2.065 Tieflach und Eichenlach

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Tiefenlach und Eichenlach" vom 30. November 1983 (GBl. v. 13.01.1984, S. 8).

 

Aufgrund von § 21 und § 58 Abs. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) und von § 22 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Au am Rhein, Durmersheim und Elchesheim-Illingen, Landkreis Rastatt, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Tieflach und Eichenlach".

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 10 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 1. Oktober 1982 auf dem Gebiet der Gemeinden:

a) Au am Rhein die Grundstücke Flst. Nrn. 626-628, 630-633,.635/1, 2240, 2241, 2239/3, 2484-2495, 2239/1, 2239 und teilweise die Grundstücke Flst.Nrn. 637, 2394, 2395/1, 2395/2, 2396, 2397, 2397/1, 2399-2407, 2408/1, 2408/2, 2411-2431, 2432/1, 2434-2444, 2545/1-2545/4, 2547-2550, 2552-2563, 2566 und 2567;

b) Durmersheim, Ortsteil Würmersheim, die Grundstücke Flst.Nrn. 886, 886/1, 886/2, 886/3, 906, 907, 908/1, 910, 911,957 und teilweise die Grundstücke Flst.Nrn. 887-897, 899/1, 900, 912, 914, 914/3, 915-922, 924-925, 937-939, 941, 943-955, 955/3, 956 sowie teilweise das Grundstück Nr.564 des Gemeindewaldes Distrikt IV, Rotlichwald;

c) Elchesheim-Illingen, Ortsteil Elchesheim die Grundstücke:
 Flst. 2786, 2816, 2817 und teilweise die Grundstücke 2782- 2784, 2786/3, 2787-2792, 2794/1, 2795, 2797, 2798, 2800-2807, 2809-2812, 2814, 2815, 2818-2832, 2832/4, 2832/5, 2833, 2834/1, 2834/2, 2835/4, 2835/5 und 2835-2851.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte und zwei Detailkarten im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie flächig grau bzw. im Maßstab 1:1500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Rastatt auf die Dauer von drei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung einer landschaftlich besonders reizvollen ca. 1,5 km langen Flußrinne mit zum Teil altrheinartig anmutenden offenen Wasserflächen und der sie begleitenden Gehölzstreifen, Röhrichte und Feuchtwiesen als Lebensraum seltener Tier- und Pflanzengesellschaften.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a)      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b)      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c)      die Bodengestalt zu verändern;

d)     fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e)      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f)       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g)      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h)      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu beringen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn-, Rast-, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i)        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j)        zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

k)      Feuer zu machen;

l)        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m)    Hunde frei laufen zu lassen;

n)      die Wasserflächen mit Booten, Luftmatratzen oder dergleichen zu befahren;

o)      Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

p)      Dauergrünland in Ackerland umzubrechen;

q)      Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden;

r)       Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen oder zu zerstören;

s)       das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§4 gilt nicht:

a)      für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß Schilf- und Röhrichtbestände nicht gemäht oder gemulcht werden dürfen;

b)      für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

c)      für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Um fang, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Abs. 2 Nrn. 3, 16, 17 und 18; zulässig ist das Zurückschneiden von Hecken und Sträuchern zur ordnungsmäßigen landwirtschaftlichen Nutzung der Grundstücke;

d)     für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Um fang mit der Maßgabe, daß entlang der Flußrinne nur eine Nutzung von abgängigen und hiebsreifen Bäumen einzelstammweise erfolgen darf, wobei Nachpflanzungen vorzunehmen sind;

e)      für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

f)       für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

g)      für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreigung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 30. November 1983

Dr. Müller