2.042 Aalkistensee

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Aalkistensee” vom 21. Dezember 1979 (GBl. v. 14.02.1980, S. 87).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. S. 99), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Maulbronn und der Gemeinde Ölbronn-Dürrn, Landkreis Enzkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Aalkistensee".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca.49,5 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 7. September 1979 auf dem Gebiet der Stadt Maulbronn, Ortsteil Maulbronn: das Grundstück "Aalkistensee" Flurstück (Flst) Hausnr. 1, die Grundstücke Flst. Nr. 680 (Seegrundstück), 680/1, 680/2, 934/3, 3037/1 teilweise, 3037/4 teilweise, 3040 teilweise,3041/1, 3041/2, 3042, 3046, 3046/1, 3049; auf dem Gebiet der Gemeinde Ölbronn-Dürrn, Ortsteil Ölbronn, die Grundstücke: 2130/1 (Elfinger Wald) mit FW 57 (Flurweg).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte (Meßtischblatt) im Maßstab 1:25000 und in einer Detailkarte (Flurkarte) im Maßstab 1:2500 rot eingetragen. In einer Bestandskarte im Maßstab 1:2500 sind die zulässigen Nutzungen eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe in Karlsruhe verwahrt, eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Enzkreis in Pforzheim.

Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Westlicher Schutzzweck ist aus ökologischen sowie wissenschaftlichen Gründen die Erhaltung des Sees mit den ihn umgebenden, unterschiedlichen Feuchtgebieten und Hangzonen in ihrer Eigenart, Vielfalt und Schönheit.

Die Schutzwürdigkeit ergibt sich insbesondere aufgrund:

a) der Bedeutung des Gebietes als Lebensraum artenreicher Pflanzen- und Tiergesellschaften;

b) der Bedeutung des Sees als Standort großflächiger Schilfbestände, in seinem Uferbereich als Wuchsort gefährdeter Pflanzenarten wie Teichampfer (Rumex hydrolapathum) und Sumpf-Greiskraut (Senecio paludosus);

c) der überregionalen Bedeutung des Gebietes als Brut- und Rastplatz zum Teil gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Vogelarten und als eines der wenigen Laichgebiete für Amphibien im Kraichgau.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a.       bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten  oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b.      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen oder zu verändern, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c.       die Bodengestalt zu verändern;

d.      fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu ändern, Entwässerungs- oder sonstige Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e.       Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f.       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g.      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h.      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen und zu vertreiben, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn-, Rast-, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j.        zu baden, zu zelten, zu reiten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Stände aufzustellen;

k.      Feuer anzumachen, außer an einer eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstelle auf dem Grundstück "Aalkistensee";

l.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m.    den See mit Booten aller Art zu befahren oder sonstige schwimmende Anlagen einschließlich Bojen zu verankern oder zu betreiben;

n.      das Befahren der Wege mit Fahrzeugen aller Art, ausgenommen sind die Fahrzeuge der Anlieger, zu deren Gebäuden im oder unmittelbar am Schutzgebiet sowie der land- und forstwirtschaftliche Verkehr;

o.      Flugmodelle und Modellboote zu betreiben;

p.      die gekennzeichneten Wege zu verlassen;

q.      Dauergrünland in Ackerland umzuwandeln;

r.        auf den Dauergrünlandflächen, die als solche in der Bestandskarte gekennzeichnet sind, Schädlings- und Krankheitsbekämpfungsmittel einzubringen;

s.       die überwiegend von Schilf- und Seggenbeständen bewachsenen Feucht- und Naßwuchsorte (sowie die Orchideenwiese) in dem Umfang wie in der Bestandskarte dargestellt, anders als nach Vorschriften der höheren Naturschutzbehörde zu pflegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht für:

a.       die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

b.      die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß der Fischfang nur in Form des Angelns am Ufer des Staudammes und am südlichen Ufer vom Staudamm aus auf einer Strecke von 150 m Länge erfolgt oder durch einen Berufsfischer unter Beachtung entsprechender Vorschriften der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt wird;

c.       die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß nur eine Umwandlung von Ackerland in Dauergrünland zulässig ist und § 4 Abs. 2 Nr. 1, 4, 17a), b) und 18 gilt;

d.      die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß in dem im Naturschutzgebiet liegenden "Elfinger Wald" nur eine schonwaldartige Bewirtschaftung durchgeführt wird, um das bisherige Bestandsbild mit Eiche und Hainbuche zu erhalten und bei einer Verjüngung die Artenzusammensetzung dem Wuchsort anzupassen;

e.       Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

f.       behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen und Anlagen, die der Überwachung, der wissenschaftlichen Beobachtung und der Information der Besucher dienen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Das im Naturschutzgebiet befindliche Dauergrünland ist jährlich mindestens einmal zu mähen. Das Mähgut ist aus dem Schutzgebiet abzufahren.

Die Schutz- und Pflegemaßnahmen und Einrichtungen im Schutzgebiet werden je nach Erfordernis durch die höhere Naturschutzbehörde oder in ihrem Einvernehmen im ahmen eines Pflegeplanes oder durch Einzelanordnungen durchgeführt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Die Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Karlsruhe, den 21. Dezember 1979

Dr. Müller