1.204 Spielburg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Spielburg« vom 23. September 1994 (GBl. v. 09.11.1994, S. 588).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBI. S. 73) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Göppingen, Landkreis Göppingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Spielburg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 31,2 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. Februar 1993 auf dem Gebiet der Stadt Göppingen, Gemarkung Hohenstaufen, Landkreis Göppingen, die Flurstücke Nrn. 329 teilweise (tw), 388 tw (Weg), 397/1, 400, 400/2 tw, 400/3 tw, 400/4 tw (Weg), 400/5 tw (Weg), 413/1, 413/ 3, 414/1, 414/2, 415/1 (Weg), 415/2, 415/3, 415/4 (Weg), 415/5, 416-425, 449, 450, 451 mit Gebäude Wilmsäcker 1, 452/1-452/3, 453, 456, 2037 tw (Weg), 2083, 2087, 2088/1, 2088/2, 2089-2094, 2094/1 (Weg), 2095, 2096/1, 2096/2, 2097-2099, 2099/1, 2100, 2134 tw, 2135, 2136/1-2136/4.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 28. Juli 1994 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 28. Juli 1994 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Göppingen in Göppingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung

a)   des geologisch interessanten Spielburggeländes mit Umgebung,

b)   der vielfältigen, ökologisch wertvollen und vernetzten Biotoptypen, wie z. B. Kalkmagerrasen, Felsen, Schuttfacies, Magerrasen, Feldgehölze, Hecken, Feuchtgebiete, Laubwald, Blockhalden und Streuobstwiesen,

c)   der aus dieser Biotopvielfalt resultierenden Vielfalt der Fauna und Flora mit gefährdeten Arten der Roten Liste,

d)   der besonders naturnahen, reizvollen und herausgehobenen Landschaft mit dem einzigen größeren und zusammenhängenden Kalkmagerrasen im Bereich der Stadt Göppingen.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen, Auffüllungen oder Aufschüttungen;

4.         Mauern, Zäune oder ähnliche Einfriedigungen zu errichten;

5.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen oder sonstige Maßnahmen durchzuführen, die die Wasserqualität nachteilig verändern;

6.         Abfälle, Erdaushub oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.      die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Ackerflächen umzuwandeln;

11.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.      Stätten und Einrichtungen für Sport und Spiel oder sonstige Erholungseinrichtungen anzulegen;

13.      Feuer anzumachen;

14.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen und Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

15.      zu reiten;

16.      Kletterkurse durchzuführen;

17.      Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen;

18.      das Gebiet außerhalb befestigter, mindestens 2 m breiter Wege mit Fahrrädern, Skiern oder sonstigen Fahrzeugen zu befahren;

19.      das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen, die nicht der land- oder forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Grundstücke dienen, zu befahren; ausgenommen sind Krankenfahrstühle;

20.      die Wege oder die markierten Pfade zu verlassen;

21.      Hunde unangeleint laufen zu lassen;

22.      Dünger oder Chemikalien auf Kalkmagerrasen und Blockhalden auszubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.         für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
- keine Kirrungen, Futterstellen, Wildäcker, Salzlecken und Hochsitze im Bereich der Magerrasen errichtet werden,
- nur einfache Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern so erstellt werden, daß das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird;

2.         für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei;

3.         für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 10 und mit der Maßgabe, daß der vorhandene Obstbaumbestand erhalten bleibt; die Entnahme einzelner abgängiger Bäume bleibt bei entsprechender Nachpflanzung innerhalb eines Jahres auf dem gleichen Grundstück unter Verwendung von Obsthochstämmen zulässig;

4.         für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß keine Verjüngung von Nadelbäumen erfolgt;

5.         für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.         für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

7.         für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem Staatlichen Forstamt - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Nordwürttemberg über das Landschaftsschutzgebiet »Hohenstaufen, Rechberg, Stuifen mit Aasrücken und Rehgebirge« vom 4. Oktober 1971 (GBI. S. 479) für den räumlichen Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 23. September 1994

DR. ANDRIOF