2.075 Steinbruch Kirchardter Berg

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Steinbruch Kirchardter Berg" vom 27. Juli 1984 (GBl. v. 06.09.1984, S. 560).

 

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG (vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Sinsheim, Gemarkungen Steinsfurt und Reihen, Rhein-Neckar-Kreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt.

Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Steinbruch Kirchardter Berg".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von rund 12 ha.

Es umfaßt nach dem Stand vom 11. November 1981 auf dem Gebiet der Gemarkung Reihen die Grundstücke Flst.-Nrn.6436, 6431 und 3873 (tw) und auf dem Gebiet der Gemarkung Steinsfurt die Grundstücke Flst.-Nrn. 3360, 3877 (tw), 3884, 3894/1, 5556/6 und 54 (tw).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie flächig grau und in einer Detailkarte im Maßstab 1:1500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe, beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg und beim Bürgermeisteramt Sinsheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach der Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach ihrer Verkündung bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Sicherung des Kalksteinbruches und seiner unmittelbaren Umgebung als wertvoller Sekundärbiotop mit ökologisch bedeutsamen Vorwaldstadien und kleinflächigem Wechsel von Saumgesellschaften und Halbtrockenrasen, der sich durch eine hohe Artenvielfalt heimischer Tiere und Pflanzen auszeichnet und durch eine bisher ungestört ablaufende Sukzession der Vegetationsentwicklung ein wertvolles Studienobjekt für die wissenschaftliche Forschung darstellt.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a)      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b)      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c)      die Bodengestalt zu verändern;

d)     fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e)      Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f)       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g)      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h)      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i)        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j)        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

k)      Feuer zu entzünden oder zu unterhalten sowie zu grillen;

l)        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m)    die gekennzeichneten Wege zu verlassen;

n)      das Gebiet (mit Ausnahme der B 39) mit Fahrzeugen aller Art - mit oder ohne Motor - zu befahren;

o)      Flugmodelle oder sonstige Fluggeräte aller Art zu betreiben oder das Gebiet mit Hängegleitern zu überfliegen;

p)      zu reiten;

q)      Sukzessions- oder Brachflächen zu nutzen;

r)       Düngemittel oder Pflanzenbehandlungsmittel auszubringen oder zu lagern.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

 

a)      für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

b)      für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß § 4 Abs. 1 und 2 Nrn. 2 und 17 und bei der forstwirtschaftlichen Nutzung auch § 4 Abs. 2 Nr. 18 zu beachten sind;

c)      für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

d)     für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

e)      für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

f)       für den Ausbau der B 39 im Zusammenhang mit der geplanten Beseitigung des schienengleichen Bahnüberganges im Zuge der L 592 / B 39 bei Sinsheim-Steinsfurt, soweit der Ausbau unter Beachtung der Belange von Naturschutz und Landschaftspflege im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde im Planfeststellungsverfahren genehmigt wird.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden von der höheren Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, 27. Juli 1987

Regierungspräsidium Karlsruhe

gez.: Dr. Müller