2.041 Simmozheimer Wald

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Simmozheimer Wald" vom 21. Dezember 1979 (GBl. v. 14.02.1980, S. 85).

 

Aufgrund von §§ 21,58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. S. 99), wird verordnet:

 

§1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Simmozheim, Landkreis Calw, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Simmozheimer Wald".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca.13,01 ha. Es umfaßt nach dem derzeitig gültigen Kartenstand auf dem Gebiet der Gemeinde Simmozheim, Gemarkung Simmozheim, die Grundstücke Flst.Nr. 2985, 2986, 2993, 2994, 4016 (teilweise), 4026 (teilweise), 4121 (teilweise), mitinbegriffen ist der Flurweg Flst.Nr. 435 (teilweise).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte (Meßtischblatt) Maßstab 1:25000 und in einer Detailkarte (Flurkarte) Maßstab 1:2500 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe in Karlsruhe verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Calw in Calw. Die Karten sind Bestandteile der Verordnung. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist aus ökologischen sowie wissenschaftlichen Gründen die Erhaltung der Kalkmagerweide (Gentiano-Koelerietum) mit ihrer lockeren Kiefern-Bewaldung in ihrer Eigenart, Vielfalt und Schönheit.

Die Schutzwürdigkeit ist besonders gegeben auf Grund:

a) Der Bedeutung des Gebietes als Lebensraum artenreicher Pflanzen- und Tiergesellschaften.

b) Der Bedeutung als Standort seltener und gefährdeter Pflanzenarten wie Gentiana germanica und Gentiana ciliata (Enziane), Carlina acaulis und Carlina vulgaris (Silber- und Golddistel) und ca. 18 Orchideenarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Schutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, auch wenn sie keiner baurechtlichen Entscheidung bedürfen, wobei die Errichtung, das Herstellen, Aufstellen, Anbringen, Einbauen, Einrichten, Änderungen oder Nutzungsänderungen gleichstehen;

b.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen oder zu verändern, Leitungen aller Art zu verlegen oder zu verändern;

c.       die Bodengestalt zu verändern;

d.      Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen und zu vertreiben, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten; Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn-, Rast-, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören, sowie zum Fang geeignete Vorrichtungen zu bauen, zu errichten und u betreiben;

i.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

k.      Feuer anzumachen;

l.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m.    das Verlassen der Wege;

n.      das Einbringen von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden;

o.      Dauergrünland in Ackerland umzuwandeln.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

a.       für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

b.      für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, in diesem Rahmen den Schutzzweck durch forstwirtschaftliche Maßnahmen entsprechend dem Pflegeplan nach § 6 der Verordnung zu unterstützen;

c.       für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung der im Schutzgebiet befindlichen Wiesen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß sie Dauergrünland bleiben, nur dem Schutzzweck entsprechend mäßig gedüngt werden und keine Schädlings- und Krankheitsbekämpfungsmittel eingebracht werden;

d.      für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

e.       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Die für das Waldgebiet erforderlichen Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sind durch einen Pflegeplan in Abstimmung mit der Forstverwaltung festzulegen.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrigkeiten im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Karlsruhe, den 21. Dezember 1979

Dr. Müller