1.223 Stammberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Stammberg« vom 6. August 1997 (GBl v. 26.09.1997, S. 398).

 

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Tauberbischofsheim, Main-Tauber-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Stammberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

( 1 ) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 79,6 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 2. Januar 1990 auf dein Gebiet der Stadt Tauberbischofsheim, Gemarkung Tauberbischofsheim, die Flurstücke Nrn. 437/1 teilweise (tw), 7413 tw, 7609-7640, 7659-7685, 7685/1, 7686, 7687, 7689, 7690, 7691 tw, 7692-7713, 7715-7752, 7796, 7796/1, 7797-7806, 7806/1, 7807-7821, 7823-7831, 7839-7855, 7857, 7859-7873 und Gemarkung Dienstadt, die Flurstücke Nrn. 33 tw, 969/1, 970-972, 974, 976, 977, 977/1, 978-980, 986 tw, 1006, 1007,1011,1012.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 2. Januar 1990 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in zwei Flurkarten des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 2. Januar 1990 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

·         der Erhalt und die Förderung der großflächig zusammenhängenden, unbeschatteten Magerrasen mit ihren extremen klimatischen Bedingungen, verschiedener Sukzessionsstadien und der teilweise mit Obstbäumen bestandenen Salbei-Glatthafer-Wiesen,

·         der Erhalt und die Wiederherstellung der wärmeliebenden Saumgesellschaften am Waldrand und der naturnahen, lichten Laubwälder,

·         die Sicherung und Verbesserung der Lebensräume zahlreicher seltener, zum Teil gefährdeter und geschützter Pflanzen- und Tierarten der trockenwarmen Standorte, insbesondere der Wirbellosen-Fauna.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.      die Bodengestalt zu verändern;

4.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

5.      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.      Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.      die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.   auf den Trocken- und Halbtrockenrasenflächen Düngemittel oder Biozide einzubringen oder zu pferchen;

11.   das Gebiet außerhalb der vorhandenen Wege und Pfade zu betreten;

12.   Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen;

13.   das Gebiet mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

14.   Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen;

15.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

16.   Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

17.   Feuerstellen zu errichten oder Feuer anzumachen;

18.   ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
    - Hochsitze nur aus naturbelassenen Hölzern und nur im unmittelbaren Anschluß an vorhandene hochwüchsige Gehölze errichtet werden,
    - keine weiteren Futterstellen eingerichtet werden,
    - außerhalb des Waldes keine Wildäcker angelegt werden,
    - auf den Magerrasen und wärmeliebenden Staudensäumen keine Kirrplätze angelegt werden;

2.   für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei;

3.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 10;

4.   für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß außerhalb des Waldes kein Holz gelagert wird und die naturnahen Laubwaldgesellschaften erhalten bleiben und mit der Zielvorstellung, daß die Nadel- und Nadelmischwälder langfristig in Laubwälder umgebaut werden;

5.   für den genehmigten Abbau oberflächennaher Rohstoffe auf den im Regionalplan des Regionalverbandes Franken vom 29. Juni 1994 als Bereich zur Sicherung oberflächennaher Rohstoffe ausgewiesenen Grundstücken;

6.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

7.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

8.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs.2 Nr.7 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung der höheren Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet »Stammberg« vom 11. Mai 1942 (Amtsbl. Bad. Min. d. Kultus u. Unterrichts 1942, Nr. 9) außer Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis über das Naturdenkmal Nr. 14/18 »Trockenhang Hintere Brehmenleite« vom 10.März 1992 (Tauberzeitung, Fränkische Nachrichten vom 31. März 1992) für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

STUTTGART, den 6. August 1997

DR. ANDRIOF