1.225 Hinteres Sommerhofental

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Hinteres Sommerhofental« vom 17. November 1997 (GBl. v. 21.01.1998, S. 18).

 

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vorn 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Großen Kreisstadt Sindelfingen, Landkreis Böblingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hinteres Sommerhofental«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 22 ha.

 

(2) Das Gebiet umfaßt nach dem Stand vom 1. November 1995 auf Gemarkung Sindelfingen die Flurstücke Nrn. 8726/1, 8727/2, 8737, 8760, 8761/1, 8761/2, 8762, 8763 (Teil), 8763/1, 8763/2, 8764, 8765, 8766/1, 8766/2, 8767-8772, 8773/1, 8773/2, 8774-8778, 8779/1, 8779/2, 8780-8786, 8787 (Teil), 8787/1, 8787/2, 8788-8795, 8797-8805, 8806/1, 8807-8815, 8816/1, 8816/2, 8817, 8818, 8820, 8836 (Teil).

 

(3) Das Naturschutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 29. November 1995 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot sowie in einer Detailkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 29. November 1995 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart, beim Landratsamt Böblingen und beim Bürgermeisteramt Sindelfingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

·         Schutzzweck ist die Erhaltung der Sumpf- und Bruchwälder sowie der Aue des naturnahen Sommerhofenbaches

·         als Biotopkomplex aus extensiv genutzten Wiesen, Wald-, Sumpf- und Saumbiotopen,

·         als strukturreichen Lebensraum für eine Vielzahl teilweise bedrohter Pflanzen- und Tierarten,

·         als landschaftlich reizvolles Wiesental,

·         sowie die Förderung einer ungestörten Entwicklung des Sommerhofenbaches.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

 

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

  1. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.   Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.   wildlebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.   Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

  1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen;

2.   Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.   neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.   Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.   Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden;

6.   fremdländische Gehölze oder Koniferen zu pflanzen oder Formhecken anzulegen.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.       die Wege zu verlassen;

2.       das Gebiet außerhalb befestigter Wege von mindestens 2 in Breite mit Fahrrädern zu befahren;

3.       zu reiten;

4.       das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühle, zu befahren;

5.       zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

6.       Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

7.       Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

Feuer zu machen;

Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß

1.       durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;

Abfälle oder sonstige Gegenstände nicht gelagert werden;

Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;

Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden;

Feldraine, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume und Röhrichtbestände nicht beeinträchtigt werden.

 

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß die naturnahen Sumpf- und Bruchwälder erhalten werden.

 

(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß erfolgt.

 

(4) Für die Ausübung der Fischerei gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt.

 

(5) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - festgelegt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs.2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Abs. 3 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig treten

die Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Landschaftsschutzgebiet »Glemswald« vom 16. Oktober 1995 (GBI. S.787) für den Geltungsbereich dieser Verordnung sowie

die Verordnung des Landratsamts Böblingen zum Schutz von Naturdenkmalen auf dem Gebiet der Stadt Sindelfingen mit den Gemarkungen Sindelfingen, Malchingen und Darmsheim vom 17. November 1992 (Mitteilungsblatt der Stadt Sindelfingen vom 2. Dezember 1992), soweit sie sich auf das Naturdenkmal Nr.21/21 »Feuchtgebiet Spitzbaierin« bezieht,

außer Kraft.

 

STUTTGART, den 17. November 1997

DR. ANDRIOF