1.221 Kapf bei Trochtelfingen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Kapf bei Trochtelfingen« vom 5. November 1996 (GBl. v. 20.12.1996, S 741).

 

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Bopfingen, Ostalbkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kapf bei Trochtelfingen«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 61,1 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. März 1995 auf dem Gebiet der Stadt Bopfingen, Gemarkung Trochtelfingen, die Flurstücke Nrn. 2570-2572, 2583, 2585, 2586, 2587 (Teil), 2588, 2589, 3117, 3118 (Teil), 3121-3123, 3129 (Teil), 3139, 3141, 3142, 3144-3152, 3153 (Teil), 3154, 3156 (Teil), 3159/2 (Teil), 3175, 3176/1, 3176/2, 3177-3183, 3185, 3187, 3188 (Teil), 3189/143, 3190, 3195 (Teil), 3215, 3216, 3217 (Teil), 3577, 3578 und 3613 (Teil).

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12. Juni 1996 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 12. Juni 1996 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Ostalbkreis in Aalen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist der Erhalt und die Förderung des für die Kraterrandzone des Rieses regionaltypischen, artenreichen Lebensraumkomplexes aus Kalkbuchenwald, trockenwarmen Säumen, Heideflächen und scherbigen Kalkäckern mit einer Vielzahl teilweise sehr seltener Tier- und Pflanzenarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.      die Bodengestalt zu verändern;

4.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.      Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.      die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Dauergrünland in Äcker umzubrechen;

10.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.   Feuer anzumachen;

12.   ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.   im Bereich der Heideflächen
a) Dünger oder chemische Mittel einzubringen oder anzuwenden,
b) zu pferchen,
c) land- oder forstwirtschaftliche Produkte zu lagern;

14.   im Gebiet Klärschlamm auszubringen;

15.   außerhalb geschotterter Wege zu reiten;

16.   das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren;

17.   das Gebiet außerhalb befestigter, mindestens 2 m breiter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

18.   Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen;

19.   Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
    a) auf Heideflächen und an den Waldrändern keine weiteren Hochsitze erstellt werden und ansonsten neue Hochsitze nur aus naturbelassenen Hölzern gefertigt werden,
    b) keine weiteren Fütterungsplätze angelegt werden,
    c) auf Heideflächen und an den Waldrändern keine Kirrplätze angelegt werden;

2.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 13 und 14;

3.   für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 13 und mit der Maßgabe, daß der naturnahe Buchenwald erhalten bleibt und der Nadelholzanteil innerhalb des Laubwaldes 15 vom Hundert nicht übersteigt;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - festgelegt. Ziel der Schutz- und Pflegemaßnahmen ist der Erhalt und die Förderung der beweideten Heide und des standortnatürlichen Kalkbuchenwaldes mit seinem Waldsaum aus wärmeliebenden Pflanzenarten. Waldbaulich wird ein Bestand mit unterschiedlichen Altersklassen, Totholzanteilen und Naturverjüngung sowie langfristig ein Umbau der bestehenden Nadel- und Nadelmischwälder in Laubwälder mit einem maximalen Anteil von 15 vom Hundert Nadelholz angestrebt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten außer Kraft:

die Verordnung des Landratsamtes Ostalbkreis über das Landschaftsschutzgebiet »Landschaftsteile am Riesrandbereich« vom 24.September 1973 (Amtsblatt des Ostalbkreises vom 19. Oktober 1973) für den Geltungsbereich dieser Verordnung,

die Naturdenkmal-Sammelverordnung des Landratsamtes Ostalbkreis vom 4. September 1984 (Amtsblatt des Ostalbkreises vom 14. September 1984), soweit sie sich auf das Naturdenkmal 6/20 (Pflanzenstandort Kapf in Bopfingen-Trochtelfingen) bezieht.

 

STUTTGART, den 5. November 1996

DR. ANDRIOF