2.074 Kohlplattenschlag

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet »Kohlplattenschlag« vom 25. Juli 1984 (GBl. v. 06.09.1984, S. 556).

 

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts (LOWiBerG) vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Graben-Neudorf, Landkreis Karlsruhe, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Kohlplattenschlag«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 49,3 ha. Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Graben-Neudorf, Ortsteil Graben, einen Teil des Waldgrundstücks Lgb.Nr. 6412/2 und ist größtenteils eingezäunt. Die Grenze verläuft vom Schnittpunkt der Gemeindeverbindungsstraße zwischen dem Ortsteil Graben und dem Ortsteil Spöck der Gemeinde Stutensee auf der Gemarkungsgrenze zwischen diesen beiden Ortsteilen entlang der Einzäunung bis zum Gemarkungsgrenzstein Nr. 15. Von dort aus führt sie - jeweils entlang der Einzäunung in gerader Linie zunächst rd. 450 m in nordwestlicher, dann rd. 540 m in nordöstlicher Richtung zu einem Waldweg der Abteilung 32 des Gemeindewaldes »Seewald«. Die Grenze folgt der zu diesem außerhalb des Naturschutzgebietes liegenden Waldweg parallel verlaufenden Einzäunung bzw. dem Waldrand bis zur Gemeindeverbindungsstraße zwischen den Ortsteilen Graben und Spöck und von dort dem Straßenrand entlang zurück zum Ausgangspunkt.

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Detailkarte im Maßstab 1:1500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Diese Kaste ist kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000. Darin ist das Naturschutzgebiet mit durchgezogener roter Linie umrandet. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Auslegung bei den in Absatz 2 Satz 5 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung und Gestaltung eines durch den Kiesabbau auf dem Hardtwaldrücken der Niederterrasse des Rheingrabens entstandenen Refugiums für die Tier- und Pflanzenwelt, in dem sich all diejenigen ökologischen Vorgänge vollziehen können, die anderswo aufgrund der zahlreichen Störungen durch die Umwelt nicht mehr möglich sind. Darüber hinaus besteht der wesentliche Schutzzweck in der Erhaltung und Gestaltung eines hochwertigen naturkundlich-pädagogischen Lehr- und Studiengebietes zur Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a)      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b)      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c)      die Bodengestalt zu verändern;

d)     fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e)      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f)       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g)      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h)      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu beringen, zu füttern, zu verletzen, zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn-, Rast-, Nahrungs- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören; unter dieses Verbot fällt auch das Angeln;

i)        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j)        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

k)      Feuer anzumachen;

l)        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m)    die eingezäunte Fläche zu betreten;

n)      zu baden;

o)      die Wasserfläche mit Booten, mit Flößen, Luftmatratzen oder dergleichen zu befahren;

p)      Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

q)      das Gebiet mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

r)       Gehölze, Hecken oder Sträucher zu beseitigen oder zu zerstören.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) § 4 gilt innerhalb der eingezäunten Fläche nicht für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd auf Raubwild und Kaninchen mit der Maßgabe, daß die angelegten Ringgräben, Flachwasserzonen und Inseln dazu nicht betreten oder mit Booten befahren werden dürfen und auf den Flächen zwischen dem Wald und dem See die Jagd während der Brutzeit der Wasservögel vom 1. April bis zum 31. Juli ruht.

Unberührt von diesen Einschränkungen bleiben das Aneignungsrecht des Jagdausübungsberechtigten, soweit es sich nicht auf Eier von Federwild bezieht, sowie die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd außerhalb der eingezäunten Fläche.

Auf den Schutzzweck dieser Verordnung ist besonders Rücksicht zu nehmen.

 

(2) § 4 gilt weiter nicht:

 a) für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung der außerhalb der eingezäunten Fläche liegenden Waldteile;

 b) für die bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung des Grundstücks als Kies- und Sandentnahmestelle entsprechend der wasserrechtlichen Erlaubnis des Landratsamts Karlsruhe vom 1. Aug.1974;

 c) für forstliche Pflegemaßnahmen innerhalb der eingezäunten Fläche sowie Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

 d) für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, des Sees und der Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

 e) für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden von der höheren Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. Soweit sie den Wald betreffen, geschieht dies im Einvernehmen mit der Forstverwaltung.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Vorschriften Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 im Naturschutzgebiet die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 25. Juli 1984

Dr. Müller