2.092 Erlen-, Metten- und Gründelbachniederung

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Erlen-, Metten- und Gründelbachniederung" vom 31. Juli 1986 (GBl. v. 31.10.1986, S. 363).

 

Aufgrund von §§ 21, 588 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

(1) Die in § 2 Abs. 1 und 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Ötisheim, Gemarkung Ötisheim und Ölbronn-Dürrn, Gemarkungen Ölbronn und Dürrn, Landkreis Enzkreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt.

 

(2) Die in § 2 Abs. 3 und 4 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Ötisheim, Gemarkung Ötisheim und Ölbronn-Dürrn, Gemarkung Dürrn, Landkreis Enzkreis, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.

 

(3) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Erlen-, Metten- und Gründelbachniederung".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca 165 ha. Es besteht aus 6 Teilen:

·                a) "Henkersklinge" mit Teilen des Mühlau"-Waldes,

·                b) "Wald unterhalb des Eichelberges" (beide auf dem Gebiet der Gemeinde Ölbronn-Dürrn),

·                c) "Schanzenhau", "Buchrain" und "Hellerwald" mit der "Erlenbachniederung vor und hinter dem Hürstwald" und Teilen des Hürstwaldes,

·                d) "Allmendwiesen",

·                e) "Ob Corres" und

·                f) "Eissee" (alle auf dem Gebiet der Gemeinde Ötisheim).

 

(2) Diese Teile umfassen nach dem Stand vom 11. Juli 1985 im einzelnen:

a) »Henkersklinge« (ca. 4,6 ha Flur) mit »Mühlau«-Wald (ca. 8,8 ha Wald) auf dem Gebiet der Gemeinde Ölbronn-Dürrn

·               an offener Flur
auf Gemarkung Ölbronn (»Henkersklinge«) die Grundstücke Flst. Nr.: 1420,1688,1711 bis 1718,1719/1,1719/2 und 1721 (teilweise -tw.) und auf Gemarkung Dürrn (»Henkersklinge«) die Grundstücke Flst. Nr.: 6578 / 1, 6578 / 2 und 6577 sowie

·               an Wald
auf Gemarkung Dürrn (»Mühlau« -Wald - Gemeindewald Distr. I, Eichelberg) das Grundstück Flst. Nr. 6575 (tw.) zwischen der Flur der Gewanne »Waldwiesen« und »Henkersklinge« im Westen und Norden sowie dem Mühlauweg und der K 4525 im Süden und Osten;

b) »Wald unterhalb des Eichelberges« (ca. 36,2 ha Wald) - Gemeindewald Distr. I, Eichelberg, auf dem Gebiet der Gemeinde Ölbronn-Dürrn auf Gemarkung Dürrn das Grundstück Flst. Nr. 6575 (tw.) zwischen dem Eichelbergweg im Westen und dem Schanzweg im Osten und einen 50 m breiten Korridor als Verbindung zum Teil c);

c) »Schanzenhau«, »Buchrain« und »Hellerwald« (ca. 42,4 ha Wald) mit der » Erlenbachniederung vor und hinter dem Hürstwald « (ca. 27,5 ha offene Flur) und dem Hürstwald (ca. 19,9 ha Wald) auf dem Gebiet der Gemeinde Ötisheim

·               an Wald
(»Schanzenhau«, »Buchrain« und »Hellerwald« - Gemeindewald Distr. II, Eichelberg) zwischen Schanzweg im Westen und L 1132 im Osten - die Grundstücke Flst. Nr.: 4361, 4644 (tw.), 4645 (tw.), 4646/1, 4646/2 mit den Feldwegen FW 24, FW 26/2 (tw.), FW 26/3 (tw.) sowie (» Hürstwald « - Gemeindewald Distr. IV, Hirschwald, mit dem Grundstück Flst. Nr. 4362 (tw.) und Staatswald des Forstbezirks Wiernsheim) - Wald östlich des Weges FW 18/2 und 18/3 mit dem Grundstück Flst. Nr.4364 (tw.) und

