1.208 Hörschbachschlucht

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Hörschbachschlucht« vom 24. März 1995 (GBl. v. 26.05.1995, S. 378).

 

Auf Grund von § § 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBI. S. 73), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Murrhardt und der Gemeinden Althütte und Auenwald, Rems-Murr-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hörschbachschlucht«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 46,4 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. April 1991:

auf dem Gebiet der Stadt Murrhardt, Gemarkung Murrhardt die Flurstücke Nrn. 1053, 1056, 1057, 1889/9 (Weg), 1889/10 (Weg), 1890, 1891/2 (Weg), Teile der Flurstücke Nrn. 1055 (Wa 2), 1206 (Wa 2), 1889, 1891, 1892 (Wa 2);

auf dem Gebiet der Stadt Murrhardt, Gemarkung Murrhardt, Flur 11, die Flurstücke Nrn. 164/2, 166/1 (Wa 2), 167, Teile der Flurstücke Nrn. 164/1, 164/3, 164/4 (Weg), 165, 166, 168, 169;

auf dem Gebiet der Stadt Murrhardt, Gemarkung Murrhardt, Flur 15, das Flurstück Nr. 121 (Wa 2), Teile der Flurstücke Nrn. 120/1-120/3, 121/1-121/3, 122-125, 126/1, 126/2, 127-132, 133/1, 133/2, 134, 135, 150, 15019 (Weg), 163, 164, 166, 167, 169, 171-173;

auf dem Gebiet der Gemeinde Althütte, Gemarkung Sechselberg, Flur 2, die Flurstücke Nrn. 40/1, 40/2, 57/ 1, 57/2, 58/1, 58/2, 64/2, 65/1, 65/2, 65/5, 177/2, 178, Teile der Flurstücke Nrn. 39, 40 (Wa 2), 56, 58/3, 61, 62, 62/1, 62/2, 63, 64/1, 180/1, 180/2, 181/1, 181/2, 184/ 1, 185, 186/1, 186/2, 187, 188/1, 188/2, 190, 191/1, 191/2;

auf dem Gebiet der Gemeinde Auenwald, Gemarkung Oberbrücken, Flur 3, die Flurstücke Nrn. 313, 314, 316, Teile des Flurstücks Nr. 319.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 9. März 1995 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 9. März 1995 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis in Waiblingen und bei der Verwaltungsgemeinschaft Backnang beim Bürgermeisteramt in Backnang auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

a)   die Erhaltung der Schlucht mit ihren natürlichen geologischen Aufschlüssen und markanten Felsbildungen als wissenschaftlich bemerkenswerte erdgeschichtliche Erscheinung;

b)   die Erhaltung naturnaher Lebensräume in den Keuperklingen und ihren Gewässern einschließlich der vorkommenden Pflanzen und Tiere;

c)   die Erhaltung eines naturnahen Waldbestandes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      Dünger oder Chemikalien einzubringen;

14.      die Wege zu verlassen;

15.      Geländefahrzeuge mit oder ohne Motorantrieb in Betrieb zu nehmen;

16.      Hunde unangeleint laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und unter Berücksichtigung des Schutzzweckes;

2.   für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd unter Berücksichtigung des Schutzzweckes;

3.   für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung, mit Ausnahme von § 4 Abs. 2 Nr. 13 und mit der Maßgabe, daß
a) Fahrwege nicht ausgebaut oder angelegt werden;
b) der öffentliche Wald entsprechend der Schonwalderklärung der Körperschafts-Forstdirektion Stuttgart vom 22. März 1993 bewirtschaftet wird,
c) der private Wald in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang bewirtschaftet wird und im Bereich der Fichtenforste ein standortgerechter naturnaher Waldbau unter Förderung eines hohen Anteils der natürlichen Hauptbaumarten Tanne und Buche angestrebt wird;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Landratsamtes Backnang über das Landschaftsschutzgebiet »Murrhardter Wald« vom 15. April 1971, veröffentlicht in der Backnanger Kreiszeitung vom 29. April 1971, für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 24. März 1995

DR. ANDRIOF