1.218 Kochertal zwischen Westheim und Steinbach einschließlich Klingenbach sowie Geiß- und Eselsklinge

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet »Kochertal südlich Schwäbisch Hall« vom 31. Juli 1996 (GBl. v. 20.09.1996, S. 588).

 

Auf Grund von §§ 21, 22 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Schwäbisch Hall sowie der Gemeinden Michelbach a. d. Bilz und Rosengarten, Landkreis Schwäbisch Hall, werden zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kochertal südlich Schwäbisch Hall«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet hat als Ganzes eine Größe von rund 626 ha. Davon entfallen auf das Naturschutzgebiet »Kochertal zwischen Westheim und Steinbach einschließlich Klingenbach sowie Geiß- und Eselsklinge ca. 221 ha, auf das Landschaftsschutzgebiet »Kochertal zwischen Westheim und Steinbach mit Seitenklingen und Randgebieten« ca. 405 ha.

 

(2) Das Naturschutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom 24. September 1994 folgende Flurstücke und Teile von Flurstücken:

auf dem Gebiet der Stadt Schwäbisch Hall, Gemarkung Schwäbisch Hall:
368/1, 369/2, 370, 371, 2560 z.T., 2626, 2627, 2631, 2639 z. T., 2640 z. T., 2642, 2644 z. T., 2649 z. T., Bach 1 z. T., Bach 12 z.T., Fluß 1 (303) z.T., Fluß 2 z.T., 392/1 (Wasser), 392/2 (Wasser) z.T., 392/3 (Wasser), 392/5 (Wasser), Feldweg 125 z. T.;

auf dem Gebiet der Gemeinde Michelbach a. d. Bilz, Gemarkung Michelbach, Flur 1 (Gschlachtenbretzingen):
168-174,175/2,175/3,176-180,185,186/1,186/3,186/ 4, 187-191, 192/1, 192/3, 193, 202, 203/1, 203/2, 206, 228-231 je z. T., 233-241, 243, 251, 252, 256 z. T., 257, 258-260, 261/1, 261/2, 293/3, 293/4, FW. 175 z.T., FW. 175/1, FW. 255 z.T., Bach 1 (Remsbach 293/1) z.T., Fluß 1 (181);

Gemarkung Michelbach, Flur 2 (Hirschfelden):
82, 85, 87, 88, 89 z. T., 90-92, 99, 112, 115, 117, 123/2, 181 z.T., 193, 200-202 je z.T., 203, 204 z.T., 204/1-/3, 205, 208, 211/1, 212/1, 213/1, Fluß 2 (109), Fluß 1 (199), K 2596 (114) z. T., K 2595 (127) z. T.;

Gemarkung Michelbach, Flur 0:
189, 190, 197, 198/1, 198/2, 199-202, 205-210, 213 z.T., 216-219, 220/1, 220/3, 221, 222/1, 222/2, 223, 224, 228, 238-243, 248, 250, 251, 253-255, 256/1, 256/2 z.T., 257-260, 261/6, 261/8, 333 z.T., 334, 336 z.T., 341/2, 344, Bach 1/10 (95/2) z.T., Bach 3 Klingenbach (222), Fluß 1 (261), FW. 329 z.T.;

Gemarkung Michelbach, Flur 3 (Rauhenbretzingen):
149, 149/3 z.T., 155-157, 160, Bach 2 (149/1) z.T., Fluß 1 (154);

auf dem Gebiet der Gemeinde Rosengarten, Gemarkung Uttenhofen, Flur 1 (Raibach):
567 z. T., 569/5 z. T., 571 z. T., 572 z. T., Bach 1 z. T.;

Gemarkung Uttenhofen, Flur 2 (Tullau):
118 z. T., 126 z. T., 127/5, 128, 147, 148, 149 z. T., 150, 151/1,151/2,152/1,152/2,153-156,158/1,158/2,163/1-/4, 225/1, 225/2, 226-250, 251/1, 251/2, 276-278, 280, 281, 282/1, 298/1, 354, 356, 357, 364-376, 388/1 z.T., 393, 393/1 z.T., 396/1, 396/2, 397-399, 400/1, 400/2, 401, 402, 405-414, 417, 419-429, 430, 436, 437/1-/4, 438-447, 450-455, 456/1, 456/2, 457-481, 482/ 1, 482/2, 483-492, 493/1-/3, 495, 496-499, 500-503, 505, 506, 508, 511-514, 516-519, 521, 522, 524-537, 542, 554/5, 557/1-/4, 558, 566, 603-605, 610, 611, 612 z. T., 628, 632-638, 640, 642-647, 649, 650, 653-658, 661-671, 673-698, Weg 493, K 2597 z. T., Bach 1 (225), Bach 3/1, FW. 10 z.T., Geißklinge (Bach) (251), Fluß 1/1 (298), See 164, See 188;