·               an Flur
(»Erlenbachniederung vor und hinter dem Hürstwald«) die Grundstücke Flst. Nr.: 4176, 4178 bis 4182, 4298/2, 4299 bis 4302, 4304 bis 4308, 4310 bis 4313, 4320 bis 4323, 4326/1, 4326/2, 4327 bis 4330, 4332, 4333, 4335 bis 4346, 4349, 4350, 4351/1, 4351/2, 4352 bis 4357, 4360, 4425 bis 4427, 4428/1, 4428/2, 4429 bis 4434, 4435/1, 4435/2, 4436 bis 4447, 4449 bis 4452, 4458 bis 4464, 4465/1, 4465/2, 4466 bis 4476, 4478, 4479, 4480/1, 4480/2, 4481 bis 4489, 4493 bis 4495, mit den Feldwegen FW 11/2 (tw.), FW 18/3 (tw.), FW 18/5, FW 18/6, FW 21 (tw.), FW 241, FW 242 (tw.), FW 243, FW 260 (tw.) und dem Bach 1 (tw);

d) »Allmendwiesen « auf dem Gebiet der Gemeinde  Ötisheim, Gemarkung Ötisheim (ca. 29,5 ha) die Grundstücke Flst. Nr.:

·               an Flur
4007/1, 4007/2, 4008, 4013, 4014, 4019, 4020/1, 4020/2, 4023 bis 4027, 4045 bis 4047, 4048/1, 4049/1, 4051, 4052, 4054/1, 4055/1, 4055/2, 4056/1, 4056/2, 4057/1 bis 4057/3, 4058/1 bis 4058/3, 4059 bis 4064, 4065/1, 4065/2, 4066 bis 4069, 4070/1, 4070/2, 4071/1, 4071/2, 4072/1, 4072/2, 4073/1, 4073/2, 4074 bis 4083, 4091 bis 4105, 4108 bis 4114, 4116 bis 4122, 4123/1, 4123/2, 4124, 4125/1, 4125/2, 4126, 4127/1, 4127/2, 4128/1, 4128/2, 4129/1, 4129/2, 4130 bis 4137, 4138/1, 4138/2, 4139 bis 4144, 4145/1, 4145/2, 4146, 4147/1, 4147/2, 4148 bis 4150, 4153 (tw.), 4154 (tw.), 4159/1, 4159/2, 4160, 4164, 4166/1, 4166/2, 4167 bis 4169, 4171, 4172/1, 4172/2, 4173 und 4174 sowie auf dem Gebiet der Gemeinde Ölbronn-Dürrn, Gemarkung Dürrn (ca. 5,1 ha) die Grundstücke Flst. Nrn.: 5614 bis 5617, 5619/1, 5619/2, 5620, 5622, 5628, 5633, 5637, 5638, 5640, 5643, 5645, 5648, 5649, 5653, 5656, 5658, 5663, 5665, 5698 (tw.), 5955, 5959;

e) »Ob Corres « (ca. 6,6 ha) auf dem Gebiet der Gemeinde Ötisheim, Gemarkung Ötisheim, die  Grundstücke Flst. Nr.: 3828 bis 3632, 3636, 3637, 3638/1 bis 3638/3, 3639 bis 3642, 3644 bis 3649, 3650/1 bis 3650/3, 3651, 3652, 3654/1, 3654/2, 3655 bis 3658, 3662, 3664, 3667, 3668, 3689, 3768 (tw.), 3769 (tw.), 3771 (tw.), 3772 (tw.), 3775 (tw.), 3778 (tw.) und  3788 (tw.);

f) »Eissee« auf dem Gebiet der Gemeinde Ötisheim, Gemarkung Ötisheim, die Grundstücke Flst. Nr.3581, 3584 (tw.) und Bach Nr.5/1 (tw.) (ca. 0,53 ha).

 

(3) Das Landschaftsschutzgebiet L1 hat eine Größe von ca. 70 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 11. Juli 1985 folgende Gewanne:

·                a) Gemeinde Ötisheim, Gemarkung Ötisheim: Sommerhau (tw.), Herdwiesen (tw.), Trieb, Riedwiesen (tw.), Hinter dem Hürstwald (tw.), Vor dem Hürstwald (tw.), Langwiesen, Unter dem Dürrner Weg (tw.), Rosenberg, Beim großen Brunnen, Hundsrücken (tw.), Kalbwiesen, Ob dem großen Brunnen (tw.), Großer Brunnen (tw.),

·                b) Gemeinde Ölbronn-Dürrn, Gemarkung Dürrn: Binsenplatte, Tiergarten und Waldwiesen.

