2.085 Mindersbacher Tal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Mindersbacher Tal" vom 24. Oktober 1985 (GBl. v. 17.12.1985, S. 415).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S.199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Ebhausen und der Stadt Nagold, Landkreis Calw, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Mindersbacher Tal".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 51 ha. Es wird im wesentlichen im Norden von der Straße zwischen Pfrondorf und Ebhausen, im Osten von der Feldflur nördlich von Mindersbach, dem Ortsrand von Mindersbach und der Hangkante über dem Mindersbacher Tal, im Süden von einer unregelmäßig entlang der Talgrundstücke verlaufenden Linie oberhalb des Parkplatzes an der Straße zwischen Nagold und Ebhausen, im Westen vom Ortsrand von Ebhausen, vom Hangwald und der Hangkante über dem Spechttal begrenzt. Es umfaßt nach dem Stand vom 29. Februar 1984 auf dem Gebiet der Gemeinde Ebhausen die Grundstücke Flst. Nrn. 1253, 1254/1, 1254/2, 1255-1257, 1263/2, 1264, 1264/1, 1265, 1275/1, 1275/2, 1276, 1276/1, 1276/2, 1277-1281, 1281/1, 1282/2, 1283, 1293, 1294/1, 1294/2,1295-1300,1301/1, 1307 (teilweise), 1308-1311, 1323 (teilweise), 1324-1332, 1334-1344, 1344/1, 1344/2, 1345, 1414/1, 1414/2, 1415-1419, 1420/1, 1420/2, 1421, 1422/1; 1422/2, 1423-1428, 1428/1, 1428/2, 1429, 1430, 1431/1, 1431/2, 14321434, 1443, 1444/1, 1444/2, 1445-1449, 1450/1, 1450/2, 1451, 1452, 1453/1, 1453/2, 1454/1, 1454/2, 1455-1459, 1460/1, 1460/2, 1461-14e4, 1465/1, 1465/2,1466-1478,1479 (teilweise), 1479/1-1479/7, 1480, 1480/1, 1482, 1482/1, 1514/2, 1519, 1520, 1521/1, 1521/2, 1522-1524, 1525/3, 1526/2, 1572-1575, 1576/1, 1576/2, 1580/1-1580/3, 1581-1585, 1586/1, 1586/2, 1589/2, 1590-1593, 1593/1, 1594, 1595, 1595/1, 1595/2, 1596/1, 1596/2, 1597, 1597/1, 1597/2, 1598,3119 (teilweise) und auf dem Gebiet der Stadt Nagold, Gemarkung Mindersbach die Grundstücke Flst. Nrn. 559/1, 559/2, 560-563, 564/1-564/3, 583, 584/1, 591/2, 593, 645, 660, 661, 663, 664/1, 664/2, 665/1, 665/2, 666-671, 672/1, 672/2, 673, 674, 678-680, 681/1, 681/2, 682-685, 686/1, 686/2, 688-694, 695/1, 695/2, 696-700, 701/1, 701/2, 702-707, 708/1, 708/2, 709-711, 713, 714, 715/1, 715/2, 716-724, 726-734, 740, 751 (teilweise), FW 7 (teilweise).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Calw und beim Bürgermeisteramt Nagold auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung eines Wiesentales im geologisch und erdgeschichtlich bedeutsamen Grenzbereich zwischen dem Oberen Buntsandstein des Schwarzwaldes und den Schichten des Muschelkalkes der Oberen Gäue, insbesondere:

1.            die Erhaltung und Entwicklung der Feuchtgebiete wie Teiche, Wasserläufe, Röhrichte, Aue und Feuchtwiesen mit ihren Gehölzen;

2.            die Erhaltung und Pflege der Trockenrasen- und Streuobstbestände;

3.            die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der standortgemäßen Laubwaldgesellschaften;

4.            die Erhaltung und nachhaltige Förderung der an die unterschiedlichen Lebensräume gebundenen, vielfältigen Pflanzen- und Tiergesellschaften mit einer Reihe von gefährdeten Arten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu reiten, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, Schlittschuh zu laufen sowie motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        Hunde frei laufen zu lassen;

15.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Fahrräder ohne Motorkraft und Krankenfahrstühle, auf dem Verbindungsweg FW7/3119 zwischen Ebhausen und Mindersbach, zu befahren;

16.        Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

17.        Dauergrünland in Ackerland umzubrechen;

18.        Pflanzenbehandlungsmittel und Dünger aller Art zu verwenden;

19.        Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen oder zu zerstören;

20.        zu angeln und zu fischen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, nicht in den vernäßten Bereichen (Gemarkung Ebhausen Grundst. Flst.Nrn. 1328 t., 1329 t., 1330, 1331 t., 1332, 1334 bis 1337, 1338 t., 1339 bis 1341, 1342 t., 1343 t., 1453/1 t., 1453/2 t., 1454/1 t., 1454/2 t., 1464 t., 1465/1 t., 1465/2 t.,1473 t., 1475 t, 1467 t., 1468 t., 1471 t.; Gemarkung Mindersbach Grundst. Flst. Nrn. 664/1 t., 664/2 t., 674 t., 678, 680 t., 679, 714, 715/1, 715/2, 716 t., 717 t., 718, 719 t.) zu jagen. Das Aneignungsrecht des Jagdausübungsberechtigten bleibt unberührt, soweit es sich nicht auf Eier von Federwild bezieht;

2.             2. für die ordnungsmäßige Ausübung der landwirtschaftlichen Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang ausgenommen § 4 Abs. 2 Nr. 3, 4, 17 und 19;

3.            für die ordnungsmäßige Ausübung der forstwirtschaftlichen Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
- die Grundstücke Flst. Nrn. 1257, 1263/2, 1309 (teilweise), 1335, 1420/1, 1420/2, 1425 und 1426 auf Gemarkung Ebhausen und die Grundstücke Flst. Nr. 667, 668, 670, 671 und 708/2 auf Gemarkung Mindersbach langfristig in standortgemäßen Laubwald umgewandelt werden,
 -die vorwiegend von Rotbuchen geprägte Laubwaldgesellschaft (Eufagion) auf der Annenmannnshalde (Grundstücke Flst.Nrn. 559/1, 559/2, 560-563, 564/1-564/3, 583, 584/1, 593, 668 t. und 669 auf Gemarkung Mindersbach und Grundstücke Flst. Nrn. 1427, 1428/1 t. und 1428/2 t. auf Gemarkung Ebhausen) möglichst langfristig erhalten und auf eine solche wieder verjüngt wird,
- der Bereich der Dohlenkolonie und Hohltaubenbrutbäume im Laubwald auf der Annenmannshalde besonders schonend durch Einzelstammentnahme gepflegt wird;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden - soweit sie Wald betreffen im Einvernehmen mit der Forstverwaltung – in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach den jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 Abs. 2 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

§ 10 Außerkrafttreten

 

Die Verordnung des Landratsamts Calw über das Landschaftsschutzgebiet "Nagoldtal" vom 24. November 1971 tritt für den Bereich dieses Naturschutzgebietes mit Inkrafttreten dieser Verordnung außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 24. Oktober 1985

Dr. Müller