Gemarkung Uttenhofen, Flur 0:
712, 713 z. T., 714 z. T., 715 z. T., 716 z. T., 717 z. T., 718 z. T., 719 z. T., 720 z. T., 725 z. T., 727-730, 732, 740 z.T., 741-745, 746/1, 746/2, 747, 748, 750-753, 757, 759-762, 765, 767, 963, 965, 968, 969, 972, 973, 976, 978, 980, 981 z. T., 982, 983 z. T., 986 z. T., 987, 988 z. T., 991 z.T., 1110, 1111, FW. 891 z.T., Wasser 1 (Fluß 766), Wasser 2 (732) z. T., 768 (WGr) z. T.;

Gemarkung Westheim:
31 z.T., 32, 498 z.T., 511, 512, 519 z.T., 520, 521, 559-561, 565, 574, 575/1, 575/2, 576-578, 583/3, 584, 585/1, 585/2, 588/1, 617/1, 618/2, 619-621, FW. 8 (587) z. T., FW. 40 (579), Fluß 803 z. T.

 

(3) Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom 24. September 1994 folgende teilweise oder ganz eingeschlossene Gewanne:

auf dem Gebiet der Gemeinde Michelbach a. d. Bilz, Gemarkung Michelbach, Flur 1 (Gschlachtenbretzingen):
Mühläcker, Lichsbühl, Brühl, Deixelhalde, Höheiche, Hohlklinge, Steinbühl, Brunkel, Silberäcker, Läublingsforst;

Gemarkung Michelbach, Flur 0:
Rattersbach, Burghalde, Brühl, Kappelrain, Kocheräcker, Holderäcker, Klingenäcker, Klingenhalde, Hestenbach, Hederich;

Gemarkung Michelbach, Flur 3 (Rauhenbretzingen):
Aspach, Rain;

auf dem Gebiet der Gemeinde Rosengarten, Gemarkung Uttenhofen, Flur 1 (Raibach):
Lächleräcker, Grund, Rumel;

Gemarkung Uttenhofen, Flur 2 (Tullau):
Egerte, Herschel, Eckberg, Vogelherd, Blümlenshalden, Mittelbühl, Lutherberg, Steinbühl, Burberg, Barbenfeld, Breitäcker, Höhäcker, Rumel;

Gemarkung Uttenhofen, Flur 0:
Bergäcker, Scheffau, Binsenbühl, Unterbach, Hopferich, Fuchsloch, Baumäcker, Lamelbach;

Gemarkung Westheim:
Birkach, Über dem Kocher, Ebertal, Wehrwiesen, Lamelbach;

auf dem Gebiet der Stadt Schwäbisch Hall, Gemarkung Schwäbisch Hall:
Esel, Luckenbach, Masselter, Hanfwiesen, Tullauer Weg.

 

(4) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24. September 1994 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt (Naturschutzgebiet gemäß § 2 Abs. 2) bzw. flächig grün angelegt (Landschaftsschutzgebiet gemäß § 2 Abs. 3) eingetragen sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24. September 1994 im Maßstab 1:5000 (Blatt 1 und 2) schwarz umgrenzt und rot angeschummert (Naturschutzgebiet gemäß § 2 Abs. 2) bzw. grün angeschummert (Landschaftsschutzgebiet gemäß § 2 Abs. 3) eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Schwäbisch Hall in Schwäbisch Hall sowie beim Bürgermeisteramt Schwäbisch Hall in Schwäbisch Hall auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(5) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 4 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

·         Wesentlicher Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Sicherung, Erhaltung und standortgerechte Entwicklung

·         der offenen, zumeist landwirtschaftlich genutzten Talaue mit ihrem landschaftlichen Reiz und ihrem Wert als Lebensraum einer vielfältigen Flora und Fauna, insbesondere als lokal bedeutsames Brut- und Rastgebiet für gefährdete und geschützte Vogelarten,

·         der zumeist bewaldeten, oft sehr steilen Taleinhänge und Klingen mit einer Flora und Fauna aus zum Teil sehr seltenen, schutzbedürftigen Arten sowie des noch in größeren Bereichen naturnahen Waldes.

