1.205 Kaltes Feld mit Hornberg, Galgenberg und Eierberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet»Kaltes Feld mit Hornberg, Galgenberg und Eierberg« vom 23. Dezember 1994 (GBl. v. 17.02.1995, S. 154).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBI. S. 73), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Schwäbisch Gmünd und der Gemeinde Waldstetten, Ostalbkreis, sowie der Stadt Lauterstein, Landkreis Göppingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kaltes Feld mit Hornberg, Galgenberg und Eierberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 634,4 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1.April 1990

im Ostalbkreis

auf dem Gebiet der Stadt Schwäbisch Gmünd, Gemarkung Degenfeld, die Flurstücke Nrn. teilweise (tw) 103, 163/1, 164, 185, 186, 187, tw 195, 207/1, 207/6, 207/7, 207/8, 208, 209, 237/1, 259, 302, 306, 322, 323, 335/1, 335/2, 335/4, tw 361, tw 435, tw 438, 524, 533/1, 533/3, 537/1, 537/2, 538, 570, 572/1, 572/2, 572/3, 600, 600/1, 601,601/1,602,604, 605,605/1, 606, 607, 609/1, 609/2, 610, 611, tw 612, 612/1, 612/2, 613, 614, 615, 616, 617, 620, 621, tw 622, 642, tw 643, 647, 649, tw 649 /1, 649/2, 650, 651, 653, 653 /1, 653/2, 653/3, 653/4, 655, 658, 660, 661, 663, 664/1, 664/2, 665/1, 665/2, 666/1, 666/2, 667, 668, 669, 670, 672/1, 672/2, 673, tw 674/1, 674/4, 674/5, 674/6, 706, 701/1, 707/2, 707/3, 708/1, 708/2, 709, 710/1, 710/2, 711/1-/5, 712/1-/4, 713, 714, 714/1-/3, 715/1-/7, 716, 717, 718 /1-/2, tw 719/2, tw 720, tw 751, 783, 784/1, tw 784/2, 792, 793, 794, 795/1, 796, 800/1, 800/3, tw 800/4, 801/1-/7, 801/9, 802/1-/2, tw 802/3, 802/4, 802/6, 802/8, tw 810, 843/1-/2, 843/5, 844/1, 845/1, 849-852, 854-859, 860/1-/4, 861, 862, 864, 865/1-/3, 942-948, 950-951, 954-960, 964-966, 968, 970-979, 982-995, 996/1-/2, 1034-1038, 1041, 1042, 1044, 1046-1048, 1052, 1054-1057, 1059, 1060, 1062-1068,

auf dem Gebiet der Gemeinde Waldstetten, Flur 1, die Flurstücke Nrn. 60/1, 60/2, 61, 62, 64/2, tw 65, 65/2, 75, 76/2-/3, 77, 78, 80, tw 98, tw 101, tw 104, tw 117, 121, tw 122, tw 123, tw 125, tw 126, tw 127, tw IN, 129, tw 130, 131, 131/1, 132-135, 138-142, 144, tw 145,

auf dem Gebiet der Gemeinde Waldstetten, Flur 2, die Flurstücke Nrn. 85-88, tw 92/3, tw 94, tw 96/2, 98, 99/1-/2, 100, 101/1-/3;

im Landkreis Göppingen

auf dem Gebiet der Stadt Lauterstein, Gemarkung Nenningen, die Flurstücke Nrn. tw 709/2, 710-714, 715/1-/6, 716-720, 721/1-/4, 722 /1-/5, 723 /1-/2, 724, 725/1-/2, 726, 728-730, tw 1756, tw 1757, 1758, 1759, 1798, 1799, tw 1800, 1801-1808, tw 1809, 1812, 1843, 1849,

auf dem Gebiet der Stadt Lauterstein, Gemarkung Weißenstein, das Flurstück Nr. tw 631.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 15. November 1994 im Maßstab 1:25000sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 15. November 1994 im Maßstab 1:5000 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Ostalbkreis in Aalen, beim Landratsamt Göppingen in Göppingen und beim Bürgermeisteramt der Stadt Schwäbisch Gmünd in Schwäbisch Gmünd auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung

·         einer äußerst vielfältigen Landschaft mit großflächigen Wacholderheiden, kleinen Heideflächen, naturnahen Waldflächen, Wiesen und Ackerflächen als einem ökologisch besonders hochwertigen Landschaftsraum,

