1.213 Steinriegellandschaft zwischen Weikersheim und Elpersheim

 

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Steinriegellandschaft zwischen Weikersheim und Elpersheim« vom 28. Dezember 1995 (GBl. v. 29.02.1996, S. 154).

 

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Weikersheim, Main-Tauber-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Steinriegellandschaft zwischen Weikersheim und Elpersheim«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 77,3 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 5. September 1994

auf dem Gebiet der Stadt Weikersheim, Gemarkung Weikersheim, die Flurstücke Nrn.:
418-422, 426-430, 432-438, 440-443, 445-453, 455-462, 464-472, 473/1, 473/2, 474/1, 474/2, 475/1, 475/2, 476, 476/1, 477, 478/1, 478/2, 479, 480, 481 teilweise (Weg), 482, 482/1, 483-486, 487/143, 489, 501 teilweise, 567 teilweise, 569/1, 569/2, 570-573, 575-580, 582, 583, 590, 594, 595, 597-600, 602-612, 613/1, 613/2, 614-616, 628, 629/1, 629/2, 630/1-/3, 631-634, 646 und

Gemarkung Elpersheim, die Flurstücke Nrn.:
FW 3 teilweise, FW 4 teilweise, FW 5 teilweise, FW 76, FW 78, FW 79, FW 89, FW 90, 1516, 1517 teilweise, 1520 teilweise, 1521-1524, 1525/4, 1526-1528, 1532-1534, 1535/2, 1536, 1538, 1539, 1540/1, 1540/2, 1541/1, 1541/2, 1542/1, 1542/2, 1543/1, 1544-1546, 1548-1557, 1558/1, 1558/2, 1560-1563, 1565, 1569-1571, 1572/1,1572/2, 1573, 1575, 1579-1581, 1583-1589, 1590/1-/7, 1591-1605, 1607, 1608, 1610-1615, 1617-1627, 1629-1633, 1636-1638, 1640, 1641, 1643-1645, 1647-1656, 1658, 1659, 1661, 1662, 1664, 1666, 1667, 1693-1702, 1704-1707, 1739-1741, 4356-4360, 4363, 4365-4368, 4370, 4371, 4373-4378, 4382, 4383, 4390, 4423, 4425, 4428, 4429, 4432, 4433, 4435, 4438, 4439.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18. Dezember 1995 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und rot angeschummert sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 18. Dezember 1995 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

a)   der Erhalt eines für das Tauberland typischen Steinriegelhanges als landschaftsprägendes Element und kulturhistorisches Zeugnis einer jahrhundertealten Nutzungsart,

b)   der Erhalt eines vielfältigen Strukturmusters, bestehend vor allem aus extensiv genutzten Wiesen, Streuobstwiesen, Steinriegeln, Hecken, Bäumen, Heideflächen, Wald- und Gebüschzonen als Lebensraum für zahlreiche charakteristische Tier- und Pflanzengesellschaften mit teilweise stark gefährdeten Arten,

c)   der Erhalt der Steinriegel unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Umfangs mit verschiedenen Pflanzengesellschaften unterschiedlicher Sukzessionsstadien und der jeweils dazugehörenden Fauna aus wissenschaftlichen Gründen,

d)   der Erhalt des wesentlich zur barocken Gartenanlage des Schlosses Weikersheim gehörenden Landschaftsensembles.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.      die Bodengestalt zu verändern;

4.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.      Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzten oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.      die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Wiesen umzubrechen oder aufzuforsten;

10.   auf den Heide- und Brachflächen Biozide oder Düngemittel einzubringen;

11.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

12.   Feuerstellen einzurichten oder Feuer anzumachen, außer für das Verbrennen von Obstbaumschnitt;

13.   ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.   Hunde unangeleint laufen zu lassen;

15.   Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

16.   Tonwiedergabegeräte in Betrieb zu nehmen;

17.   Steinriegel zu beeinträchtigen;

18.   Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Modellflugzeuge, zu starten oder zu landen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß im Bereich der Heideflächen keine Wildäcker, Fütterungs- oder Kirrplätze angelegt oder Hochsitze errichtet werden;

2.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 9 und 10 und mit der Maßgabe, daß für entfernte Obstbäume auf demselben Grundstück innerhalb eines Jahres hochstämmige Obstbäume nachgepflanzt werden;

3.   für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 9 und mit der Zielvorstellung, daß die vorhandenen Nadelbaumbestände langfristig in naturnahe, standortgerechte Laubbaumbestände umgebaut werden;

4.   für den fachgerechten und schonenden Rückschnitt der Hecken;

5.   für den Ausbau von Wegen und Gewässern entsprechend des Wege- und Gewässerplanes des Flurbereinigungsamtes Tauberbischofsheim für das Flurbereinigungsgebiet »Weikersheim - Elpersheim/Honsbronn« vom 31. Oktober 1988;

6.   für die Nutzung des Holzlagerplatzes auf den Flurstücken Nrn. 1520 und 1525/4 auf Gemarkung Elpersheim in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie für die Überdachung dort gelagerter Holzstapel mit baulichen Anlagen, die von ihrer Funktion her ausschließlich zur Trockenhaltung des Holzes geeignet sind;

7.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

8.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle im Einvernehmen mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde - im Wald auch im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

9.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde festgelegt. Auf Grund der Kulturdenkmaleigenschaft des Steinriegelhanges bedürfen diese Maßnahmen des Einvernehmens mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde. Bei Schutz- und Pflegemaßnahmen im Wald ist zudem das Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt herzustellen.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Meldepflicht

 

Schäden im Naturschutzgebiet sind von den Grundstückseigentümern oder den sonstigen Berechtigten unverzüglich der Naturschutzbehörde unmittelbar oder über die Gemeinde mitzuteilen.

 

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 10 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet »Weikersheim« vom 19. Mai 1993 (Weikersheimer Nachrichten vom 28. Mai 1993) außer Kraft, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt.

 

STUTTGART, den 28. Dezember 1995

In Vertretung

DR. RAPP