2.112 Glasbächle, Krebsbächle und Farlickwiesen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Glasbächle, Krebsbächle und Farlickwiesen" vom 25. Juli 1988 (GBl. v. 18.11.1988, S. 361).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG -) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Malsch, Landkreis Karlsruhe wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Glasbächle, Krebsbächle und Farlickwiesen".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 45 ha.

·               Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemarkung Völkersbach im Bereich der »Glaßwiesen« die Grundstücke Flst. Nrn. 816, 817/1, 817/2, 818/1, 818/2 und 819, im Bereich des »Brettert« die Grundstücke Flst.Nrn. 793-815 und im Gemeindewald Distrikt I Oberwald das Grundstück Flst.Nr. 3080 (teilweise).

 

·               Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemarkung Malsch im Bereich des »Glasbächle« den Tei des Grundstücks Flst.Nr. 16930 des Gemeindewaldes Distrikt III Bergwald, der sich entlang des »Glasbächles« zwischen dem »Glasbacherweg« und dem »Neuen Weg« talabwärts bis zur Quelle des »Krebsbächles« am »Kaufinger Weg« erstreckt.

 

·               Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemarkung Malsch im Bereich des »Krebsbächles« das Grundstück Flst.Nr. 16930 des Gemeindewalds Distrikt III Bergwald (teilweise) sowie im Gewann »Lochäcker« die Grundstücke Flst.Nr. 16205, 16206, 16206/1, 16207-16210, 16211/1, 16211/2, 16212-16214, 16216-16231, 16232/1, 16233-16238, 16240, 16241, 16262-16264, 16271, 16273/1, 16274-16280 (alle teilweise) und das Grundstück Flst.Nr. 16281 (ganz) und die »Braunwiesen« mit den Grundstücken Flst.Nr. 16816-16820.

 

·               Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemarkung Malsch im Gewann »Farlickwiesen« die Grundstücke Flst.Nr. 16117-16121, 16123, 16124, 16125/1, 16125/2, 16126-16137, 16138/1, 16138/2, 16140, 16141/1, 16141/ 2, 16142, 16143/1, 16143/2, 16144-16152, 16152/1, 16153-16155, 16156/1, 16156/2, 16157-16166, 16167/1, 16167/2, 16168-16173, 16174/1, 16174/2, 16175-16185 (je wieils ganz) sowie die Grundstücke Flst. Nrn. 16062, 16063, 16064/1, 16064/2, 16065-16080 (jeweils teilweise) und 16081 und 16082 (jeweils ganz) sowie die »Pfaffenwies« Grundstück Flst.Nr. 16821.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 und 1:5000 mit durchgezogener roter Linie und in 6 Detailkarten im Maßstab 1:1500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist:

1.            Erhalt der natürlichen Quellaustritte und Quellbereiche mit ihren typischen Pflanzen- und Tiergesellschaften;

2.            Erhalt der natürlichen Gewässermorphologie und -dynamik der beiden Gebirgsbäche sowie des noch fast natürlichen Wassergütezustandes;

3.            Erhalt und Förderung der an diesen Gewässertyp gebundenen Pflanzen- und Tiergesellschaften;

4.            Erhalt und Förderung der verschiedenen Naß- und Feuchtwiesenbereiche;

5.            Erhalt und Förderung der extensiv genutzten Mähwiesen, ihrer Vegetation und Tierwelt;

6.            Erhalt und Förderung der Streuobstwiesen als landschaftsprägendes Naturelement;

7.            Förderung der bachbegleitenden Waldteile hin zu naturnahem Vegetationsaufbau.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Wiesen umzubrechen;

14.        Modellflugzeuge zu betreiben;

15.        Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen oder zu zerstören;

16.        die Wege zu verlassen;

17.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

18.        Hunde frei laufen zu lassen;

19.        zu reiten.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine weiteren Hochsitze, Jagdkanzeln und Futterstellen errichtet, keine Kirrungsplätze eingerichtet und keine Schilfflächen gemäht werden;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
- Wiesen nicht umgebrochen, nur sparsam gedüngt und keine Pflanzenbehandlungsmittel eingebracht werden.
darüber hinaus die trockenen Wiesen nur einschürig ab 15. Juni bis 15. Juli gemäht, nicht gedüngt und nicht gemulcht werden,
- die nassen Kohldistelwiesen erst ab 15. September gemäht, nicht gedüngt und nicht gemulcht werden und
- Obstbäume nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde gefällt werden;

3.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß in der Abteilung IV 28 auf Flst. Nr. 3080 Kahlhiebe 1 ha und ansonsten 0,3 ha nicht überschreiten dürfen, nur standortheimische Arten verwendet werden und im ufernahen Bereich nur Einzelstammentnahme erfolgt;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vor-sätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

§ 10 Außerkrafttreten

 

Für die durch diese Verordnung unter Naturschutz gestellten Flächen tritt die Landschaftsschutzverordnung "Vorbergzone zwischen Ettlingenweier und Malsch, Mohrenwiesen und Langwiesen" vom 18.April 1941 außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 25. Juli 1988

Dr. Miltner