2.094 Neckarufer Seitelsgrund-Moosklinge

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Neckarufer Seitelsgrund- Moosklinge" vom 18. November 1986 (GBl. v. 23.12.1986, S. 461).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Schönbrunn, Rhein-Neckar-Kreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Neckarufer Seitelsgrund-Moosklinge".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 46,2 ha. Es wird im wesentlichen wie folgt begrenzt:

·               im Norden durch das Neckarufer, in Nordosten durch die Gemeindegrenze (Gemeindegrenzsteine 235 bis 238), im Osten vom Neuen Weg (ab Waldgrenzstein 235) bis zur etwa 400 Meter südlich liegenden Wegegabelung, von dort ab durch eine gedachte Verbindungslinie zur Kreuzung von Morsklingenweg und Heidebuckelweg, weiter durch den Heidebuckelweg und die Grenze der Forstabteilung 33 sowie die Waldgrenzsteine 65 bis 68, im Westen durch die Kreisstraße 4105, im Südwesten und Süden durch den Unteren Seitelsdeichweg, den Morsklingenweg, die östliche Schneisengrenze der Hochspannungsleitung und den Weisensteinigweg.

Das Naturschutzgebiet umfaßt nach dem Stand der Forstkarte (Detailkarte) im Maßstab 1:8000 den Neckaruferstreifen bis zu den angrenzenden Forstabteilungen und im Distrikt VI Staatswald Neckarschwarzach folgende Abteilungen: Hirschhorner Hals (22), Seitelsberg (28), Ob den Seitelswiesen (29), Obere Morsklinge (33), Untere Morsklinge (34) und Unterer Heidenbuckel (35) (alle teilweise).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte im Maßstab 1:8000 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis in Heidelberg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung

1.            einer ausgeprägten Neckarlandschaft mit markanter Prallhangsituation;

2.            einer naturnahen Waldbestockung mit artenreichen Laubholzwäldern und Geo­phyten eines auf Grund seiner Moose und Farne bedeutenden Standortes,

3.            eines naturnahen Lebensraumes für gefährdete Vogelarten sowie Insekten und Schnecken.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege mit Kraftfahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühle, zu befahren;

15.        zu reiten und zu klettern.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und der Fischerei;

2.            für die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß flächiger Hieb nur durchgeführt wird, wenn dies zum Aufbau naturnaher Laubwaldbestände, die dem Schutzzweck entsprechen, erforderlich ist;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für Maßnahmen, die zur ordnungsmäßigen Unterhaltung der Bundeswasserstraße Neckar einschließlich ihrer technischen Anlagen erforderlich sind, wenn diese Maßnahmen, soweit sie das Flußufer oder die Vegetation betreffen, im Benehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch Einzelanordnung oder in einem Pflegeplan festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, 18. November 1986

gez.: Dr. Bieringer