2.057 Ersinger Springenhalde

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Ersinger Springenhalde" vom 29. Juni 1982 (GBl. v. 13.08.1982, S. 376).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 30. Mai 1978 (GBl. S. 286), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Kämpfelbach, Gemarkung Ersingen, Landkreis Enzkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Ersinger Springenhalde".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 38 ha.

Es besteht aus einem nördlichen und zwei südlichen Teilgebieten und umfaßt nach dem Stand vom 15. August 1979

im nördlichen Teilgebiet die Grundstücke Flst. Nrn. 5182 bis 5184, 5185 (teilweise), 5186, 5186/1. 5187, 5188, 5474, 5475, 5475/1, 5476 bis 5486, 5488 bis 5504, 5506 bis 5517, 5519 bis 5524

und in den südlichen Teilgebieten die Grundstücke Flst. Nrn. 4492 bis 4507, 4517/1, 4603, 4621 bis 4623, 5457 (teilweise) 5531 bis 5534, 5545 bis 5548, 5548/1, 5549 bis 5554, 5556, 5558 bis 5585, 5587/1, 5587/2, 5588 bis 5594, 5637; 5641 bis 5645, 5647 bis 5657, 5687 bis 5704, 5704/1, 5705 bis 5711, 5714, 5715, 5715/1, 5717 bis 5743, 5745 bis 5761, 5763 bis 5767, 5772, 5773, 5776/1, 5777 bis 5784, 5786 bis 5789, 5791, 5792, 5795, 5797 bis 5806, 5809 bis 5814, 5821, 5822/1, 5825, 5827, 5838, 5841, 5842, 5849 (teilweise), 7741 (teilweise).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in zwei Übersichtskarten im Maßstab 1:25000 und im Maßstab 1:5000 und in zwei Detailkarten (Flurkarten) im Maßstab 1:1500 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der höheren Naturschutzbehörde - Regierungspräsidium Karlsruhe - verwahrt, eine Ausfertigung befindet sich bei der unteren Naturschutzbehörde - Landratsamt Enzkreis - in Pforzheim Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Dienststunden eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist aus ökologischen sowie wissenschaftlichen Gründen die Erhaltung des Hanges, des anschließenden Wiesentales und von Teilen der Hochfläche in ihrer landschaftsprägenden Eigenart und biologischen Vielfalt.

Die Schutzwürdigkeit ist insbesondere gegeben aufgrund:

a) der Bedeutung des Gebietes als Lebensraum artenreicher Pflanzen- und Tiergesellschaften, dar unter eine Vielzahl hochgradig gefährdeter Insekten- und Vogelarten;

b) der besonderen Bedeutung des trockenen südexponierten Hanges als Wuchsort vielfältiger Halbtrockenrasengesellschaften mit hochgradig gefährdeter Pflanzenarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung, Beeinträchtigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a)      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b)      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen aller Art zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c)      die Bodengestalt zu verändern;

d)     fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu ändern, Entwässerungs- oder sonstige Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e)      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f)       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g)      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h)      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen oder zu vertreiben, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten, Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn-, Rast-, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören sowie zum Fang geeignete Vorrichtungen zu errichten oder zu betreiben;

i)        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j)        mit motorbetriebenen Fahrzeugen zu fahren, zu reiten oder mit bespannten Fahrzeugen zu fahren;

k)      zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

l)        Feuer anzumachen oder zu grillen;

m)    ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

n)      die Wege zu verlassen;

o)      Düngemittel, Pflanzenschutzmittel oder andere chemische Mittel einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

a)      für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

b)      für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß in dem im Naturschutzgebiet liegenden Teil des Gemeindewaldes Distrikt II Springenhalde standortgemäße, mittel- und langfristig zu bewirtschaftende Laubholzbetriebszieltypen, angepaßt an die derzeitige naturnahe Vegetation mit zum Teil hochgradig gefährdeten Pflanzen, vorzusehen sind und mit der weiteren Maßgabe, daß bei künftig anstehenden Bestandsverjüngungen des vorhandenen Mittelwaldes Kahlschläge von mehr als 2 ha nicht durchgeführt werden dürfen;

c)      für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung der Grundstücke Flst. Nrn. 5545, 5546, 5547, 5548, 5548/1, 5549, 5550, 5551, 5552, 5553, 5554, 5556, 5763, 5786, 5787,5788, 5789, 5791 und 5792 in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang. Die restlichen, westlich der Bundesstraße 10 im Schutzgebiet liegenden Grundstücke dürfen nur als Dauergrünland genutzt werden.

d)     für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung mit der Maßgabe, daß keine Düngemittel, Pflanzenschutzmittel oder andere chemische Mittel eingebracht werden dürfen;

e)      für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

f)       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Pflegemaßnahmen werden von der höheren Naturschutzbehörde nach Bedarf durch Einzelanordnungen durchgeführt.

Bei der Bestandsverjüngung des vorhandenen Mittelwaldes ist eine für die Erhaltung der schutzwürdigen Arten in der Krautschicht ausreichende Anzahl von Altbäumen (Überhälter) stehen zu lassen. Die dem Mittelwald folgenden Waldgenerationen sind schonwaldartig zu bewirtschaften.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Karlsruhe, den 29. Juni 1982

Dr. Müller