1.230 Kurzer Wasen - Roter Wasen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Kurzer Wasen - Roter Wasen« vom 8. Mai 1998 (GBl. v. 10.07.1998, S. 378).

 

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Weilheim an der Teck, Landkreis Esslingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung » Kurzer Wasen - Roter Wasen«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet besteht aus zwei Teilflächen und hat eine Größe von rund 29,1 ha. (Kurzer Wasen = 5,9 ha, Roter Wasen = 23,2 ha).

 

(2) Das Naturschutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom 1. Juni 1995 auf dem Gebiet der Stadt Weilheim an der Teck, Gemarkung Weilheim, Landkreis Esslingen die Flurstücke:

Kurzer Wasen: Flurstücke Nr. 8878/1 teilweise; 8878/2; 8878/9; 8878/12 Weg; 8878/16 Weg, teilweise

Roter Wasen: Flurstück Nr. 8877/1 teilweise.

 

(3) Das Naturschutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 2. März 1998 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Detailkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 2. März 1998 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart und beim Landratsamt Esslingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist:

·         die Erhaltung und Entwicklung der vielfältigen, biologisch wertvollen Biotopstrukturen als Lebensräume gefährdeter Tiere und Pflanzen,

·         die Erhaltung und Entwicklung der strukturreichen Wälder und Waldsäume mit ihrer jeweils typischen Baum-, Strauch- und Krautschicht,

·         die Erhaltung und Entwicklung des Gebietes aus wissenschaftlichen Gründen sowie wegen seiner landschaftlichen Vielfalt, Eigenart und Schönheit,

·         die Erhaltung des Gebietes aus landeskundlichen und kulturellen Gründen.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

 

(2) Zum Schutz von 7ieren und Pflanzen ist es verboten:

  1. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.   Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3.   Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.   wildlebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.   Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

  1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.   Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.   fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

  1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen;

2.   Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3.   neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.   Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5.   Pflanzenschutzmittel und Dünger zu verwenden;

6.   auf den Heideflächen zu pferchen.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

  1. Wege und markierte Pfade zu verlassen;

2.   das Gebiet auf Wegen unter 2 m Breite und außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

3.   zu reiten;

4.   das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühle, zu befahren;

5.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

6.   Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen;

7.   das Gebiet auf Wegen unter 2 m Breite und außerhalb befestigter Wege mit Skiern zu befahren;

8.   Erholungseinrichtungen zu erstellen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

  1. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.   Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3.   Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, daß:

  1. die Bodengestalt nicht verändert wird;

2.   durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;

3.   Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;

4.   Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden dürfen;

5.   Feldraine, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume, Röhrichtbestände nicht beeinträchtigt werden.

 

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, daß ein

  1. lockerer Übergang der Heiden zum Wald erhalten bleibt;

2.   der Bau von für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlichen Wegen im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde erfolgt;

3.   Entwässerungsmaßnahmen nicht zulässig sind;

4.   die Zusammensetzung der Baumarten überwiegend aus standortheimischen Arten der potentiell natürlichen Vegetation entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird;

5.   Tothölzer / Höhlenbäume / Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden, sofern hieraus keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht zu befürchten ist.

 

(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und unter besonderer Berücksichtigung des Schutzzwecks erfolgt.

Voraussetzung ist weiter, daß auf den Heideflächen keine weiteren jagdlichen Einrichtungen, wie Wildäcker und Fütterungseinrichtungen errichtet bzw. angelegt werden. Ansitzeinrichtungen sind nur im unmittelbaren Anschluß an vorhandene hochwüchsige Gehölze zu errichten.

 

(4) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - festgelegt, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde integriert sind. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Abs. 3 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet »Weilheim an der Teck auf Gemarkung Weilheim und Hepsisau« vom 23, Januar 1979, soweit sie im Geltungsbereich dieser Verordnung liegt, außer Kraft.

 

STUTTGART, den 8. Mai 1998

DR. ANDRIOF