2.111 Gewann Frankreich-Wiesental

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Gewann Frankreich-Wiesental" vom 9. September 1988 (GBl. v. 18.11.1988, S. 361).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Waghäusel werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Gewann Frankreich-Wiesental".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 58 ha.

Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Waghäusel, Gemarkung Wiesental die Grundstücke Lgb. Nrn.:

·               a) nördliche Teilfläche:
Nrn. 2074 (teilweise = t), 2074/1, 2075 (t), 2076 (t), 2077 (t), 2077/1, 2078 (t), 2078/1, 2079 (t), 2079/1, 2080 (t), 2081 (t), 2082 (t), 2083 (t), 2084 (t), 2085/1 (t), 2085/2, 2086 (t), 2086/1, 2087 (t).

·               b) Teilfläche unmittelbar nördlich der Kreisstraße 3535:
Nrn. 2878/1 (t), 2788-2799 (alte t), 2800 (t), 2801-2804, 2805/1, 2805/2, 2806-2807, 2807/1, 2808, 2809/1, 2809/2, 2810-2816, 2817, 2817/1, 2818, 2818/1, 2819-2825, 2826, 2826/1, 2827-2829, 2829/1, 2830, 2849/1, 2629/2 (t), 2837 (t), 2782 (t), 2802/1, 1935 (t), 1936-1940 (alle t), 1941/1 (t), 1941/2 (t), 1942-1950 (alle t), 1951/1 (t), 1951/2 (t), 1952-1955 (alle t), 1956/1 (t), 1956/2 (t), 1957 (t).

·               c) Teilfläche südöstlich der Kreisstraße 3535 und westlich der neuen B 36:
Nrn. 2781 (t), 2838 (t), 2839 (t), 2840/1 (t), 2840/ 2 (t), 2841-2843 (alle t), 2843/1 (t), 2844/1 (t), 2844/2 (t), 2845-2855 (alle t), 2855/1 (t), 2856-2860 (alle t), 2860/1 (t), 2861-2870 (alle t), 2870/1 (t), 2871-2872 (alle t), 2873/1 (t), 2873/2 (t), 2874-2878 (alle t), 2879/1 (t), 2879/2 (t), 2880-2882 (alle t), 2883 (t), 2737-2775 (alle t), 2972 (t), 2966/1, 2971 (t), 2974 (t), 2908, 2913, 2937, 2939, 2942, 2884 (t), 2884/1 (t), 2885-2889 (alle t), 2890/1 (t), 2890/2 (t), 2891-2892 (alle t), 2893-2895, Gemeindewald Distrikt II Frankreich Flst. Nr. 5392 (t).

·               d) Teilfläche südlich der Kreisstraße 3535 und östlich der neuen B 36:
Nrn. 2972 (t), 2971 (t), 2974 (t).

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Gestaltung eines durch den Kies- und Sandabbau auf dem Hardtwaldrücken der Niederterrasse des Rheingrabens entstandenen Refugiums für die Tier- und Pflanzenwelt und aufgrund von brachgefallenen Grundstücken entstandenen Tier- und Pflanzenstandorten. Darüber hinaus besteht der wesentliche Schutzzweck in der Erhaltung und Gestaltung eines hochwertigen naturkundlich-pädagogischen Lehr- und Studiengebietes zur Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder An- lagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle, Chemikalien oder sonstige Gegenstände zu lagern oder in die Gewässer einzubringen;

6.            Aufforstungen vorzunehmen sowie Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

7.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

9.            zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

10.        Uferverbauungen, Dämme, Stege, Badeanlagen oder Bootsanlegstellen zu schaffen;

11.        das Schutzgebiet mit Fahrzeugen (ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Rollstühle) zu befahren;

12.        zu reiten;

13.        das Schutzgebiet außerhalb von befestigten Wegen zu betreten;

14.        Feuer zu machen;

15.        die Wasserflächen mit Booten, mit Flößen, Luftmatratzen oder dergleichen zu befahren;

16.        Hunde frei laufen zu lassen;

17.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

18.        Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

19.        Abwässer einzuleiten;

20.        Wiesen und Sukzessionsflächen umzubrechen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß innerhalb der in der Karte eingetragenen Zone 1 nicht gefüttert wird und keine weiteren jagdlichen Einrichtungen (wie Hochsitze, Jagdkanzeln, Futterstellen) errichtet werden;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und dem bisherigen Umfang der Maßgabe, daß die Ufervegetation, Röhrichtzonen und Laichplätze von Amphibien geschont werden;

3.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung außerhalb der in der Detailkarte festgelegten Zonen 1 und 2 in der bisherigen Art und dem bisherigen Um fang und innerhalb dieser Zonen mit der Maßgabe, daß in Zone 1 keine regelmäßige Bewirtschaftung erfolgen darf, in der Zone 2 durch Pflegemaßnahmen der Traufbereich erhalten bleibt, die Verjüngung kleinstflächig unter Erhalt vorhandener Eichen erfolgt und aus Nachpflanzungen von Laubhölzern des Eichen- Hainbuchenwaldes besteht und in beiden Zonen nur auf Holzlagerplätzen Biozide eingebracht werden dürfen;

4.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen, Wege und Bahnanlagen sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. Soweit Wald betroffen ist, geschieht dies im Einvernehmen mit der Forstverwaltung.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 (Ordnungswidrigkeiten)* eingefügt: LfU

 

1. Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnungverbotene Handlung vornimmt.

2. Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 (Inkrafttreten) * eingefügt: LfU

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 9. September 1988

Dr. Miltner