2.059 Todtenbronnen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde über das Naturschutzgebiet "Todtenbronnen" vom 12. November 1982 (GBl. v. 25.01.1983, S. 17).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 4 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21.Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 30. Mai 1978 (GBl. S. 286), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Schönbrunn, Gemarkungen Schönbrunn und Haag, im Rhein-Neckar-Kreis werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Todtenbronnen".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 13,2 ha. Die Kreisstraße 4 105 (Flst. Nr. 446/2, 7879/1 und 7881/1) trennt Naturschutzgebiet in zwei Teilflächen. Der nördliche Teil, die Todtenbronnenwiese, hat eine Größe von ca. 0,6 ha, der südlich an die Kreisstraße 4105 anschließende größere Teil umfaßt ca. 12,6 ha. Der außerhalb des Schutzgebietes liegende Todtenbronnenweg begrenzt das Naturschutzgebiet im Osten. Das Naturschutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom 11. November 1981 auf dem Gebiet der Gemeinde Schönbrunn, Gemarkung Schönbrunn, die Grundstücke Flst. Nrn. 5397/1, 5398, 446/4, 7752, 7753, 7754, 7755, 7876 (teilweise), 7877 (teilweise), 7879, 7880 (teilweise) und 7882 (teilweise), und Gemarkung Haag, Grundstücke Flst. Nrn. 6393, 6394, 6395, 6396, 6397, 6398, 6399, 6400, 6401, 6402, 6403, 6404, 6405, 6406, 6407, 6408, 6409, 6410, 6411, 6412, 6413, 6414, 6415,6416,6417, 6419, 6420, 6421, 6422, 6423, 6424, 6425, 6426, 6427, 6428, 6429, 6430, 6431, 6432, 6433, 6434, 6436, 6437, 6438, 6439, 6440, 6441, 6443, 6444, 6445, 6446, 6447, 6448, 6449, 6450, 6452, 6453, 6454, 6456, 6457, 6458, 6459, 6460, 6461, 6462, 6463 und 6464.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in einer Karte im Maßstab 1:25000 und in einer Flurkarte im Maßstab 1:1500 rot eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde verwahrt; eine Ausfertigung befindet sich beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis als unterer Naturschutzbehörde. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung eines naturnahen Quellengebietes mit Pflanzengemeinschaften feuchtnasser Standorte sowie mit beginnender Flachmoorbildung als Lebensraum für gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a)      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b)      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen aller Art zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c)      die Bodengestalt zu verändern;

d)     Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern können, insbesondere zu drainieren, die Quellbereiche zu fassen, die Abflußverhältnisse zu verändern oder Fischteiche anzulegen;

e)      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f)       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g)      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h)      8. Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen oder zu vertreiben, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten oder Rast-, Nahrungs- oder Schlafplätze dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören sowie zum Fang geeignete Vorrichtungen zu errichten oder zu betreiben;

i)        die nicht forstlich genutzten Grundstücke einer anderen Nutzung zuzuführen;

j)        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufs- bzw. andere Stände aufzustellen;

k)      Feuer zu entzünden oder zu unterhalten sowie zu grillen;

l)        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m)    die ausgewiesenen Wege zu verlassen;

n)      zu baden oder mit Booten aller Art (auch mit Modellbooten) zu fahren;

o)      Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

p)      Pflanzenschutzmittel oder andere chemische Mittel zu lagern oder auszubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

a)      für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd – mit Ausnahme der Wasservogeljagd - mit der Maßgabe, daß Wild nur auf forstlich bewirtschafteten Flächen gefüttert oder angekirrt werden darf. Hochsitze und Kanzeln dürfen, soweit erforderlich, nur im Wald und am Waldrand aufgestellt werden und müssen sich nach Konstruktion, Material und Farbe unauffällig in die Landschaft einfügen;

b)      für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) in den vernäßten Partien sukzessive eine bruchwaldartige Laubbaumbestockung anzustreben ist;
b) die auf den übrigen Waldflächen vorhandenen Nadelholzbestände langfristig in standort- und landschaftsgerechte Mischbestände umgewandelt werden;
c) § 4 Abs. 1 und insbesondere § 4 Abs. 2 Ziff. 3, 4 und 16 zu beachten sind;

c)      für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß die bisher landwirtschaftlich genutzte Fläche ausschließlich als einschürige, ungedüngte Streuwiesen genutzt wird;

d)     für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

e)      für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

f)       für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Die erforderlichen Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen im Schutzgebiet werden von der höheren Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

Karlsruhe, 12. November 1982

gez.: Dr. Müller