·         Die Rückführung von landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen in der Talaue des Kochers in Grünland und der Umbau nicht standortgerechter Nadelbaumbestände in naturnahe, standortgerechte Laubmischbestände werden angestrebt.

 

·         (2) Wesentlicher Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist:

·         die Sicherung der ökologisch notwendigen Pufferzone zwischen dem Naturschutzgebiet und der Bebauung sowie zwischen dem Naturschutzgebiet und den intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen,

·         die Erhaltung eines landschaftlich reizvollen Abschnittes des Kochertales mit Talaue, Hangbereichen, baumbestandenen Böschungen, Ufergehölzen an Kocher und Seitenbächen, Obstbaumwiesen und das Tal begrenzenden Wäldern.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

(1)        bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

(2)        Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

(3)        die Bodengestalt zu verändern;

(4)        Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

(5)        Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

(6)        Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

(7)        Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

(8)        Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn-. oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

(9)        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Wiesen in Ackerland umzubrechen;

(10)     neu aufzuforsten;

(11)     zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

(12)     Feuer anzumachen;

(13)     ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

(14)     Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen;

(15)     Erholungseinrichtungen anzulegen;

(16)     die Wege und Pfade zu verlassen; dies gilt nicht für den Bereich Eselsklinge, Geißklinge und Herrgottsklinge im Gewann Esel, Gemarkung und Stadt Schwäbisch Hall und das Gewann Mühlrain, Gemarkung Uttenhofen, Gemeinde Rosengarten;

(17)     Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen;

(18)     in der Zeit vom 1. März bis zum 1. Juli jeden Jahres innerhalb des in der Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24. September 1994 braun unterlegten Bereichs zu baden, mit Wasserfahrzeugen jeglicher Art zu fahren, Modellboote zu Wasser zu bringen oder an den Felsen zu klettern;

(19)     das Gebiet außerhalb befestigter, mindestens zwei Meter breiter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

(20)     außerhalb der auf der Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24. September 1994 grau gekennzeichneten Reitwege zu reiten.

 

(3) In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

(1)        der Naturhaushalt geschädigt,

(2)        die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

(3)        eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

(4)        das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

(5)        der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

 

§ 5 Erlaubnisvorbehalte für das Landschaftsschutzgebiet

 

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

(1)        Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellter Maßnahmen;

(2)        Errichtung von Einfriedigungen;

(3)        Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

(4)        Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

(5)        Ablagerungen oder auch kurzfristige Lagerung von Gegenständen, Erde und Gesteinsaushub, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

(6)        Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

(7)        Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

(8)        Anlage oder Veränderung von Flugplätzen, einschließlich Modellflugzeuggeländen;

(9)        Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebeneu Schlitten;

(10)     Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

(11)     Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

(12)     Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

(13)     Pflanzung fremdländischer Gehölze oder Koniferen;

(14)     Neuaufforstungen, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

(15)     Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsteilen wie Bäume, Hecken, Gebüsche, Feldgehölze, Ufergehölze, Schilf- und Rohrbestände und ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen;

(16)     Entwässerungsmaßnahmen;

(17)     Beseitigung oder wesentliche Änderung von Streuobstwiesen.

 

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 Abs. 3 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen oder Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 

§ 6 Zulässige Handlungen

 

(1) § 4 Abs. 1 und 2 gilt im Naturschutzgebiet nicht:

a)   für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit den Maßgaben, daß
a) im Bereich der Wiesen keine Wildäcker angelegt werden;
b ) Hochsitze und Kanzeln nur am Rande offener Flächen errichtet werden;
c) innerhalb des in der Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24. Sep­tember 1994 braun unterlegten Bereichs die Jagd in der Zeit vom 1. März bis zum 1. Juli jeden Jahres nicht ausgeübt wird; hiervon ausgenommen ist im Wiesenbereich die Ansitzjagd von der Wald-Wiesengrenze aus sowie die Verfolgung von krankgeschossenem oder schwerkrankem Wild;
d) in der Zeit vom 1. März bis zum 1. Juli jeden Jahres im Umkreis von 100 Metern um Graureiherhorste keine Beunruhigungen der Vögel stattfinden;

