2.020 Essigberg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Essigberg" (Keltern und Birkenfeld, Landkreis Enzkreis) vom 5. März 1991 (GBl. v. 12.07.1991, S. 423).

 

Aufgrund von §§ 21,58 Abs. 2 und § 64 As. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Keltern, Ortsteil Dietlingen, und der Gemeinde Birkenfeld, Ortsteil Gräfenhausen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Essigberg".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 120 ha.

Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Keltern, Ortsteil Dietlingen, im

Gewann Kettelsbach mit Noppengrund

die Grundstücke Flst. Nrn.2137 tw. (Weg), 2148 bis 2154, 2156 bis 2179, 2180/1, 2182 bis 2198, 2198/1, 2199 bis 2228, 2230 bis 2233, 2235 bis 2257, 2259, 2261 bis 2272, 2273 tw. (Weg), 2274 bis 2278, 2281, 2282 tw. (Weg), 2284 bis 2288, 2289 tw. (Weg), 2290 bis 2293, 2295, 2296 tw. (Weg), 2297,2298, 2300, 2397 tw. (Weg), 2422 bis 2424, 2967 tw., 2984 bis 2986 jeweils tw., 3462, 3463, 3465 bis 3468, 3519 tw., 3527 tw., 3528 tw., 3534 tw., 3535 tw., 3536, 3537 tw., 3540 tw., 3541 tw., 3542, 3544 bis 3564, 3566, 3568 bis 3594, 3596 bis 3613, 3725 (Weg), 3736 bis 3741, 3743 bis 3747, 3749 bis 3753, 3753/1, 3754, 3757 bis 3762, 3764 bis 3768;

Gewann Essigberg

Flst. Nrn. 3614 bis 3620, 3622 bis 3627, 3630 bis 3656, 3653/1 tw., 3658, 3659, 3661 tw. (Weg), 3662 tw., 3665 bis 3670, 3673, 3674, 3676 bis 3693, 3694 tw. (Weg), 3701 bis 3704, 3706, 3707, 3710 bis 3712, 3712/1, 3713, 3714, 3714/1, 3715 bis 3717, 3718 tw. (Weg), 3719 bis 3722, 3724, 3728, 3729, 3731 bis 3735, 3769 tw., 3812 tw. (Weg), 3821 bis 3823, 3824 tw, (Weg), 3825 bis 3829, 3831 bis 3834, 3836 bis 3841, 3843 (Weg), 3844 bis 3848, 3851 bis 3856, 3858, 3859, 3861, 3862, 3902, 3903 tw. (Weg), 3905, 4072 tw. (Weg), 4085 tw. (Weg), 4970 bis 4990, 4975/1, 4992 bis 5003, 5005 bis 5013, 5014 tw. (Weg), 5015 bis 5019, 5021, 5022, 5058, 5059, 5061 bis 5068, 5070 (Weg), 5071, 5073 bis 5093, 5096, 5097 (Weg), 5098, 5100 bis 5103, 5105 bis 5118, 5119 (Weg), 5120 bis 5122, 5124, 5125, 16780;