 

(4) Das Landschaftsschutzgebiet L2 hat eine Größe von ca. 215 ha. Es umfaßt nach dem Stand vom 11. Juli 1985 folgende Gewanne:

 a) Gemeinde Ötisheim, Gemarkung Ötisheim:

·               an Flur:
Unter dem Eckhau (tw.), Baudenwiesen, Oberste Wiese, Herdwiesen (tw.), Hürstspitzen, Allmendwiesen (tw.), Unter dem Dürrner Weg (tw.), Wirsenäcker, Kohlplatte (tw.), Ob dem Brücklesweg (tw.), Wiesenäcker (tw.), Unter dem Brücklesweg, Mettenbach(tw.) und Gründelbach (tw.);

·               an Wald:
Schanzenhau (tw.), Buchrain (tw.), Hellerwald (tw.), Gemeindewald Distr. II - Eichelberg -Abt. 6, 8 und 9, tw.) und Hürstwald (tw.) (Gemeindewald Distr. IV - Hirschwald - und Staatswald des Forstbezirks Wiernsheim - Hirschwald westlich des Weges FW 18/2 und 18/3)

 b) Gemeinde Ölbronn-Dürrn, Gemarkung Dürrn:

·               an Flur:
Mühlau, Grün (tw.), Sommerhau (tw.), Steckwiesen (tw.) und Allmendwiesen (tw.) und

·               an Wald:
Mühlau (tw.) sowie Unterhalb des Eichelbergs (tw.) (beide Gemeindewald Distr. I - Eichelberg - Abt. 9 und 11).

 

(5) Die Grenzen der Schutzgebiete sind in einer topographischen Karte im Maßstab 1:25000 und in 10 Karten im Maßstab 1:2500 rot (Naturschutzgebiet gemäß § 2 Abs. 1 und 2), dunkelgrün (Landschaftsschutzgebiet L1 gemäß § 2 Abs. 3) und hellgrün (Landschaftsschutzgebiet L1 gemäß § 2 Abs. 3) und hellgrün (Landschaftsschutzgebiet L2 gemäß § 2 Abs. 4) eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Enzkreis in Pforzheim auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(6) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 5 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

(1) Schutzzweck für das Naturschutzgebiet ist die Erhaltung und Förderung

1.            der artenreichen, von unterschiedlichen Feuchtstufen bestimmten, vielfältigen Pflanzengesellschaften in Wald und Flur mit einer Reihe gefährdeter Tier- und Pflanzenarten,

2.            der im wesentlichen ungestörten Eichen-HainbuchenGesellschaft in ihren verschiedenen Ausbildungsformen,

3.            der seltenen Schilf-, Seggen- und Feuchtwiesengesellschaften,

4.            der durch Dauergrünland geprägten Kulturlandschaft in der Flur als Brut-, Nahrungs- und Rastbiotop für die an die Wiesenlandschaft gebundene und zunehmend bedrohte Tierwelt,

5.            der Wasservorkommen in Wald und Flur als Laich-, Nahrungs- und Rastbiotop bedrohter Tiere.

 

(2) Schutzzweck für das Landschaftsschutzgebiet L1 ist

1.            die Sicherung und Erhaltung der als Grünland genutzten Niederung als Nahrungs- und Rastbiotop für die in Abs. 1 Nr. 4 und 5 genannte Tierwelt,

2.            die Erhaltung der vorhandenen standortgemäßen Gehölzbestände, Riedflächen und Röhrichtbestände sowie der Wasservorkommen.

 

Schutzzweck für das Landschaftsschutzgebiet L2 ist

1.            die Sicherung des ökologisch notwendigen Ergänzungsraumes für die unter Abs. 1 Nr. 4 und 5 genannte Tierwelt,

2.             die Erhaltung und Pflege der großräumigen historischen Kulturlandschaft mit ihrem vielfältigen Boden- und Nutzungsmosaik am Fuße des Stromberges in der weitgehend naturnah ausgestatteten Flur und im naturnah ausgestatteten Wald.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            in der Flur Pflanzenbehandlungsmittel einzusetzen; im Wald Pflanzenbehandlungsmittel und Rodentizide einzusetzen außer zum Schutz vor waldbedrohenden Kalamitäten und zum Schutz lagernden Holzes, soweit keine anderen Maßnahmen in Frage kommen;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufs- bzw. andere Stände aufzustellen;

11.        Feuer zu entzünden oder zu unterhalten sowie zu grillen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Hunde frei laufen zu lassen;

14.        die Wege zu verlassen;

15.        zu reiten, zu fahren und Flugmodelle zu betreiben;

16.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

17.        Wiesen-, Ried- und Röhrichtflächen umzubrechen;

18.        Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern anzulegen.

