2.034 Klebwald

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Klebwald" vom 24. Januar 1978 ().

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. S. 99) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Neuhausen, Landkreis Enzkreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Klebwald".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 21,6 ha. Es umfaßt auf der Gemarkung Neuhausen der Gemeinde Neuhausen einen Teil des Grundstücks Flst. Nr. 5352 im Staatswald Distrikt III, Abteilung 32 "Hinterer Kleb".

Die Grenze des Naturschutzgebietes verläuft im Süden als jeweils direkte Linie zwischen den Waldabteilungenssteinen A-B-C-D und E und erreicht die östliche Begrenzung am Waldgrenzstein 257. Von hier aus verläuft die Grenze in nördlicher Richtung entlang einer direkten Linie zwischen den Waldgrenzsteinen 258 und 273, von dort zum Stein 285 und erreicht als nördliche Begrenzung über die Abteilungssteine E-D-C-B und A den westlichen Punkt und führt von dort über die Waldgrenzsteine 25 bis 33 wieder zurück zum südlichen Ausgangspunkt dem Abteilungsstein A.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Forstkarte im Maßstab 1:8000 rot eingetragen. Auf diese Forstkarte aufgeklebt ist eine Bestandskarte im Maßstab 1:8000. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe in Karlsruhe verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Enzkreis in Pforzheim und beim Bürgermeisteramt in Neuhausen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des blockreichen Buntsandsteinhanges über dem Nagoldtal sowie des lindenreichen, wärmeliebenden Gesteinblockwaldes (artenreicher, urwaldähnlicher "Klebwald"). Durch Pflegemaßnahmen soll die übrige Waldvegetation in den derzeit noch forstlich genutzten Gebietsteilen an die vorhandene urwaldähnliche Vegetation angepaßt werden.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung oder Veränderung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushaltes oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist es verboten:

a.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c.       die Bodengestalt zu verändern;

d.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

e.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung anders als in der unter § 5 Nr. 3 gekennzeichneten Weise zu ändern;

j.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schienen zu benutzen;

k.      zu reiten und das Gebiet mit Motorfahrzeugen oder bespannten Fahrzeugen unbefugt zu befahren;

l.        Feuer zu machen oder zu rauchen;

m.    ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

n.      die Straßen, Wege und Pfade zu verlassen;

o.      in den auf der Bestandskarte schraffiert gekennzeichneten Flächen forstliche Bewirtschaftungsmaßnahmen vorzunehmen, insbesondere den Waldrand zu nutzen, anfallendes Holz zu entnehmen, Aufforstungen, Ausstockungen, Pflanzungen vorzunehmen, Staat einzubringen, Düngemittel und Herbizide anzuwenden.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

a.       für die Schonwaldforschung;

b.      für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

c.       für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang begrenzt auf das zwischen dem zweiten Hangweg und der östlichen Schutzgebietsgrenze gelegene Gebiet (in der Bestandskarte gepunktete und gewellte Fläche) mit Ausnahme der durch die Abteilungssteine D und E sowie die Waldgrenzsteine 257 bis 260 begrenzten Teilflächen im Südosten (in der Bestandskarte schraffierte Fläche) mit der Maßgabe,
a) den zwischen dem zweiten und dritten Hang reichlich vorhandenen Laubholzbestand zu durchforsten, um ihn zu verjüngen und
b) den zwischen dem dritten Hangweg und der östlichen Schutzgebietsgrenze vorhandenen Tannenbestand zu verjüngen, um im Laufe der Zeit ein dem vorhandenen Gesteinsblockwald nahekommendes Waldbild zu erhalten. Nach Erreichen dieser Entwicklungsziele ist eine weitere forstwirtschaftliche Nutzung im Naturschutzgebiet unzulässig;

d.      für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang einschließlich Unterhaltung und Instandsetzung;

e.       für Pflegemaßnahmen, die von der zuständigen Forstbehörde im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

f.       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

g.      für Maßnahmen, die zur Abwehr einer akuten Gefahr für den Schonwald selbst oder angrenzende Waldgebiete erforderlich sind, insbesondere wegen Schädlingen, Sturmwurf, Waldbrand u. a.;

h.      für die Gewinnung von Astmaterial der Waldbäume zur vegetativen Vermehrung oder von Saatgut durch den Eigentümer oder dessen Beauftragten.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

1. Die das Schutzgebiet durchziehenden und die angrenzenden Wege und Fußpfade sind in der bisherigen Weise zu erhalten und laufend instandzusetzen. Eventuell notwendige Veränderungen sind im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragen Stelle mit der zuständigen Forstbehörde abzusprechen.

2. An den Eingängen zum Naturschutzgebiet sind Abfallkörbe aufzustellen, da dies zur Sauberhaltung der Landschaft beiträgt.

3. Einsturzgefährdete Bäume an Wegen sind zu fällen. Für das in § 5 Nr. 3 beschriebene Gebiet können derartige Bäume entfernt werden, solange die in § 5 Nr. 3a und b genannten Entwicklungsziele im Rahmen der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung noch nicht erreicht sind. 4. Zusammengebrochene oder vom Wind geworfene Bäume sind zu belassen, gegebenenfalls sind sie von Wegen zu entfernen § 6 Nr. 3 Satz 2 gilt entsprechend.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

 

§ 9 Außerkrafttreten von Vorschriften

 

Die Verordnung des Landratsamtes Pforzheim - untere Naturschutzbehörde - zum Schutz von Landschaftsteilen auf Gemarkung Neuhausen vom 30. Juni 1939 tritt, soweit sich diese auf den Geltungsbereich dieser Verordnung erstreckt, außer Kraft.

 

§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Karlsruhe, den 24. Januar 19787

Dr. Müller