2.116 Roberner See

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Roberner See" vom 23. Dezember 1988 (GBl. v. 20.03.1989, S. 83).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Fahrenbach, Gemarkungen Fahrenbach und Robern und der Stadt Mosbach, Gemarkung Mosbach Landkreis Neckar-Odenwald-Kreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Roberner See".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 23 ha. Es wird im wesentlichen im Norden, Westen, Süden und Südosten von Wegen begrenzt. Der überwiegende Teil der Ostgrenze wird jedoch durch die Abbruchkante des Geländes markiert.

·               Das Naturschutzgebiet umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Fahrenbach, Gemarkung Fahrenbach die Grundstücke Flst.Nrn. 1830 teilw., 1831, 1832, 1861 teilw., 1937 teilw., auf Gemarkung Robern die Grundstücke Flst.Nrn. 360, 361, 362, 364-371 jew. teilw., 374 teilw., 375 teilw., 377 teilw., 378 teilw., 383 teilw., 384 teilw., 400-403 teilw., 405-410 jew. teilw., 412-418 jew. teilw., 420-422 jew. teilw., 750, 752-754 und auf dem Gebiet der Stadt Mosbach, Gemarkung Mosbach die Grundstücke Flst.Nrn. 3768, 3769 teilw., 3769/1, 3675/11 teilweise.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Übersichtskarten im Maßstab 1:25000 und 1:5000 und in zwei Detailkarten im Maßstab 1:1500, jeweils mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe, beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach und beim Bürgermeisteramt Mosbach auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung des reich strukturierten Feuchtwiesenkomplexes am Oberlauf des Seebachs und seiner gestauten Wasserfläche mit seltenen Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensgemeinschaften. Es gilt besonders, die regionale und überregionale Bedeutung als Brut- und Rastplatz für seltene und gefährdete Wasservögel und Durchzügler zu bewahren.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellten Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Fahrräder und Krankenfahrstühle zu befahren;

15.        Flug- und Bootsobjekte aller Art zu betreiben;

16.        Dauergrünland umzubrechen;

17.        außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden;

18.        Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

19.        Hunde schwimmen oder frei laufen zu lassen;

20.        Tiere zu füttern;

21.        zu reiten;

22.        Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern anzulegen.

 

§ 5  Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) die Jagd auf Wasservögel nur außerhalb der Seefläche - nördlich der in der Detailkarte 2 (M 1:500) gezogenen Grenze (gelb) erfolgen darf,
b) die bestehenden Entenbrutkörbe zu entfernen sind,
c) die Errichtung von Futterstellen, Hochsitzen und anderen jagdlichen Einrichtungen unter- bleibt,
d) keine Gesellschaftsjagden durchgeführt werden;

2.            für die ordnungsgemäße Bekämpfung des Bisam in der Zeit vom 1.10. - 1.4.;

3.            die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß südlich der in der Detailkarte 2 (M 1:1500) gezogenen Grenze (gelb) nur Kontroll- und Hegemaßnahmen im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium gestattet werden, die auf eine Person zu begrenzen sind;

4.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Um fang mit Ausnahme von § 4 Abs. 2 Nrn. 16 - 18;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, soweit sie Wald betreffen im Einvernehmen mit der höheren Forstbehörde.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 23. Dezember 1988

Dr. Miltner