1.245 Goldshöfer Sande

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart über das Naturschutzgebiet ”Goldshöfer Sande" und das Landschaftsschutzgebiet ”Hügelland um Höfen" vom 19.12.2000(GBl. v. 23.02.2001, S. 130).

 

Auf Grund der §§ 21, 22 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1.Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Aalen und der Gemeinde Hüttlingen, Ostalbkreis, werden zum Natur- bzw. Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung ”Goldshöfer Sande", das Landschaftsschutzgebiet die Bezeichnung ”Hügelland um Höfen".

 

§ 2

Schutzgegenstand

 

(1) Natur- und Landschaftsschutzgebiet haben zusammen eine Größe von 106,2 ha. Davon entfallen 46,5 ha auf das Naturschutzgebiet und 59,7 ha auf das Landschaftsschutzgebiet.

 

(2) Nach dem Stand vom 1.November 1998 umfasst

das Naturschutzgebiet auf Gemarkung Aalen-Hofen ganz oder zum Teil die Gewanne Heimatsmüllershölzle, Himmelhalde, Sandäcker und Haldenfeld;

das Landschaftsschutzgebiet ganz oder zum Teil

- auf Gemarkung Aalen-Hofen die Gewanne Himmelhalde, Mühlfeld, Dorfäcker und Haldenfeld,

- auf Gemarkung Aalen-Wasseralfingen das Gewann Sandbett,

- auf Gemarkung Hüttlingen das Gewann Himmelhalde.

 

(3) Die Schutzgebiete bzw. ihre Grenzen sind in einer Übersichtskarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. August 2000 im Maßstab 1:25000 flächig rot (Naturschutzgebiet) bzw. flächig grün (Landschaftsschutzgebiet) sowie in einer Detailkarte des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 10. August 2000 im Maßstab 1:2500 rot (Naturschutzgebiet) bzw. grün (Landschaftsschutzgebiet) angeschummert eingetragen; Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Stuttgart, bei der Stadt Aalen und beim Landratsamt Ostalbkreis in Aalen für die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündigung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt:

 

(4) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

Naturschutzgebiet

§ 3

Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Sicherung und der Erhalt eines relativ ungestörten Vorkommens der altpleistozänen Goldshöfer Sande auf einer Hügelkuppe im Albvorland

-      als einzigartiges Zeugnis der Erdgeschichte von regionalgeologischer Bedeutung;

-      als erd- und landschaftsgeschichtliches Dokument aus geowissenschaftlichen und landschaftskundlichen Gründen sowie wegen der überregionalen Bedeutung für Forschung, Lehre und Bildung;

-      wegen des Erhaltungszustandes und der Fossilhöffigkeit als Reservatsfläche für künftige Forschungen;

-      als Demonstrations- und Referenzobjekt;

-      als bislang einziger großräumiger Geotop dieser Typlokalität mit Schutzstatus,

-      der durch die Mischung von Äckern, Weiden, Wiesen und Obstwiesen charakterisierten landwirtschaftlichen Nutzfläche mitsamt der Verzahnung des Offenlandes mit vielfältigen Gehölzstrukturen wie Waldrändern, Feldgehölzen, Hecken, Büschen und Einzelbäumen

-      als Brut- und Lebensraum sowie Rückzugsgebiet z.T. stark gefährdeter Vogelarten;

-      um die Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushalts zu gewährleisten;

-      um die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter zu erhalten;

-      um die Vielfalt, Schönheit und Eigenart von Natur und Landschaft und damit auch ihren Erholungswert zu erhalten und

-      um die Landschafts- und Freiraumfunktionen im Siedlungsband (Essingen - bzw.) Unterkochen - Aalen - Wasseralfingen - Hüttlingen zu sichern.