Gewann Hägnach

Flst. Nrn. 4197 tw. (Weg), 4652 (Bach), 4868 tw. (Weg), 4885, 4886, 4888, 4889 tw. (Weg), 4891, 5126, 5136 tw. (Weg), 5141 bis 5145, 5146 tw. (Weg), 5147, 5149 bis 5152, 5154 bis 5158, 5159 (Weg), 5160 bis 5164, 5166 bis 6170, 4652 (Bach), 5357 bis 5361, 5371, 5373, 5370 (Weg), 5376 bis 5378, 5364, 5365, 5369, 5380 bis 5382, 5385 bis 5387, 5389 bis 5395, 5398, 5399, 5401 (Weg), 5402 bis 5405, 5406 (Weg), 5407 bis 5410, 5411 (Weg), 5412 bis 5414, 5416 bis 5420, 5421 (Weg), 5422 (Weg), 5422/1 (Weg), 5423 bis 5432, 5434, 5435 (Weg), 5436, 5437, 5439, 5440 (Weg), 5441 bis 5444, 5446 bis 5449, 5450 (Weg), 5451 bis 5459 (Weg), 5460 bis 5470, 5445 (Weg), 5471 (Weg), 5472, 5473, 5475, 5476 (Weg), 5477, 5479, 5480 bis 5483, 5484 (Weg), 5485 bis 5513, 5515 (Weg), 5516 bis 5533, 5535 bis 5552, 5554, 5556 bis 5561, 5564 bis 5569,5570 (Weg), 5570/1 (Weg), 5571 bis 5591, 5593, 5595 bis 5598, 5600, 5602, 5603 (Weg), 5623, 5626 tw. (Weg), 5627 bis 5636, 5640, 5642 bis 5648, 5651 (Weg), 5652 bis 5656, 5657 (Weg), 5657/1 (Weg), 5658, 5660 bis 5666, 5668, 5669 (Weg), 5670 bis 5674, 5676 bis 5680, 5682, 5684, 5685, 5687, 5689, 5690 bis 5695, 5698 bis 5701, 5703, 5704 (Weg), 5705 bis 5709, 5711 bis 5715, 5717 bis 5727, 5728, 5730 bis 5732, 5736 bis 5742, 5744, 5746 bis 5755, 5757 bis 5767, 5769 bis 5774, 5776 bis 5779, 5781, 5783 bis 5785, 5787 (Weg), 5788, 5789, 5791 bis 5806, 5808 bis 5821, 5824, 5825, 5828 bis 5842, 5844, 5846 bis 5855, 335, 335/1 (Kleinbahntrasse);

und auf dem Gebiet der Gemeinde Birkenfeld, Ortsteil Gräfenhausen, im

Gewann Kettelsbach

Flst. Nrn. 11/2 (Vicinalweg), FW 108, 4258 a (tw.), 4259 (tw.), 4260/4269, 4270 bis 4275, 4276 /1, 4276/2, 4277, 4278/1 und /2, 4258 (tw.), 4259 (tw.), 4279 bis 4291, FW 30, FW 29, 4292, 4293/1, 4293/2, 4294/1 und /2, 4295 bis 4300, 4302/1, 4302/2, 4303/1, 4303/2, 4304 bis 4319, FW 28, 4320 bis 4326, 4327/1, 4327/2, 4328, 4329, FW 26 tw., FW 27, 4330, 4333 bis 4340, 4341/1, 4341/2, 4342 bis 4360, 4361/1, 4361/2, 4362 bis 4391, 4392/1, 4392/2, 4393, 4394, 4396/1 und /2, 4397 bis 4404, 4405/1, 4405/2, 4406/1, 4406/2, 4407 bis 4413, 4414/1, 4414/2, 4424, 4415/1, 4415/2, 4416/1, 4416/2, 4417 bis 4431, 4431/1 und 2, 4432 bis 4433, 4434/1, 4434/2, 4435, 4436 bis 4447, 4448/1 und /2, 4449, FW 120, 4451, 4452, 4454, 4455, 4456, 4457/1, 4457/2, 4458 bis 4465, 4466/1, 4466/2, 4468, 4470 bis 4475, 4476/1, 4476/2, 4477 bis 4488, 4489/1, 4489/2, 4490, 4491, 4492/1, 4492/2, 4493 bis 4504, FW 25 (tw.), FW 107 (tw.), FW 31 (tw.), 4521 (tw.);

Gewann Hägnach

Flst.Nrn.2089 (tw.), 2090 bis 2100, 2101/1, 2101/2, 2101/3, 2102 bis 2117, 2118/1, 2118/2, 2119 bis 2123, 2124/1, 2125, 2126, 2127, 2129/1, 2129/2, 2130 bis 2145, 2147 bis 2157, 2158/1, 2158/2, 2159 bis 2161, 2164, 2166 bis 2178, FW 36 (tw.), 2201/3, 2202.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 durchgezogener roter Linie und in 6 Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Enzkreis in Pforzheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

