1.232 Scheuelberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet »Scheuelberg« vom 3. September 1998 (GBl. v. 30.09.1998, S. 555).

 

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Städte Schwäbisch Gmünd und Heubach, Ostalbkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Scheuelberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 119 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 24. März 1997:

auf dem Gebiet der Stadt Schwäbisch Gmünd, Gemarkung Bargau, die Flurstücke Nrn. 211/4 (Teil), 1118/2 (Teil), 1118/3, 1118/4 (Teil), 1118/5, 1132, 1132/1, 1132/2 und 1132/3;

auf dem Gebiet der Stadt Heubach, Gemarkung Heubach, die Flurstücke Nrn. 420, 431 (Teil), 432, 433, 434, 434/1 (Teil) und 435 (Teil);

auf dem Gebiet der Stadt Heubach, Gemarkung Heubach, Flur 1 (Beuren), die Flurstücke Nrn. 174, 175, 180, 181, 182/1 (Teil), 192/3, 192/4, 192/5, 193/1-/17, 194/1, 194/2, 194/3 (Teil), 194/4, 196, 198 und 199;

auf dem Gebiet der Stadt Heubach, Gemarkung Heubach, Flur 2 (Buch), die Flurstücke Nrn. 433 (Teil) und 434.

 

(2) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24.März 1997 im Maßstab 1:25000 schwarz umgrenzt und flächig rot angelegt sowie in einer Detailkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 24. März 1997 im Maßstab 1:2500 schwarz umgrenzt und rot angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart in Stuttgart, beim Landratsamt Ostalbkreis in Aalen und beim Bürgermeisteramt der Stadt Schwäbisch Gmünd in Schwäbisch Gmünd auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung einer vielfältigen Landschaft mit naturnahen Buchenwald- und Steppenheidegesellschaften, Wacholderheiden, Grünländern, Äckern und Feldhecken in ihrer für die Nordost-Alb repräsentativen, jedoch selten gewordenen Mischung. In ihrer Kombination sind diese Landschaftsteile Lebensräume einer Vielzahl von Tier- und Pflanzengemeinschaften, die andernorts stark rückgängig und daher heute bedroht sind.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.      die Bodengestalt zu verändern;

4.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern, sowie Gewässer zu verunreinigen;

5.      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.      Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.      die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.   zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

11.   Feuer anzumachen;

12.   ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.   im Bereich der Heideflächen
a) Dünger oder chemische Mittel einzubringen oder anzuwenden,
b) zu pferchen,
c) land- oder forstwirtschaftliche Produkte zu lagern;

14.   außerhalb der besonders ausgewiesenen Wege und Flächen zu reiten;

15.   das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren;

16.   das Gebiet außerhalb befestigter, mindestens 2 m breiter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

17.   das Gebiet außerhalb der vorhandenen Wege zu betreten;

18.   Hunde unangeleint und außerhalb der Wege laufen zu lassen;

19.   Luftfahrzeuge jeglicher Art zu starten oder zu landen;

20.   an den Felsen zu klettern.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

  1. für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
    a) weitere Hochsitze nicht auf Heideflächen und nur aus naturbelassenen Hölzern erstellt werden,
    b) Fütterungsplätze auf den Wald beschränkt bleiben und ihre Gesamtzahl nicht erhöht wird,
    c) auf Heideflächen keine Kirrplätze angelegt werden;

2.   für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 13; zulässig ist bei Wirtschaftsgrünland der Übergang von Wiesen zu Weidenutzung und umgekehrt, sowie die Umwandlung von Ackerland in Grünland; bei Weidenutzung ist das Errichten von landschaftsgerechten oder die Verwendung von mobilen Weidezäunen zulässig; der Umbruch von Dauergrünland (mehr als fünf Hauptnutzungsjahre) ist nicht zulässig;

3.   für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nr. 13 und mit der Maßgabe, daß die naturnahen Buchenwaldgesellschaften erhalten bleiben und die Waldflächen nicht gekalkt oder gedüngt werden;

4.   für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.   für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - angeordnet werden;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt - festgelegt. Ziel der Schutz- und Pflegemaßnahmen ist die Förderung der naturnahen Buchenwaldgesellschaften, wobei einzelstammweise bis kleinflächige Nutzung, Naturverjüngung und das Belassen eines größeren Anteils von stehendem Alt- und Totholz angestrebt wird. Die Nadelholzbestände sollen langfristig in naturnahe Laubwälder umgebaut werden. Ziel der Schutz- und Pflegemaßnahmen ist ferner, die Steppenheidekomplexe und Wacholderheiden zu fördern und in beweidbarem Zustand zu erhalten.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 in Verbindung mit § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs.2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer im Naturschutz­gebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten

die Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Landschaftsschutzgebiet »Kaltes Feld bis Rosenstein« vom 4. November 1974 (GBI. S. 490) für den Geltungsbereich dieser Verordnung,

die Naturdenkmal-Sammelverordnung des Landratsamtes Ostalbkreis vom 4. September 1984 (Amtsblatt des Ostalbkreises vom 14. September 1984), soweit sie sich auf die Naturdenkmale 14/3 (Scheuelberg-Ostfelsen), 14/4 (Scheuelberg-Felsenreihe mit Höhlen) und 34/1 (Scheuelberg-Westfelsen) bezieht,

außer Kraft.

 

STUTTGART, den 3. September 1998

DR. ANDRIOF