 

§ 4

Verbote im Naturschutzgebiet

 

(1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung, Veränderung des Schutzgegenstandes oder seines Naturhaushalts oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

 

(2) Zum Schutz von Pflanzen und Tieren ist es verboten:

1. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3. Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4. wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5. Hunde unangeleint laufen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

4. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen, Aufschüttungen und Abgrabungen;

2. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

3. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen, davon ausgenommen die Flurstücksnummern 309/1 tw. und 309/2 tw.;

4. Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

5. Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden;

6. Einfriedungen zu errichten.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1. die Wege zu verlassen;

2. das Gebiet außerhalb von Wegen von mindestens 2 Metern Breite mit Fahrrädern oder ähnlichem zu befahren, davon ausgenommen sind Krankenfahrstühle;

3. im Gebiet außerhalb von befestigten Wegen zu reiten;

4. das Gebiet außerhalb von Wegen mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren;

5. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge, Verkaufsstände oder mobile Werbeanlagen aufzustellen oder Kraftfahrzeuge abzustellen;

6. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie Flugmodelle aufsteigen zu lassen oder das Gebiet mit Flugmodellen zu überfliegen.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2. Feuer anzumachen oder zu unterhalten oder Feuerstellen anzulegen, ausgenommen ist das Verbrennen von Baumschnitt;

3. ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5

Zulässige Handlungen im Naturschutzgebiet

 

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. die Bodengestalt nicht verändert wird;

2. durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;

3. Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen werden;

4. Pflanzenschutzmittel nur auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen unter Beachtung der Pflanzenschutzanwendungsverordnung verwendet werden;

5. Feldraine, ungenutztes Gelände, Gebüsche, Hecken, Bäume und Feldgehölze nicht beeinträchtigt werden.

 

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. die Zusammensetzung der Baumarten aus standortheimischen Arten gemäß der potenziell natürlichen Vegetation entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird;

2. stehendes Totholz, Höhlenbäume und Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden, es sei denn, dass dies aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht nicht möglich ist;

3. der Bau von für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlichen Wegen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgt.

 

(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. Hochsitze landschaftsgerecht in die Umgebung eingebunden werden;

2. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird, es sei denn, das Verlassen befestigter Wege ist zu Transportzwecken unumgänglich und erfolgt unter Berücksichtigung des Schutzzweckes.

 

(4) Bei Nutzung der Sandgruben für den Eigenbedarf gelten die Verbote des § 4 nicht unter der Voraussetzung, dass:

1. die Arbeiten den Schutzzweck nicht gefährden. Der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart, dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg und dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart ist deshalb jederzeit Zutritt zu den Arbeitsstellen zu gewähren;

2. Fossilfunde in Fundlage belassen und unverzüglich dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg oder der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart gemeldet werden. Die Fundstelle ist bis zum Ablauf des vierten Werktages nach der Anzeige in unverändertem Zustand zu belassen. Das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart und seine Beauftragten sind berechtigt, die gefundenen Fossilien zu bergen, wissenschaftlich auszuwerten und für das Land in Besitz zu nehmen. Bei Beteiligung von Geowissenschaftlern am Fund/an der Grabung erfolgt die wissenschaftliche Auswertung in Zusammenarbeit mit diesen.

 

(5) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

Landschaftsschutzgebiet

§ 6

Schutzzweck

 

Schutzzweck im Landschaftsschutzgebiet ist die Sicherung, der Erhalt und die Entwicklung eines beispielhaften, landschaftstypischen Ausschnitts der Goldshöfer Terrassenplatten als Untereinheit der naturräumlichen Einheit Östliches Albvorland, um die auf weitgehend extensiver Nutzung beruhende

- Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts zu erhalten oder zu verbessern, insbesondere die kleinklimatische Ausgleichsfunktion der landwirtschaftlichen Nutzflächen und die Freiraumfunktion im Siedlungsband Aalen-Wasseralfingen-Hüttlingen;

- Nutzungsfähigkeit der Naturgüter zu erhalten oder zu verbessern, insbesondere der extensiv genutzten Wiesen, Weiden und Gehölzstrukturen als Lebensraum einer durch seltene Arten gekennzeichneten Vogelwelt sowie als Wasserschutz- und Frischluftentstehungsgebiet;

- Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft zu erhalten und zu steigern, teils aus ökologischen Gründen, teils wegen ihres besonderen Erholungswertes für die Allgemeinheit.