(1) die Erhaltung, Pflege und Entwicklung des Steppenheidewaldes, des Pfeifengras-Föhrenwaldes sowie der Halbtrocken- und z. T. mit Streuobst bewachsenen Magerrasen auf dem Essigberg (Altes Laub) und an den Hängen des Erlach mit ihren seltenen Pflanzengesellschaften, Pflanzen- und Tierarten:

 

(2) die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der Wiesentäler des Kettelbachtales und der Hägnach mit den zahlreichen Quellen und Feuchtgebieten und den sie begleitenden Waldsäumen mit ihren seltenen Pflanzengesellschaften, Pflanzen- und Tierarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c.       die Bodengestalt zu verändern;

d.      fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

k.      Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

l.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m.    die Wege zu verlassen;

n.      die Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Fahrräder und Krankenfahrstühle;

o.      Sport- und Spielobjekte aller Art zu betreiben;

p.      Dauergrünland umzubrechen;

q.      Pflanzenbehandlungsmittel und Düngemittel zu verwenden;

r.        Streuobstbestände, Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen und zu zerstören;

s.       zu reiten;

t.        Hunde frei laufen zu lassen;

u.      mittels Kahlschlägen auszuräumen;

v.      Christbaumkulturen, Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Bäumen und Sträuchern anzulegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

a.       für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe
- daß im Schutzgebiet keine weiteren Hochstände errichtet und Ersatzhochstände nur in einfacher Bauweise aus Rundhölzern erstellt werden.
- Kirrung nur im Wald zulässig ist - ausgenommen im Gemeindewald Dietlingen Distrikt IV (Essigberg) zwischen dem Kettelsbachtal und dem Waldweg südlich der Sport- und Tennisplätze,
- in die Schilf- und Steppengebiete nicht eingegriffen wird.
- an Gewässern keine Bruteinrichtungen für Enten eingerichtet werden;

b.      für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß der Besatz mit nicht einheimischen Arten gleichmäßig gefördert werden;

c.       für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß § 4 Abs. 2 Ziff. 4, 9, 16-18 und 22 gilt; zugelassen sind jedoch die bisherige Düngung und die bisherige Schnittzeit in den Gewannen Neubruch unterhalb der Bahnlinie und des Weges Flurst. Nrn. 5570/5559 und Furt unterhalb des Weges Flurst. Nrn. 4197; das sonstige Wirtschaftsgrünland kann bis zum 1. Mai unter Einhaltung eines Schnittzeitpunkts ab 15. Juni gedüngt werden;

d.      für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß bei der Wiederbestockung grundsätzlich nur standortheimische Betriebszieltypen begründet werden, Kahlschläge nur gemäß § 6 der Verordnung im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erfolgen und die Umtriebszeit verlängert wird, § 4 Abs. 2 Ziff. 17 gilt;

e.       für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

f.       für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

g.      für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, soweit sie Wald betreffen, im Einvernehmen mit der höheren Forstbehörde.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG (z. B. zur Bekämpfung von Kalamitäten) und nach den jagdrechtlichen Vorschriften Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

Ordnungswidrig im Sinne der § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung über das Naturschutzgebiet "Essigberg" vom 27. August 1952 und über das Landschaftsschutzgebiet "Hägnachtal und Kettelbachtal" vom 13. August 1970 treten ganz, die Verordnungen überdie Landschaftsschutzgebiete "Kelterner Obst- und Rebengäu" vom 15. März 1983 und "Gräfenhausener Kirschengäu" vom 11. April 1983 insoweit außer Kraft, als sie dieser Verordnung widersprechen.

 

Karlsruhe, den 5. März 1991

Dr. Miltner