2.126 Oberer Gründel

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Oberer Gründel" vom 29. Dez. 1989 (GBl. v. 23.03.1990, S. 83).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Fläche auf dem Gebiet der Gemeinden Egenhausen und Haiterbach, Landkreis Calw, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Oberer Gründel".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd.30 ha.

·               Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Egenhausen, Gemarkung Egenhausen, die Grundstücke Flst.Nrn.1017 (tlw.). 1125 (tlw.), 1126, 1493/1+2, 1494, 1495, 1524, 1525, 1526, 1527, 1528, 1529, 1530, 1531, 1559, 1560, 1561, 1562, 1563, 1565, 1566, 1567, 1568, 1569 (tlw.), 1569/1, 1569/2, 1570, 1571, 1573, 1574, 1588 (tlw.), 1589, 1590, 1591, 1592, 1593, 1594, 1595, 1596, 1623, 1624, 1625, 1650 (tlw.), 1770 (tlw.), 3270, 3273 (tlw.), 3274, 3275 und auf dem Gebiet der Gemeinde Haiterbach, Gemarkung Beihingen, die Grundstücke Flst. Nrn. 974/1, 974/2, 975/1, 975/2, 988 und 989 jeweils teilweise und 1543.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Calw auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung einer naturraumtypischen Landschaft als Standort vor allem von Halbtrockenrasengesellschaften mit zahlreichen gefährdeten Pflanzenarten und als Lebensraum insbesondere gefährdeter Amphibien, Schmetterlinge und Vögel.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art, auch Fahrrädern, zu befahren;

15.        Sport- und Freizeitobjekte aller Art zu betreiben;

16.        Dauergrünland umzubrechen;

17.        außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden;

18.        Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

19.        zu reiten;

20.        Hunde frei laufen zu lassen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß keine Fütterungs- und Kirrplätze sowie Wildäcker angelegt, keine Jagdkanzeln und Hochsitze errichtet und Hunde nur zur Nachsuche von der Leine freigelassen werden;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang ausgenommen § 4 Abs. 2 Nrn. 3, 4, 5, 9, 11, 16, 17, 18;

3.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
- nur standortgemäße, heimische Gehölze gepflanzt werden,
- Orchideenbestände bei der forstlichen Pflege berücksichtigt und gefördert werden,
- Höhlenbäume (Spechtbäume) erhalten werden,
- nach Erwerb der Grundstücke durch das Land oder die Gemeinde vorhandene Gehölzbestände auf Trockenstandorten stark ausgelichtet und potentielle Halbtrockenrasenstandorte durch entsprechende Pflegemaßnahmen wiederhergestellt werden;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden - soweit sie Wald betreffen im Einvernehmen mit der höheren Forstbehörde - in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Vorschriften Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 i. V. m. § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 29. Dez. 1989

Dr. Miltner