2.055 Neulinger Dolinen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Neulinger Dolinen", Enzkreis vom 1. Juli 1981 (GBl. v. 14.08.1981, S. 438).

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. S. 99), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Neulingen, Gemarkung Göbrichen, Landkreis Enzkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt.

Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Neulinger Dolinen".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 12,5 ha.

Es umfaßt nach dem Stand vom 12. Oktober 1979 auf dem Gebiet der Gemeinde Neulingen, Gemarkung Göbrichen, die folgenden Grundstücke:

Flst.Nr. 3958, 3959, 3960, 3961, 3962, 3963, 3964, 3965/1 (teilweise), 3967, 3968 (teilweise), 3969 (teilweise), 3972 (teilweise), 3984 (teilweise), 3986, 3988 (teilweise), 4017, 4018, 4019, 4021, 4022, 4023, 4024, 4025, 4026, 4027, 4028, 4029, 4030/1, 4032, 4034, 4035, 4038, 4039, 4040/1. 4042, 4043, 4044 (teilweise), 4047 (teilweise), 4050 (teilweise), 4051, 4052 (teilweise), 4053 (teilweise), 4054, 4055 (teilweise), 4057 (teilweise), 4060 (teilweise), 4063 (teilweise), 4065, 4066/1 (teilweise), 4067, 4070, 4072, 4073, 4074, 4075, 4077, 4078/1, 4080, 4081, 4082, 4083, 4084, 4085 (teilweise), 4086, 4087, 4088, 4089 (teilweise), 4093 (teilweise), 4094, 4096, 4097, 4098/1, 4100, 4101, 4104, 4105 (teilweise), 4106 (teilweise), 4107 (teilweise), 4110/1 (teilweise), 4112 (teilweise), 4119 (teilweise), 4120, 4121, 4123, 4124 (teilweise), 4125 (teilweise), 4126 (teilweise), 4127 (teilweise), 4129 (teilweise), 4130 (teilweise), 4131 (teilweise), 4133 (teilweise), 4134, 4137, 4138, 4139, 4140, 414 1, 4142/2 (teilweise), 4143 (teilweise), 4144, 4145, 4147/1, 4148, 4149, 4152/1, 4153, 4154, 4155, 4156, 4157, 4158, 4159 (teilweise), 4160, 4161, 4163, 4165/1, 4166, 4167, 4168, 4169, 4170, 4171 (teilweise), 4172 (teilweise), 4173, 4175/1, 4177 (teilweise).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte (Meßtischblatt) im Maßstab 1:25000 und in einer Detailkarte (Flurkarte) im Maßstab 1:1500 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Karlsruhe in Karlsruhe verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Enzkreis in Pforzheim. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist aus ökologischen, geologischen sowie wissenschaftlichen Gründen die Erhaltung der malerischen Wiesenlandschaft mit zahlreichen Dolinen in einer abflußlosen Senke.

Die Schutzwürdigkeit ist insbesondere gegeben aufgrund der geologischen Bedeutung der Dolinen und dem ökologischen Wert der unterschiedlich feuchten Wiesen, Röhrichte, Gebüsch- und Baumbestände.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachteiligen (nachhaltigen!) Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a)      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b)      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c)      die Bodengestalt zu verändern;

d)     fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen oder zu ändern sowie Entwässerungs- oder Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e)      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f)       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g)      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h)      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen oder zu vertreiben, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten; Puppen; Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn-, Rast-, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i)        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j)        zu zelten, zu reiten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Stände aufzustellen;

k)      Feuer anzumachen;

l)        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m)    das Befahren der Wege mit Fahrzeugen aller Art;

n)      Flugmodelle zu betreiben;

o)      die Wege zu verlassen;

p)      Grünland umzubrechen;

q)      die überwiegend von Gehölz-, Röhricht- und Seggenbeständen bewachsenen Feucht- und Naßwuchsorte sowie Brachen anders als nach Vorschriften der höheren Naturschutzbehörde zu pflegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht für:

1.      die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

2.      die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
 a) Wiesen wie bisher als Dauergrünland genutzt werden,
 b) die vorhandenen Röhricht-, Seggen- und Gehölzbestände nicht verändert werden,
 c) bestehende Ackerflächen in Dauergrünland umgewandelt werden,
 d) § 4 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 bis 6, 16 und 17 gelten;

für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung der im Schutzgebiet befindlichen Waldstücke mit der Maßgabe, daß bei der Forsteinrichtung nur standortgemäße mittel- und langfristige Laubholzbetriebszieltypen vorgesehen werden und die Bestände schonwaldartig bewirtschaftet werden. Dem Trauf des Laubmischwaldes sind standortgemäße Straucharten vorzulagern;

Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

a)      Das im Naturschutzgebiet gelegene Dauergrünland ist jährlich mindestens einmal zu mähen. Das Mähgut ist aus dem Schutzgebiet abzutransportieren.

b)      Die Ackerflächen sind in Dauergrünland umzuwandeln.

c)      Weitergehende Pflegemaßnahmen und –einrichtungen werden von der höheren Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan entwickelt oder durch Einzelanordnungen getroffen.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Karlsruhe, den 1. Juli 1981

Dr. Müller