2.024 Waldmoor-Torfstich

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde und als obere Jagdbehörde über das Naturschutzgebiet "Waldmoor-Torfstich" vom 20. Mai 1983 (GBl. v. 24.06.1983, S. 226).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21.Okt. 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 6. April 1982 (GBl. S. 97), und von § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Obereichenbach, Gemarkungen Oberreichenbach und Würzbach, Landkreis Calw, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Waldmoor Torfstich".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 63,2 ha. Es umfaßt nach dem Stand von 16. Dezember 1980 auf dem Gebiet der Gemeinde Oberreichenbach

 

a) im Ortsteil Oberreichenbach die Grundstücke Flst.Nrn. 166/2, 166/6, 166/7, 166/8 (teilweise), 166/9, 167, 168/1, 168/2, 169/2 (teilweise) und 185/3 (teilweise), sowie Feldweg Nr. 17 (teilweise), Feldweg Torfstichweg und Feldweg Bengelweg;

b) im Ortsteil Würzbach das Grundstück Flst. Nr. 219 (teilweise) und Feldweg Nr. 26.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Flurkarte im Maßstab 1:2500 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe als höherer Naturschutzbehörde verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Calw als unterer Naturschutzbehörde. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung des Moor- und Missengebietes aus ökologischen und wissenschaftlichen Gründen:

a.       das Hochmoor mit dem eingelagerten kleinen Flachmoor, insbesondere mit seiner sich stark erweiternden Moosvegetation und den charakteristischen Pflanzengesellschaften;

b.      die im Wald befindliche moorige und anmoorige Bodenformation mit den sich naturhaft entwickelnden Pflanzenbeständen, insbesondere einer Vielzahl von Pilzarten, sowie gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tierarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c.       die Bodengestalt zu verändern;

d.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

e.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen (z. B. Pilze zu sammeln), zu beschädigen oder zu zerstören;

h.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufs- und andere Stände aufzustellen sowie motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

k.      Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

l.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m.    die gekennzeichneten Wege zu verlassen;

n.      zu reiten oder zu fahren;

o.      Pflanzenbehandlungsmittel, andere chemische Mittel oder Kalk - letzeres mit Ausnahme für den Feldweg Nr. 17 (Bruchmisstraße) - einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

a.       für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß die Jagd auf Rauhfußhühner ganzjährig unterbleiben muß;

b.      für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß in diesem Rahmen der Schutzzweck durch land- und forstwirtschaftliche Maßnahmen entsprechend dem Pflegeplan nach § 6 der Verordnung zu unterstützen ist und § 4 Abs. 2 Nrn. 4, 5 und 15 zu beachten sind;

c.       für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

d.      für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

e.       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Die erforderlichen Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen im Schutzgebiet werden von der höheren Naturschutzbehörde im Benehmen mit der Forstverwaltung in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlung vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne von § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 Abs. 2 Nr. 8 in Verbindung mit § 5 Nr. 8 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9

 

Die Schonwaldverordnung vom 23. August 1937 bleibt unberührt.

 

§ 10 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündigung in Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung des Württembergischen Kultusministers über das Naturschutzgebiet "Waldmoor-Torfstich" von 23. August 1937 außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 20. Mai 1983

Dr. Müller