2.047 Neckarhochufer

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Neckarhochufer" vom 21. Dezember 1979 (GBl. v. 29.02.1980, S. 129).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. 99), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Haßmersheim, Gemarkung Hochhausen/ Neckar-Odenwald-Kreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Neckarhochufer".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von etwa 5,9 ha.

Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Haßmersheim, Gemarkung Hochhausen, die Grundstücke: Flst. Nrn. 1076/5, 1076/6, 1076/7, 1076/8, 1076/10, 1076, 1104/1, 1105, 1107, 1107/1, 1108, 1109, 1110, 1126/1, 1120 und 1126; Teile der Grundstücke Flst.Nr. 1103 (nördliche Straßenböschung der Landesstraße 588), 1226 (bis etwa zur Nordwestecke des Flst.Nr. 172./1), 1226/15 (vom »Pfaffenstock« nach Südosten bis etwa in Höhe der Parkbucht der Landesstraße 588), 172 (10 m breiter Streifen im Uferbereich des Neckars parallel zu den Grundstücken Flst.Nrn. 1126/1, 1120, 1126 und 1226); entsprechend der Flurkarte mit Stand vom 1. Juli 1975.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:10000 und in zwei Flurkarten im Maßstab 1:1500 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde in Karlsruhe verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach. Die Verordnung kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung:

a)      eines geomorphologisch und geologisch eindrucksvollen Neckaruferbereiches im Grenzbereich zwischen den Landschaftsformationen Odenwald und Kraichgau;

b)      eines bedeutenden Standortes für eine artenreiche Klebwaldgesellschaft;

c)      eines Lebensraumes für zahlreiche seltene zum Teil bedrohter Tierarten, insbesondere von Reptilien, Insekten und Vögeln;

d)     eines kulturgeschichtlich und landeskundlich bedeutsamen Landschaftsteiles im Neckar-Elz-Raum.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a)      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b)      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c)      ie Bodengestalt zu verändern;

d)     Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern;

e)      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f)       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g)      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h)      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i)        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j)        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

k)      Feuer anzumachen;

l)        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen verursachen;

m)    flächenhafte Ausstockungen jeglichen Umfanges durchzuführen;

n)      Aufforstungen vorzunehmen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht für:

a)      die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und der Fischerei;

b)      die ordnungsgemäße land- und forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß auf allen Waldgrundstücken mit Ausnahme der Grundstücke Lgb. Nr. 1076/6 und 1076/8 keine flächenhaften Ausstockungen durchgeführt werden und daß keine Umwandlung der Waldgrundstücke in Nadelwald erfolgt;

c)      die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

d)     Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

e)      behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Pflegemaßnahmen

 

(1) Die für das Schutzgebiet erforderlichen Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch Einzelanordnungen der höheren Naturschutzbehörde festgelegt.

 

(2) Die Pappelaufforstungen auf den Grundstücken Lgb.Nr. 1076/6 und 1076/8 sind langfristig, spätestens aber nach Hiebreife der Bäume, wieder in Grünland umzuwandeln.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Karlsruhe, den 21. Dezember 1979

Dr. Müller