2.073 Kraichbachniederung

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Kraichbachniederung" vom 12.04.1984 (GBl. v. 22.05.1984, S. 315).

 

Auf Grund von §§ 21,58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Kraichtal, Ortsteile Unteröwisheim und Oberöwisheim, Landkreis Karlsruhe, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Kraichbachniederung".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 49 ha.

Es umfaßt auf dem Gebiet der Stadt Kraichtal, Ortsteil

 

a) Oberöwisheirn, die Grundstücke Flst.Nrn. 3331 (teilweise), 3335 (teilweise), 3610-3615, 3617, 3617/1, 3617/2, 3617/3, 3618-3621, 3623-3625, 3625/1, 3626, 3627/1, 3627/2, 3628-3632, 3634-3636, 3654-3656, 3658, 3660, 3665-3667, 3669-3674, 3677/1. 3678-3680, 3681/1, 3683, 3684, 3684/1, 3685, 3687-3692, 3694-3697, 3698/1, 3700-3713, 3715/1, 3715/2. 3716-3718, 3720. 3721, 3721/1, 3722, 3723, 3724/1, 3724/2, 3725-4731, 3732/1, 3732/2, 3733-3747, 3748/1, 3748/2, 3750, 3751, 3151/1. 3824/1;

b) Unteröwisheim, die Grundstücke Flst. Nrn. 516/1 (teilweise), 516/2, 6800, 6802-6806, 6808/1, 6809. 6811, 6813-6819. 6821/1, 6823, 6823/1, 6824-6833, 6869, 6994, 6996, 6997, 7000/1, 7000/2, 7001-7007, 7009-7022, 7024-7026, 7027/1, 7029-7036, 7038-7041, 7042/1, 7044-705Q, 7052,7053, 7054/1, 7056,7057, 7059, 7061, 7062, 7062/1, 7063, 7063/1, 7064, 7064/1, 7065, 7065/1, 7066,7066/1, 7067, 7067/1, 7068, 7068/1, 7069/1, 7070/1, 7071, 7072/1, 7072/2, 7073, 7074/1, 7076, 7076/1, 7077, 7077/1, 7078/1, 7078/2, 7079-7083, 7084/1, 7095, 7086, 7088-7090, 7092, 7092/1, 7093, 7093/1, 7094, 7094/1, 7095, 7095/1, 7096, 7098-7114, 7158 (teilweise), 7159, 7159/1.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte im Maßstab 1:1500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Sicherung der naturnahen Auenlandschaft mit ihren verschiedenartigen vom Bachlauf und zahlreichen Quellen geprägten Feuchtbiotopen als Lebensraum zahlreicher gefährdeter Pflanzen- und Tierarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.           bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.           Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.           die Bodengestalt zu verändern;

4.           fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.           Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.           Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.           Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.           Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.           die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.       zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.       außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.       ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.       die Wege zu verlassen;

14.       die Wege mit Fahrzeugen aller Art (ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Rollstühle) zu befahren;

15.       Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

16.       außerhalb von gekennzeichneten Wegen zu reiten;

17.       außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungsmittel einzubringen;

18.       Dauergrünland und Flächen, die von Gehölz-, Röhricht- oder Seggenbeständen eingenommen werden, in Ackerland umzuwandeln.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

2.           für die ordnungsmäßige Ausübung der landwirtschaftlichen Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) bestehendes Dauergrünland sowie Flächen, die von Gehölz-, Röhricht- oder Seggenbeständen eingenommen werden, nicht in Ackerland umgewandelt werden dürfen; ausgenommen von diesem Umbruchverbot ist das Gebiet auf der linken Seite des Kraichbachs auf Gemarkung Unteröwisheim, das talseits der Grundstücke mit den Flst. Nrn. 7036 und 7053 liegt;
b) auf Dauergrünland, auf welches sich das Umbruchverbot erstreckt, keine Pflanzenbehandlungsmittel eingebracht werden dürfen;
c) am Kraichbach und an den anderen Bachläufen nur abgängige und hiebsreife Bäume beseitigt werden dürfen, wobei für Pappeln Nachpflanzungen vorzunehmen sind;

3.           für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung;

4.           für den Bau eines Radweges entlang der Landesstraße 554, wobei die genaue Wegeführung mit der höheren Naturschutzbehörde einvernehmlich festzulegen ist;

5.           für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.           für die Durchführung des Pflegeplans (vgl. § 6);

7.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Pflegeplan

 

Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan einvernehmlich mit der Gemeinde und den betroffenen Grundstückseigentümern bzw. Nutzungsberechtigten festgelegt.

 

§ 7 Bestandskarte

 

Die Art der bestehenden landwirtschaftlichen Bodennutzung ist in einer Karte im Maßstab 1:1500 festgehalten. Die Karte ist für den Vollzug des § 5 Nr. 2 der Verordnung maßgebend. Sie ist beim Bürgermeisteramt der Stadt Kraichtal niedergelegt und kann dort eingesehen werden. Die Karte ist nicht Bestandteil der Verordnung.

 

§ 8 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlung vornimmt.

 

§ 10 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 12. April 1984

Dr. Müller