 

§ 7

Verbote im Landschaftsschutzgebiet

 

Im Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

- der Naturhaushalt geschädigt,

- die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

- eine im Sinne des § 6 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

- das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

- der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

 

§ 8

Erlaubnisvorbehalte im Landschaftsschutzgebiet

 

1. Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

2. Der Erlaubnis bedarf es insbesondere, um:

- bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

- Einfriedungen zu errichten;

- Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

- Stätten für Sport und Spiel anzulegen oder zu verändern;

- Flugplätze, Gelände für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitsegel, Sprungfallschirme u.a.) sowie von Geländen für den Aufstieg von Flugmodellen, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen, anzulegen oder zu verändern, oder Flugmodelle aufsteigen zu lassen oder das Gebiet mit Flugmodellen zu überfliegen;

- in Schutzzone 1 außerhalb befestigter Wege zu reiten;

- fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

- die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen, Aufschüttungen oder Abgrabungen;

- neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

- Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

- Kleingärten anzulegen;

- Grünland in Schutzzone 1 umzubrechen;

- Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verwenden;

- Motorsport zu betreiben;

- zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge, Verkaufsstände oder mobile Werbeanlagen aufzustellen;

- Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderung;

- Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind.

3. Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 7 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, dass die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich entgegenlaufen.

4. Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde erteilt wird.

5. Bei Handlungen des Bundes oder des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 

§ 9

Zulässige Handlungen im Landschaftsschutzgebiet

 

1. Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 7 und 8 gelten nicht für die:

- ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, dass:

a) die Bodengestalt nicht verändert wird;

b) Grünland in Schutzzone 1 nicht umgebrochen wird;

c) wesentliche Landschaftsbestandteile wie Büsche, Hecken, Einzelbäume, Obstwiesen, Feld- und Ufergehölze und ähnliche Landschaftselemente, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes und im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen, nicht beseitigt, verändert oder beeinträchtigt werden;

d) eine im Sinne von § 6 geschützte Flächennutzung nicht geändert wird;

- ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung mit der Maßgabe, dass:

a) die Zusammensetzung der Baumarten aus standortheimischen Arten gemäß der potenziell natürlichen Vegetation entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird;

b) stehendes Totholz, Höhlenbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden, es sei denn, dass dies aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht nicht möglich ist.

- ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, dass:

a) Hochsitze landschaftsgerecht in die Umgebung eingebunden werden;

b) das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird, es sei denn, das Verlassen befestigter Wege ist zu Transportzwecken unumgänglich und erfolgt unter Berücksichtigung des Schutzzweckes.

- ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, dass:

a) Besatzmaßnahmen nur mit standortheimischen Fischarten erfolgen;

b) das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird.

2. Unberührt bleiben auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang unter der Voraussetzung, dass auf die Ökologie des Braunkehlchens Rücksicht genommen wird.

3. Unberührt bleiben auch behördlich angeordnete Beschilderungen.

 

Schlussvorschriften

§ 10

Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung - im Wald im Einvernehmen mit dem Staatlicher Forstamt und auf Goldshöfer Sanden in Abstimmung mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg - festgesetzt.

Für geowissenschaftliche Lehr- und Forschungszwecke sollen Aufschlüsse angelegt und durch Pflegemaßnahmen der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart - in Abstimmung mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg- in dem dafür vorgesehenen Zustand erhalten werden. Die Zugänglichkeit für Exkursionen und Untersuchungen ist zu gewährleisten.

 

§ 11

Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

 

§ 12

Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1. im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2. im Landschaftsschutzgebiet nach § 7 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

3. im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 8 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer in dem Natur- bzw. Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 5 Abs. 3 und § 9 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 13

Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Stuttgart, den 19. Dezember 2000

Dr. Andriof

Regierungspräsident