2.079 Weissacher Tal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Weissacher Tal" vom 18. Februar 1985 (GBl. v. 29.03.1985, S. 43).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199),wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Knittlingen, Gemarkung Knittlingen, Enzkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Weissacher Tal".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 48,5 ha. Es wird begrenzt durch

 a) folgende außerhalb des Schutzgebietes liegende Straßen und Wege:

Vicinal Weg (Vic. W.) 3/1 (Kreisstraße K 4516) im Westen, Vic. W. 3/2 (K 4516) im Norden, Vic. W. 12 (K 4518) im Osten sowie Vic. W. 2 und b) den untersten -innerhalb des Schutzgebietes liegenden - Stufenrain (ab Grundstück Flst. Nr. 1335) im Süden. Das Naturschutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom 20. Juli 1981 auf dem Gebiet der Stadt Knittlingen die Grundstücke Flst. Nrn. 1058/1-1058/3,1059-1061, 1062/1-1062/3, 1063-1069, 1071-1080, 1081/1, 1081/2, 1082/1, 1082/2, 1083-1085, 1089, 1090, 1091/1, 1091/2, 1092/1, 1092/2, 1093/1, 1093/2, 1094/1, 1094/2, 1095-1102, 1103/1, 1103/2, 1104, 1105, 1106/1, 1106/2, 1107-1109, 1112, 1113/1, 1113/2, 1114, 11,15, 1116/1, 1116/2, 1117-1120, 1121, 1122/1, 1122/2, 1123-1125, 1126/11 1126/2, 1127, 1128/1, 1128/2, 1129-1135. 1136/1. 1136/2, 1137-1140, 1141/1, 1141/2, 1142-1148, 1149/1, 1149/2, 1150/1, 1150/2, 1151/1. 1151/2, 1152/1, 1152/2, 1153, 1154 , 1155/1, 1155/2, 1156-1163, 1164/1, 1164/2, 1165-1171, 1172/1. 1172/2, 1173-1176, 1177/1, 1177/2, 1178-1191, 1191/2, 1192 (zweimal), 1193, 1194/1, 1194/2, 1195, 1196, 1197/1, 1197/2, 1198, 1199/1, 1199/2, 1200-1203, 1204/1, 1204/2, 1205/1, 1205/2, 1206, 1207/1, 1207/2, 1208-1215, 1216/1-1216/3, 1217-1221, 1222/1, 1222/2, 1223-1237, 1238/1-1238/3, 1239-1247, 1248/1-1248/3, 1249-1253, 1254/1, 1254/2, 1255/1, 1255/2, 1256, 1257, 1258/1, 1258/2, 1259, 1260, 1261/1, 1261/2, 1262, 1263/1, 1263/2, 1264-1266, 1267/1, 1267/2, 1268-1273, 1274/1, 1274/2, 1275, 1276/1,1276/2, 1277, 1278/1, 1278/2, 1279-1286, 1287/1, 1287/2, 1288-1290, 1291, 1291/1, 1291/2, 1294-1296, 1297/1, 1297/2, 1298-1302, 1304-1306, 1307/1, 1307/2, 1307/3, 1308-1314, 1315/1, 1315/2, 1316, 1317/1, 1317/2, 1318, 1319, 1320/1, 1320/2, 1321-1325, 1326/1, 1326/2, 1327-1333, 1334/1, 1334/2, 1335, 1337, 1340-1342, Feldweg F.W. 35 und Bach 1 (Weissach) (teilw.).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie flächig grau und in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Enzkreis in Pforzheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung der zwischen Knittlingen und Freudenstein am Strombergrand gelegenen Talaue des Weissacher Tales mit folgenden Merkmalen:

·         Auewiesen und Restmoorflächen des Kraichgaurandes, die nach der Besiedlung zu den seltenen landschaftstypen zählen;

·         naturhafte Ausstattung mit Feuchtwiesen, Seggen- und Röhrichtbeständen sowie Gehölzformationen im Bachuferbereich in einer historischen Kulturlandschaft;

·         Feuchtgebiet mit Übergangszonen zu den trockenen Hangpartien als Lebensraum einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt, vor allem als Brut- und Rastbiotop für eine große Anzahl teilweise bedrohter Vogelarten.

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

a)      bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

b)      Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

c)      die Bodengestalt zu verändern, vor allem Abgrabungen oder Auffüllungen vorzunehmen;

d)     fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

e)      Abfälle, Erdaushub oder sonstige Gegenstände zu lagern;

f)       Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

g)      Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

h)      Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

i)        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

j)        zu reiten, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

k)      Feuer zu entzünden oder zu unterhalten sowie zu grillen;

l)        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

m)    die Wege zu verlassen;

n)      die Wege mit Motorfahrzeugen oder bespannten Fahrzeugen zu befahren;

o)      Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben oder mit Booten zu fahren;

p)      Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden;

q)      zu angeln und zu fischen;

r)       den Dauerstau an anderen als mit der höheren Naturschutzbehörde vereinbarten Terminen abzulassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

a)      für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

b)      für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei nach Maßgabe des zwischen dem Land Baden-Württemberg, vertreten durch den Leiter des Staatl. Forstamts Maulbronn, und dem jeweiligen Pächter im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe (höhere Naturschutzbehörde und Landesfischereisachverständiger) abgeschlossenen Fischereipachtvertrages;

c)      für die ordnungsmäßige Ausübung der forstwirtschaftlichen Nutzung mit der Maßgabe, daß die Bewirtschaftung gemäß § 6 der Verordnung durchgeführt wird;

d)     für die ordnungsmäßige Ausübung der landwirtschaftlichen Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß das derzeit landwirtschaftlich genutzte Gelände nicht erweitert wird und die Wiesengrundstücke als Dauergrünland bewirtschaftet werden, wobei die Verbote gemäß § 4 Absatz 2 Nrn. 2-5,9 und 16 zu beachten sind;

e)      für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

f)       für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragen Stelle angeordnet werden;

g)      für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

(1) Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

(2) Die Gehölzbestände sind entsprechend dem Schutzzweck dem Bruchwaldtypus einer Schwarzerlen-Waldgesellschaft anzugleichen. Die Artenauswahl trifft die Forstverwaltung einvernehmlich mit der höheren Naturschutzbehörde.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrigkeiten im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 18. Februar 1985

Dr. Müller