2.086 Frauweilerwiesen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Frauweilerwiesen" vom 17. Oktober 1985 (GBl. v. 29.11.1985, S. 373).

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Wiesloch, Rhein-Neckar-Kreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Frauweilerwiesen".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 12,2 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 8. Juni 1983 auf dem Gebiet der Stadt Wiesloch, Gemarkung Wiesloch, die Grundstücke Flst.-Nr. 5139 (tw), 5276 (teilw. - BAB A 6), 5302 bis 5308 (jeweils teilw.), 5309/1 (teilw.), 5311 (teilw.), 5312/1 (teilw.), 5312/2 (teilw.), 5313 bis 5317 (jeweils teilw.), 5499 (teilw.), 5798 (teilw.), 5815 (teilw.), 5831 (teilw.), 5832 (teilw.), 5897/2 (teilw.), 5898 (teilw.), 5899/1,5899/2 (teilw.), 5900 bis 5914, 5915/1 und 5915/2, 5916 bis 5919, 5920 bis 5926 (jeweils teilw.), 5922/1, 5923/1, 5924/1, 5925/1, 5926/1, 5927/1 (teilw.), 5927/2, 5927/3 (teilw.), 5928 bis 5939 (jeweils teilw.), 5940 bis 5949, 5950/1, 5950/2, 5951 bis 5958, 5962, 5964 bis 5969, 5970/1 (teilw.), 5971 (teilw.), 6024 bis 6028, 6028/1, 6029 bis 6033, 6034 (teilw.), 6035 (teilw.) und 6036 bis 6038.

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener Linie sowie in einer weiteren Übersichtskarte im Maßstab 1:5000 und in einer Detailkarte im Maßstab 1:1500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe, beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg und beim Bürgermeisteramt Wiesloch auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung letzter wechselfeuchter Wiesen und eines nach aufgegebenem Tonabbau entstandenen Feuchtgebietes als Lebensraum heimischer Pflanzen und Tiere, insbesondere als Laich- oder Brutplatz gefährdeter Fisch-, Amphibien-, Reptilien-, Vogel- und Kleinsäugerarten.

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        Dauergrünland in Ackerland umzubrechen;

11.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

12.        Feuer zu entzünden oder zu unterhalten sowie zu grillen;

13.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

14.        die Wege zu verlassen;

15.        Erholungseinrichtungen aller Art anzulegen;

16.        zu reiten;

17.        zu baden sowie die Wasserflächen mit Booten, Flößen oder anderen schwimmfähigen Anlagen zu verankern oder zu betreiben sowie Stege zu errichten;

18.        Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

19.        Hunde mitzuführen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Jagdeinrichtungen wie Hochsitze, Jagdkanzeln und Futterstellen nur in einer 10 Meter breiten Randzone eingerichtet werden,
b) Schilf- und andere Röhrichtbestände nur im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe gemäht oder gemulcht werden,
c) Wildäcker nicht angelegt werden,
d) Gesellschaftsjagden nicht durchgeführt werden;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß
a) am größeren östlichen Gewässer die fischereiliche Nutzung nicht vom Boot aus und nur auf den in der Detailkarte hellviolett gekennzeichneten Uferstrecken ganzjährig und auf der hellviolett-blau punktiert gekennzeichneten Uferstrecke in der Zeit vom 1. September bis Ende Februar erlaubt ist,
b) am kleineren westlichen Gewässer und den übrigen Kleingewässern die fischereiliche Nutzung nur zu Hege- und Kontrollzwecken und im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde stattfindet;
c) neue fischereiliche Einrichtungen wie Angelstege und Angelplattformen nicht geschaffen werden dürfen;

3.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß Dauergrünland nicht in Ackerland umgebrochen wird;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

Karlsruhe, 17. Oktober 1985

Regierungspräsidium Karlsruhe

Dr. Müller