2.039 Seitel

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Seitel", Landkreis Rastatt vom 14. Dezember 1979 (GBl. v. 31.01.1980, S. 64).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. S. 99), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Elchesheim-Illingen, Gemarkung Elchesheim, Landkreis Rastatt, werden zum Naturschutzgebiet erklärt.

 

Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Seitel".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 5,1 ha.

Es umfaßt nach dem Stand vom 8. September 1977 auf dem Gebiet der Gemeinde Elchesheim-Illingen, Ortsteil Elchesheim, die Grundstücke Lagebuchnummer 264, 265, 266, 266/1, 273, 275, 275/1, 285/1 - 285/9, 285/10 (bis zur Krone des Hochwasserdammes), 285/11, 292 - 299 (bis zur Krone des Hochwasserdammes), 302/2 (bis zur Krone des Hochwasserdammes), 302/6 teilweise, 308/1 und 308 teilweise.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1:10000 und in einer Flurkarte im Maßstab 1:1500 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde, Regierungspräsidium Karlsruhe, verwahrt. Eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde Landratsamt Rastatt und bei der Gemeinde Elchesheim-Illingen. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

a.       die Erhaltung und Pflege eines für die ehemalige Überschwemmungsaue des Oberrheins typischen Feuchtgebietes mit seinen trockeneren Randzonen,

b.      Erhaltung und Pflege des Flachwasserteiches und seines Röhrichtgürtels sowie der durch unterschiedliche Grundwasserflurabstände stark differenzierten Wiesengesellschaften,

c.       Erhaltung und Pflege des Gebietes als Lebensstätte für die Tierwelt der Aue, insbesondere der Insekten, der Amphibien, der Reptilien und der Vögel.

 

§ 4 Verbote

 

(1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer nachhaltigen Störung, Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c.       die Bodengestalt zu verändern;

d.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

e.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j.        Wiesen zu düngen;

k.      Fischteiche anzulegen oder zu angeln;

l.        Modellboote oder Modellflugzeuge in Betrieb zu nehmen;

m.    die Wege zu verlassen;

n.      im Gebiet zu reiten;

o.      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

p.      Aufforstungen vorzunehmen;

q.      ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht für:

a.       die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd;

b.      die ordnungsgemäße land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß Grünland nicht in Ackerland oder Wald umgewandelt wird, kein Dünger sowie keinerlei Insektizide, Pestizide oder Fungizide ausgebracht werden;

c.       die Umwandlung des Pappelbestandes auf Grundstück Lgb.-Nr. 266/1 in Grünland;

d.      Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

e.       die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

1. Die Wiesen sind vom Eigentümer einmal im Spätjahr zu mähen, das Mähgut ist abzufahren. Die Mähpflicht kann auf einen anderen übertragen werden.

2. Sonstige Schutz- und Pflegemaßnahmen erfolgen auf Einzelanordnung der höheren Naturschutzbehörde.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann auch § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet eine nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Karlsruhe, den 14. Dezember 1979

Dr. Müller