1.209 Tonnenberg, Käsbühl, Karkstein

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Tonnenberg, Käsbühl, Karkstein« vom 21. April 1995 (GBl. v. 26.05.1995, S. 382).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 und § 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBI. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBI. S. 73), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Städte Bopfingen und Lauchheim, Ostalbkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Tonnenberg, Käsbühl, Karkstein«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 173,4 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. Januar 1991:

auf dem Gebiet der Stadt Lauchheim, Gemarkung Röttingen, die Flurstücke Nrn. 1556 (Teil), 1557, 1558, 1559, 1560, 1561, 1562, 1563, 1564, 1565, 1566, 1567, 1568, 1569, 1570, 1571, 1572, 1573, 1575, 1582, 1583, 1583/1 und 1587,

auf dem Gebiet der Stadt Bopfingen, Gemarkung Aufhausen, die Flurstücke Nrn. 365, 365/2, 367, 383 (Teil), 384 (Teil), 385/1, /2, /3, /5, /6, /7, 386, 387, 388, 389,402 (Teil), 414, 416, 417, 418, 802, 802/1 (Teil), /2, /3, /4, /5, /6, 806, 807, 808, 809, 810, 811, 812, 813, 814, 815, 819, 820, 821, 822, 823, 824, 825, 826/6, 827, 828, 829, 830, 831, 839, 840, 841, 842, 844, 846, 847, 849, 850, 851, 852, 853, 854, 855, 857, 862, 863, 864, 867, 868, 869, 870, 871, 872, 873 und 875,

auf dem Gebiet der Stadt Bopfingen, Gemarkung Oberdorf, die Flurstücke Nrn. 225 (Teil), 279 (Teil), 284 (Teil), 290/1 (Teil), 300 (Teil) 306, 310, 311, 312, 313, 315, 328, 329, 330, 331, 332, 335, 336, 337, 339, 341, 342, 350, 351, 352, 353, 354, 355, 356, 357, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 366, 367, 368, 369, 371/1, / 2, 372, 373, 374/1, /2, 375, 376/1, /2, 377/1, /2, 378/1, /2, 379/1, /2, 380/1, /2, 381, 382, 383, 387, 389, 390, 391, 392, 393, 396, 397, 398, 399, 399 / 2, 400, 402, 403/1, /2, 404, 405/1, /2, 406, 407, 408, 410, 411/1, /2, 412, 415, 416, 424, 425, 426, 428, 429, 432, 433, 434, 435/ 1, /2, 436, 441, 442/1, /2, /3, 443, 445, 446, 447, 448, 449, 450, 451, 452, 453, 454, 455, 456, 457, 457/1, 459, 460, 461 (Teil), 462, 464, 465, 477, 477/1, 478, 479, 482, 484, 485, 486, 487, 489, 490, 491, 492, 493, 495, 498, 501, 502, 504, 505, 507, 508, 509/1, /2, 510, 511, 512, 514, 515, 516, 517, 518, 519, 520, 521, 522, 523, 525, 529, 530, 531, 532, 533/1, /2, 534, 536, 538, 539, 540, 541, 542, 543, 544, 546, 550, 551, 553, 556, 557, 558, 561, 562, 566 (Teil), 642, 694/1 (Teil) und 1441 (Teil).

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 21. Februar 1995 im Maßstab 1:25000sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 21. Februar 1995 im Maßstab 1:5000 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Ostalbkreis in Aalen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist der Erhalt und die Förderung eines vielfältigen, artenreichen Lebensraumkomplexes mit Wald, Hecken, Säumen, Äckern, Wiesen, Kalkmagerrasen, Felsbändern und Feuchtgebieten als typischem Relikt einer historischen Kulturlandschaft mit ihrem charakteristischen Landschaftsbild und den Lebensräumen vieler selten gewordener Tier- und Pflanzenarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.         bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.         Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.         die Bodengestalt zu verändern;

4.         Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.         Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.         Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.         Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.         Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.         die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Ackerland umzubrechen, ausgenommen sind Flächen, die im Zuge des geplanten Flurbereinigungsverfahrens Bopfingen-Oberdorf/Kerkingen Ackerflurstücken zugeschlagen werden;

10.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.      Feuer anzumachen;

12.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.      zu reiten;

14.      Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen,

15.      Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, sowie Lenkdrachen zu starten oder zu landen;

16.      im Bereich der Wacholderheiden und Kalkmagerrasen
- Dünger oder chemische Mittel einzubringen oder anzuwenden,
- zu koppeln oder zu pferchen,
- land- oder forstwirtschaftliche Produkte zu lagern;

17.      die Felsbänder, Felsköpfe oder Felshänge zu betreten oder dort zu klettern.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß im Bereich der Wacholderheiden und offenen Kalkmagerrasen
    - keine Wildäcker oder Fütterungs- und Kirrplätze angelegt werden,
    - lediglich einfache Hochsitze aus naturbelassenen Hölzern am Waldrand so erstellt werden, daß das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt wird;

2.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 9 und 16;

3.   für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 16 und mit der Maßgabe, daß langfristig naturnahe Buchenwaldgesellschaften gemischter Altersstruktur und mit ausreichenden Altholzinseln geschaffen werden;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.   für die Anlage und den Ausbau von Wegen entsprechend des vorläufigen Wege- und Gewässerplanes des Amtes für Flurneuordnung und Landentwicklung Ellwangen für das geplante Flurbereinigungsverfahren Bopfingen-Oberdorf/Kerkingen vom 31.Mai 1994.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung für den Landkreis Aalen des Landratsamtes Aalen vom 5. Dezember 1968 (Gemeinsames Amtsblatt für den Landkreis Aalen, die Städte Aalen und Ellwangen vom 20. Dezember 1968) außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

STUTTGART, den 21. April 1995

DR. ANDRIOF