·         eines hochwertigen Biotopverbundes für wärme- und trockenheitsliebende Tier- und Pflanzenarten, der durch die Vernetzung von Wacholderheiden, Kalkmagerwiesen, Hecken und Waldsäumen geprägt ist,

·         der Lebensräume einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten und insbesondere einer großen Anzahl von bedrohten Arten,

·         des besonders abwechslungsreichen, reizvollen und typischen Landschaftsbildes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen,

2.       Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.       die Bodengestalt zu verändern;

4.       Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.       Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.       Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.       die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Äcker umzubrechen;

10.    zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.    außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

12.    ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.    im Bereich der Wacholderheiden und Halbtrockenrasen

a) Dünger oder chemische Mittel einzubringen oder anzuwenden,
b) zu pferchen,
c) landwirtschaftliche Produkte zu lagern;
d) Holzablagerungen in diesem Bereich sind im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde zulässig, wenn anderweitige Lagermöglichkeiten nicht zur Verfügung stehen      und die Holzablagerung mit dem Schutzzweck zu vereinbaren ist;

14.    Im Gebiet außerhalb befestigter, mindestens 3 m breiter Wege zu reiten; das Reiten ist außerdem zulässig auf einem 10 m breiten Streifen nördlich der Zufahrtsstraße vom Furtlachpaß zum Hornberg (K 3278) von Flurstück Nr. 800/2 bis Flurstück Nr. 865/3 (Gemarkung Degenfeld) sowie auf dem unbefestigten Weg im Gewann Tannmahd, der den Weg auf Flurstück Nr. 720 (Gemarkung Degenfeld) mit dem Weg Flurstück Nr. 130 (Gemarkung Waldstetten, Flur 1) verbindet; unberührt bleiben Rechte Dritter oder andere Rechtsvorschriften, durch die das Reiten eingeschränkt oder ausgeschlossen wird;

15.    das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

16.    das Gebiet außerhalb befestigter, mindestens 2 m breiter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

17.    das Gebiet außerhalb der vorhandenen Wege und Pfade und außerhalb des näheren Umfeldes der Hütten und Erholungseinrichtungen zu betreten;

18.    Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen;

19.    Luftfahrzeuge jeglicher Art zu starten oder zu landen;

20.    an den Felsen zu klettern;

21.    Sportveranstaltungen und Volksläufe abzuhalten, ausgenommen Wintersportveranstaltungen in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und mit den sich aus den Nummern 22 bis 26 ergebenden Einschränkungen;

22.    chemische Mittel zur Schneeverfestigung auszubringen;

23.    Skiabfahrten und Loipen mit Fahrzeugen zu pflegen, wenn wegen geringer Schneehöhe Pflanzen oder Boden geschädigt werden können;

24.    Skilifte zu betreiben, wenn durch den Skilauf Pflanzen oder Boden geschädigt werden können;

25.    Wintersport zu betreiben, wenn wegen geringer Schneehöhe Pflanzen oder Boden geschädigt werden können;

26.    beim Wintersport die ausgewiesenen Skiabfahrten, Loipen oder markierten Wege zu verlassen.

           

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.       für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß im Bereich der Wacholderheiden und Halbtrockenrasen
a) lediglich Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern so erstellt werden, daß das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird,
b) Kirrplätze lediglich auf den im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde festgelegten Flächen errichtet werden,
c) keine Wildäcker und Fütterungsplätze angelegt werden;

2.    für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit den sich aus § 4 Abs. 2 Nr. 13 ergebenden Einschränkungen und mit der Maßgabe, daß landwirtschaftliche Wege nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde angelegt oder ausgebaut werden;

3.    für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit den sich aus § 4 Abs. 2 Nr. 13 ergebenden Einschränkungen und mit der Maßgabe, daß
a) die naturnahen Laubwälder erhalten werden,
b) im Körperschaftswald eine kleinflächige, langfristige Verjüngung erfolgt unter Belassen von Altholzinseln,
c) forstwirtschaftliche Wege nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde angelegt oder ausgebaut werden;

4.    für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung; die sich aus § 4 Abs. 2 Nr. 22 bis 26 ergebenden Einschränkungen bleiben unberührt;

5.    für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - angeordnet werden;

6.    für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Landschaftsschutzgebiet »Kaltes Feld bis Rosenstein« vom 4. November 1974 (GBI. S. 490) für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 23. Dezember 1994

DR. ANDRIOF