).

 

Auf Grund von 0 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBI. S. 701), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Schwäbisch Gmünd, Ostalbkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Lindenfeld«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 75 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. Januar 1993 auf dem Gebiet der Stadt Schwäbisch Gmünd, Gemarkung Unterbettringen, Ostalbkreis, die Flurstücke Nr. 514/1 Teil, 514/32 Teil, 515, 516 Teil (Weg), 596/1 Teil (Weg), 601/1 Teil, 602 Teil, 460/3 Teil (Gewässer).

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 17.Januar 1994 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 17. Januar 1994 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Ostalbkreis in Aalen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung

der großflächigen, extensiv als Schafweiden genutzten Wiesenhänge mit basenarmen Magerrasen, zahlreichen Vernässungsstellen und Streuobstbeständen aus ökologischen Gründen,

der Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten und insbesondere der Brutgebiete von seltenen und bedrohten Vogelarten,

eines Rastplatzes für Zugvögel,

des reizvollen, charakteristischen Landschaftsbildes am Hangfuß des Nordtraufs der Schwäbischen Alb.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle, landwirtschaftliche Produkte oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Äcker umzubrechen;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      im Bereich der Wiesen und Waldflächen Dünger oder chemische Mittel einzubringen oder anzuwenden;

14.      zu reiten;

15.      das Gebiet mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

16.      die Wege zu verlassen;

17.      Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen;

18.      Luftfahrzeuge jeglicher Art zu starten oder zu landen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.         für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß nur Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern so erstellt werden, daß das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird;

2.         für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 5 und 9; die Düngung der Wiesenflächen ist auf die im Pflegeplan festzulegenden Bereiche zu beschränken;

3.         für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und mit der Maßgabe, daß die Nadelbaumbestände langfristig in naturnahe, standortgerechte Laubmischbestände unter möglicher Beteiligung der Tanne umgebaut werden;

4.         für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.         für die Anlage bzw. den Ausbau der Wege entsprechend den Kennzeichnungen in der Flurkarte sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.         für die sich aus der Untersuchung »Flußgebietsmodell Rems« ergebenden erforderlichen Hochwasserschutzmaßnahmen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde;

7.         für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung -angeordnet werden;

8.         für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - festgelegt.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

STUTTGART, den 29. Juli 1994

DR. ANDRIOF