2.009 Zwerrenberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Zwerrenberg" vom 14. Dezember 1978 (Amtsbl. Bad. Minist. Kultus u. Unterricht v. 22.02.1940).

Aufgrund vom §§ 21, 58 Abs. 2 und 4, 64 Abs. 1 Nr. 2 und § 67 Abs. 1 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GB. S. 99), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Neunkirchen und Zwingenberg, Landkreis Neckar-Odenwald-Kreis werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Zwerrenberg".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von etwa 68 ha und umfaßt

a) auf der Gemarkung Zwingenberg einen Teil des Grundstücks Lgb. Nr.406 (Waldabteilungen 610, 611, 613 und 614),

b) auf der Gemarkung Neunkirchen, Ortsteil Neckarkatzenbach, das Grundstück Lgb. Nr.2273 sowie den nordöstlich des Neckargeracher Weges gelegenen Teil des Grundstücks 2426 (Waldabteilung 3).

(2) Das Schutzgebiet ist in die Schutzzonen I und II unterteilt. Die Schutzzone I (Größe etwa 12 ha) umfaßt auf dem Grundstück Lgb. Nr. 406 je einen Teil der Waldabteilung 611 und der Waldabteilung 614; sie wird im Süden durch die Gemarkungsgrenze Zwingenberg Neunkirchen, im Westen durch den die Waldabteilungen 610 und 613 einerseits sowie der Waldabteilungen 611 und 614 andererseits trennenden Weg, im Norden durch die 200 m nördlich der Grenze zwischen den Waldabteilungen 611 und 614 verlaufende Erosionsrinne, im Osten durch das linke Neckarufer begrenzt. Die Schutzzone II umfaßt die übrige Fläche.

(3) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1:10000 und in 2 Flurkarten im Maßstab 1:1500 rot eingetragen; die Schutzzone I ist in diesen Karten flächenhaft dunkelgrau, die Schutzzone II flächenhaft hellgrau gekennzeichnet. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde - Regierungspräsidium Karlsruhe - in Karlsruhe verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde - Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist:

1.      die Erhaltung eines typischen Neckarprallhanges im Buntsandstein als erdgeschichtliches Zeugnis in landschaftlich beeindruckender Ausprägung mit naturnahen, weitgehend ungestörten Hoch- und Schluchtwaldbeständen,

2.      der Schutz und die Pflege des Lebensraumes seltener Pflanzen und bestandsbedrohter Tierarten,

3.      und insbesondere die wirksame Sicherung und Entwicklung der einzigen Brutkolonie des Graureihers (Ardea cineria) im mittleren und unteren Neckartal.

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet (Zone I und II) sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder bleibenden Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

a.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu erreichen oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b.      Straßen, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c.       die Bodengestalt zu verändern;

d.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g.      Neuaufforstungen vorzunehmen;

h.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i.        Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

j.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

k.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

l.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen;

m.    ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

n.      Vögel zu beringen.

(3) Zum Schutz des Gebietes und zur Sicherung des Schutzzweckes ist weiter verboten:

a.       die Schutzzone I ganzjährig und die Schutzzone II in der Zeit vom 1.März bis 30. Juni eines jeden Jahres zu betreten;

b.      in der Schutzzone II außerhalb der in Nr. 1 genannten Sperrfrist die Wege zu verlassen.

§ 5 Zulässige Handlungen

(1) § 4 gilt nicht:

a.       für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

b.      für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung innerhalb der Schutzzone II einschließlich der notwendigen Wegebauten mit Ausnahme in der Zeit vom 1. März bis 30. Juni eines jeden Jahres; in der Schutzzone I unterbleibt jegliche Nutzung. Die im Sinne von § 3 der Verordnung zur Erhaltung und Pflege der naturnahen Waldbestände in der Schutzzone I erforderlichen Maßnahmen sind jeweils im Einvernehmen zwischen der höheren Naturschutzbehörde und dem Eigentümer der Grundstücke festzulegen und aufzuführen;

c.       für ordnungsmäßige Abwehrmaßnahmen gegen Forstschädlinge oder lästige Insekten, die im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden;

d.      für Bild- oder Schrifttafeln, die ausschließlich auf den Schutz des Gebietes hinweisen, sowie das Setzen und Entfernen von Schiffahrtszeichen;

e.       für die zur Unterhaltung der Bundeswasserstraße und zum Betrieb der Schiffahrt erforderlichen Maßnahmen; diese sind im Benehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchzuführen und in der Zeit vom 1. März bis 30. Juni eines jeden Jahres auf unaufschiebbare Maßnahmen zu beschränken.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

§ 8 Außerkrafttreten von Vorschriften

Es treten außer Kraft:

1.      Die Verordnung des Badischen Ministeriums des Kultus und Unterrichts über das Naturschutzgebiet "Reiherkolonie Zwerrenberg" vom 20. April 1940 (Amtsblatt des Badischen Ministeriums des Kultus und Unterrichts 1940, S. 105).

Die Verordnung des Regierungspräsidiums Nordbaden als höhere Naturschutzbehörde über den Eintrag von Teilen des Neckartales im Bereich des Landkreises Mosbach in die Landschaftsschutzkarte (Neckartal II) vom 20. März 1954 (GBl. S. 77), soweit sie sich auf den räumlichen Geltungsbereich dieser Verordnung be zieht.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Karlsruhe, den 14. Dezember 1978

Dr. Müller