 

§ 5 Im Naturschutzgebiet zulässige Handlungen

 

§ 3 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) in die Schilf- und Seggenbestände nicht eingegriffen wird und
b) bei der Bejagung der Schutzzweck der Verordnung berücksichtigt wird;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei im Eissee (Grundstück Flst. Nr. 2584) mit der Maßgabe, daß die Amphibienfauna nicht beeinträchtigt wird;

3.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß § 4 Abs. 2 Nrn. 3,4,9,16,17 und 18 beachtet werden;

4.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß entsprechend dem Schutzzweck die standortgemäßen Eichen-Hainbuchen- und Bruchwaldgesellschaften in ihren verschiedenen Ausprägungsformen erhalten, entwickelt und den natürlichen potentiellen Waldgesellschaften angepaßt werden;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen nach § 9;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Verbote für die Landschaftsschutzgebiete L1 und L2

 

(1) In den Landschaftsschutzgebieten sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            1. der Naturhaushalt geschädigt,

2.            2. die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            3. eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert wird oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            den Gewässern Amphibien sowie deren Laich und Jungtiere zu entnehmen;

2.            im Landschaftsschutzgebiet L1 Wiesen-, Ried- und Röhrichtflächen in Ackerland umzubrechen;

3.            Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern anzulegen.

 

§ 7 Erlaubnisvorbehalte für die Landschaftsschutzgebiete

 

(1) In den Landschaftsschutzgebieten bedürfen Handlungen, die den Charakter der Gebiete verändern oder den besonderen Schutzzwecken zuwiderlaufen können, der schriftlichen Erlaubnis der höheren Naturschutzbehörde.

 

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichten von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichten von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbauen, Entnehmen oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlegen oder Verändern von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlegen oder Verändern von Stätten für Sport und Spiel;

8.            Anlegen oder Verändern von Flugplätzen, einschließlich Modellfluggeländen;

9.            Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufs- bzw. sonstigen Ständen und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

10.        Anlegen, Beseitigen oder Ändern von fließenden oder stehenden Gewässern;

11.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

12.        Kahlschlagen von Wald auf einer Fläche von mehr als vier Hektar;

13.        Neuaufforsten, Umwandeln von Wald, Anlegen von Kleingärten oder wesentliches Ändern der Bodennutzung auf andere Weise;

14.        Beseitigen oder Ändern von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Feldgehölzen, uferbegleitenden Gehölzen, Wasservorkommen aller Art;

15.        Maßnahmen zur Veränderung des Wasserhaushalts im Landschaftsschutzgebiet L1.

 

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 6 Abs. 1 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann befristet oder widerruflich erteilt werden.

 

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 

§ 8 Zulässige Handlungen in den Landschaftsschutzgebieten

 

Die §§ 6 und 7 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke mit der Maßgabe, daß im Landschaftsschutzgebiet L1 das Umbrechen von Wiesen-, Ried- und Röhrichtflächen verboten ist, Maßnahmen zur Veränderung des Wasserhaushalts gemäß § 7 einer schriftlichen Erlaubnis bedürfen und in beiden Landschaftsschutzgebieten Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern nicht angelegt werden dürfen;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei mit der Maßgabe, daß im Rahmen der Fischerei das Entnehmen von Amphibien sowie deren Laich und von Jungtieren untersagt ist;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung, ausgenommen Maßnahmen nach § 7 Abs. 2 Nr. 15 und 16;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswagen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 9 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen im Schutzgebiet werden von der höheren Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen festgelegt; soweit sie Wald betreffen, sind sie im Einvernehmen mit der Forstverwaltung zu erstellen. Für den Gemeindewald "Hirschwald" Distrikt IV, Abteilung 1 und den Staatswald "Hirschwald" Distrikt IV, Abteilung 1 (teilweise) gilt die Schonwalderklärung der Forstdirektion Karlsruhe vom 1. Juli 1986.

 

§ 10 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 Naturschutzgesetz und nach den jagdrechtlichen Vorschriften Befreiung erteilt werden.

 

§ 11 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne von § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz handelt, wer

·               a) im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt,

·               b) in den Landschaftsschutzgebieten vorsätzlich oder fahrlässig entgegen den §§ 6 und 7 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne von § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 i. V. m. § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 12 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 31. Juli 1986

Dr. Bieringer