2.091 Wacholderheide Wurmberg und Brücklein

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Wacholderheide Wurmberg und Brücklein" vom 31. Juli 1986 (GBl. v. 15.09.1986, S. 314).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Hardheim, Neckar-Odenwald-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Wacholderheide Wurmberg und Brücklein".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 51 ha. Im Schutzgebiet liegen von Süden nach Norden folgende Gewanne: In der Lachen, Hohlwiesen-Weinberg, Wacholder-Wäldle, Alte Kirche, Brücklein, Boffertsklinge und Lichtberg sowie Teile der Gewanne Wurmberg, Ober der Gärtnersmühle und Hinter den Häusern.

 

Es umfaßt nach dem Stand vom 28. Oktober 1984

·               a) auf dem Gebiet der Gemeinde Hardheim, Gemarkung Bretzingen, die Grundstücke Flst. Nrn. 4659 (teilweise), 5154, 5159, 5297 (teilw.), 5301 bis 5311, 5337 bis 5382, 5382/1 und 5386 bis 5408,

·               b) auf dem Gebiet der Gemeinde Hardheim, Gemarkung Hardheim, die Grundstücke Flst.Nrn. 8959, 8961, 9005 bis 9008, 9010, 9011, 9013 bis 9021, 9021/1, 9021/2 (teilw.), 9023 bis 9049, 9023/1 bis 9032/1, 9034/1, 9035/1, 9038/1, 9039/1, 9041/1, 9043/1 bis 9056/1, 9051 bis 9066, 9058/1 bis 9067/1, 9067/2, 9067/3, 9068 bis 9075, 9069/1 bis 9075/1, 9084, 9085, 9090 (teilw.), 9126 bis 9128, 9131, 9132/2 bis 9132/4, 9133, 9160/1 (teilw.), 9160/2 (teilw.), 9285 (teilw.), 9295 bis 9304, 9305/1, 9307, 9308/1, 9310 bis 9315, 9316/1, 9317 bis 9333, 9333/1, 9335/1, 9336, 9337, 9340 bis 9376, 9377/1, 9377/2, 9378 bis 9386, 9388 bis 9410, 9412, 9413, 9414 (teilw.), 9415 (teilw.), 9426, 11137 (teilw.), 11140 bis 11145, 11149 bis 11151 und 11156.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie sowie in einer weiteren Übersichtskarte im Maßstab 1:5000 und in vier Detailkarten im Maßstab 1:1500 mit roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird im Regierungspräsidium Karlsruhe, beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach und beim Bürgermeisteramt Walldürn auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niederglegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung einer ausgeprägten Wacholderheide als Schafweide, floristisch bedeutender Halbtrockenrasen, ehemaliger Weinberglagen mit typischer Begleitflora sowie wärmeliebender Waldgesellschaften als Bindeglied zwischen den Halbtrockenrasen des Baulandes und des Tauberlandes.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        10. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder motorgetriebene Schlitten zu benutzen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer zu entzünden oder zu unterhalten sowie zu grillen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        das Schutzgebiet als Start- und Landeplatz für Hängegleiter zu benutzen;

14.        die Wege zu verlassen;

15.        das Gebiet mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

16.        Dauergrünland in Ackerland umzubrechen;

17.        zu reiten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß die Einrichtung von neuen Wildfutterstellen unterbleibt;

2.            für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß in den Wachholderbestand kein Eingriff erfolgt, der den Gesamtcharakter des Naturschutzgebietes nachteilig beeinflussen kann, und eine Aufforstung der gehölzfreien Halbtrockenrasen unterbleibt;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für den Neubau der Umgehungsstraße Hardheim-Höpfingen im Zuge der Bundesstraße 27, soweit die Planung unter Beachtung der Belange von Naturschutz und Landschaftspflege im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde im ordentlichen Planfeststellungsverfahren festgestellt wird;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft. Gleichzeitig tritt im Geltungs-bereich dieser Verordnung die "Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Gewann "Wacholder" auf Gemarkung Bretzingen und Gewann "Brücklein" auf Gemarkung Hardheim im Landkreis Buchen im Odenwald" des Landratsamtes Buchen vom 20. Juni 1956 (Amtsblatt für den Landkreis Buchen Nr. 13 vom 5. Juli 1956) außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 31. Juli 1986

Dr. Bieringer