b)   für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß innerhalb des in der Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24. September 1994 braun unterlegten Bereichs in der Zeit vom 1. März bis zum 1. Juli jeden Jahres nicht geangelt wird; ebenso ist in der Zeit vom 1. März bis zum 1. Juli jeden Jahres das Angeln am linken Kocherufer im Bereich des Gewannes Fels (Flst. 393), Gemarkung Uttenhofen, Gemeinde Rosengarten, verboten; zulässig bleibt die Ausübung der gesetzlichen Hegepflicht;

c)   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang
a) ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 4 und 9, wobei auf Grundstücken mit bereits abgeschlossenen Extensivierungsverträgen der Zustand vor Vertragsabschluß als bisherige Art und bisheriger Umfang gilt;
b) mit der Maßgabe, daß die Verbote der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vom 27. Juli 1988 (BGBl. I S. 1196), zuletzt geändert durch die Änderungsverordnung vom 22. März 1991 (BGBl. I S. 796), zu beachten sind;

d)   für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit den Maßgaben, daß
a) an Steilhängen die Verjüngung kleinflächig erfolgt;
b) die naturnahen Laubmischbestände und die Laubmischbestände mit Nadelbaumbeimischung erhalten bleiben;
c) die in Nadelbaumbeständen vorhandenen Mischungsanteile an Laubbäumen im Rahmen der Bestandspflege und der Bestandsverjüngung erhalten und möglichst erhöht werden;
d) in der Zeit vom 1. März bis zum 1. Juli jeden Jahres im Umkreis von 100 Metern um Graureiherhorste jegliche Beunruhigung vermieden wird;

e)   für das Befahren des Kochers zum Zwecke der Wartung und Kontrolle der Anlagen der Firma Karl Kurz GmbH & Co.;

f)    für das Begehen des Schutzgebietes unterhalb der Freileitungen zum Zwecke der Wartung und Kontrolle der Anlagen;

g)   für die Beseitigung von Ablagerungen im Gewässerbett des Kochers im Einvernehmen mit der Gewässerdirektion Neckar - Bereich Ellwangen - und der unteren Naturschutzbehörde;

h)   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 18;

i)     für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

j)    für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

(2) § 4 Abs. 3 und § 5 Abs. 1 und 2 gelten im Landschaftsschutzgebiet nicht:

a)   für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- oder forstwirtschaftlicher Grundstücke, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 15, 16 und 17;

b)   für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und der Fischerei;

c)   für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

d)   für Schutzzäune an Verkehrswegen;

e)   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

f)    für die Beseitigung von einzelnen abgestorbenen Obstbäumen in Streuobstbeständen, wenn als Ersatz für den alten Baum im Bestand ein junger Obstbaum (Hochstamm) gepflanzt wird.

 

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - festgelegt. Die Ziele der Schutz- und Pflegemaßnahmen orientieren sich am Schutzzweck.

 

§ 8 Befreiungen

 

(1) Für den Bereich des Naturschutzgebietes kann das Regierungspräsidium Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung von den Vorschriften dieser Verordnung erteilen.

 

(2) Im übrigen kann das zuständige Landratsamt als untere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt,

a)   wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 Abs. 1 und 2 in Verbindung mit § 6 Abs. 1 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt;

b)   wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig
a) entgegen § 22 Abs.3 NatSchG in Verbindung mit § 4 Abs. 3 bzw. § 6 Abs. 2 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen;
b) entgegen § 5 in Verbindung mit § 6 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 6 Abs. 1 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 10 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig treten die Verordnungen des Landratsamtes Schwäbisch Hall über das Landschaftsschutzgebiet »Kochertal von Westheim bis Steinbach« vom 26. August 1963 (Haller Tagblatt vom 2. September 1963) sowie über das Landschaftsschutzgebiet »Westabhang der Limpurger Berge« vom 23. Dezember 1975 (Hohenloher Tagblatt, Haller Tagblatt und Gaildorfer Rundschau vom 30. Dezember 1975) für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 31. Juli 1996

DR. ANDRIOF