1.214 Gäßnersklinge-Hohberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Gäßnersklinge-Hohberg« vom 18. März 1996 (GBl. v. 30.04.1996, S 337).

 

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Bad Rappenau, Landkreis Heilbronn, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Gäßnersklinge-Hohberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 13,7 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 26. November 1991 auf dem Gebiet der Stadt Bad Rappenau, Gemarkung Heinsheim, Landkreis Heilbronn, die Flurstücke Nrn. 306, 310-312, 313/1, 313/2, 313/5, 314, 314/2, 315-317, 318 (Teil), 318/1, 319 (Teil), 321 (Teil), 322 (Teil), 324 (Teil), 325, 326, 327 (Teil), 327/1, 328, 328/1, 329, 329/1, 330, 333-339, 339/1, 340-342, 2620 (Teil), 2621, 2622, 2623 (Weg), 2624-2643.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 31. Januar 1996 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 31. Januar 1996 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Heilbronn in Heilbronn und bei der Verwaltungsgemeinschaft Bad Rappenau beim Bürgermeisteramt in Bad Rappenau auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung

a)   einer tief eingerissenen Muschelkalkklinge mit standortsgemäßem Laubwald, eines extensiv bewirtschafteten Mauerweinberges, der Sukzessionsstadien der aufgelassenen Weinberge sowie eines am felsigen Steilhang stockenden, wärmeliebenden Laubwaldes als Lebensraum einer Vielzahl zum Teil seltener Tier- und Pflanzengemeinschaften,

b)   des insbesondere durch den Mauerweinberg und den bewaldeten Steilhang geprägten typischen und reizvollen Landschaftsbildes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.      die Bodengestalt zu verändern;

4.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, insbesondere Gerinne und Ablaufverhältnisse in der Gäßnersklinge zu ändern;

5.      Gewässer zu verunreinigen;

6.      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.      Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.   die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

11.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

12.   Feuer anzumachen;

13.   ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.   Luftfahrzeuge jeglicher Art zu starten oder zu landen;

15.   den zur Gäßnersklinge parallel verlaufenden Weg (Flurstück Nr. 2623) mit Fahrzeugen jeglicher Art zu befahren.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

2.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß der Mauerweinberg auf Flurstück Nr. 2624 weiterhin extensiv bewirtschaftet wird und in diesem Bereich Herbizide lediglich in dem im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde festgelegten Umfang eingebracht werden;

3.   für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß die natürliche Baumartenmischung des Laubwaldes erhalten bleibt und die Verjüngung möglichst kleinflächig erfolgt;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Landratsamtes Heilbronn über das Landschaftsschutzgebiet »Neckartal zwischen Bad Wimpfen und Gundelsheim« vom 17.Juli 1978 (GBI. S.64) für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 18. März 1996

DR. ANDRIOF