2.129 Kleiner Kraichbach

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Kleiner Kraichbach" vom 05. April 1990  (GBl. v. 20.07.1990, S. 218).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (NatSchG) vom 21.10.1975. (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 06.06.1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20.12.1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet.

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Kraichtal, Landkreis Karlsruhe, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Kleiner Kraichbach".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 100 ha.

·               Es umfaßt auf dem Gebiet der Stadt Kraichtal, Gemarkung Oberöwisheim, die Grundstücke Flst. Nr. 316 (teilweise), 559-561, 563-565, 567, 568, 569/1, 571-574, 575/1, 575/2, 576-579, 580/1, 580/2, 581-585, 585/1, 586-603, 604/1, 606-609, 609/1, 609/2, 610-612, 614-628, 630, 631, 632 (teilweise), 633-639, 640/1, 643, 644/1, 646-648, 650, 652-654, 655 (teilweise), 656 (teilweise), 657 (teilweise), 658-671, 672/1 (teilweise), 674 (teilweise), 680/1 (teilweise), 680/2, 680/3, 685 (teilweise), 686 (teilweise), 687, 849, 851, 852/1, 852/2, 853/1, 854/1, 861-863, 864 (teilweise), 867/1 (teilweise), 868 (teilweise), 898/2, 899, 900, 903-906, 907/1, 907/2, 909/1, 910-913, 914/1, 914/2, 915, 915/1, 916, 916/1, 917, 918, 920-922, 922/1, 923, 923/3, 927/1, 930-932, 934, 935 (teilweise), 936, 936/1, 962/1, 964, 965, 965/1, 966-970, 972-985, 986/1, 989/1, 990-1000, 1002/1, 1003-1006, 1009/1, 1010-1013, 1016, 1017/1, 1019, 1019/1, 1020-1023, 1027-1031, 1033-1035, 1040 (teilweise), 1044, 1045, 1046 (teilweise), 1060 (teilweise), 1061 (teilweise), 1062 (teilweise), 1066 (teilweise), 1067 (teilweise), 1068, 1070-1074, 1077/1, 1080, 1080/2, 1081-1085, 1086/1, 1087-1094, 1098-1100, 1105-1113, 1116/2, 1117, 1119-1122, 1124, 1125, 1139, 1139/1, 1139/2, 1139/3, 1153/1, 1153/2, 1154-1155, 1164, 1166/1, 1167-1169, 1169/1, 1169/2, 1192-1195, 1195/1, 1197, 1198, 1199/1, 1203, 1204/1, 1204/2, 1204/3, 1205-1207, 1222 (teilweise), 1223 (teilweise), 1224 (teilweise), 1229/1 (teilweise), 1230, 1292/1, 1300. Flst. Nr. 5773 (teilweise) (50 m-Streifen im Waldtraufbereich entlang der angrenzenden Flurstücke 1064-1092 von Waldgrenzstein 135 in gerader Linie bis Waldgrenzstein 147 sowie von Waldgrenzstein 149 bis zum Wegende ca. 75 m südlich des Waldgrenzsteines 155; dem parallel zum Waldtrauf verlaufenden Weg folgend bis Waldgrenzstein 165, dann entlang des Weges zum Pfannwaldsee, südlich entlang des Pfannwaldsees und des in Ost-West-Richtung verlaufenden, die Talaue begrenzenden Weges bis zur Kreuzung mit dem die Talaue querenden Waldweg; daran anschließend in geradliniger Verbindung von der nördlichen Kreuzungsecke bis Waldgrenzstein 56 1/2, von dort aus bis Waldgrenzstein 54, dann dem Straßenrand der K 152 Richtung Oberöwisheim folgend bis zum Waldgrenzstein 175). Flst. Nr. 1370, 1370/1, 1371, 137-3-1376, 1379-1390, 1533/1, 1534-1537, 1540-1552, 1553/1, 1553/2, 1553/3, 1554, 1555, 1557, 1558, 1559/3, 1560/1, 1562/1, 1562/2,1563-1581, 1583,1636-1638,1639(teilweise), 1649 (teilweise), 1650-1652, 1654-1657, 1660, 1661, 1667-1670, 1682 (teilweise), 1700, 1701 (teilweise), 1713, 1714/1, 1714/2, 1716 (teilweise), 1729 (teilweise), 1743 (teilweise), 1747-1775, 1777/1, 1778-1781, 1783,1784, 1786, 1787-1790, 179111, 1791/2, 1792, 1793/1, 1793/2, 1794-1797, 1799, 180111, 1802, 1803, 1805, 1808-1810, 1812, 1814, 1815 (teilweise), 1817-1822, 1828 (teilweise), 1829, 1830, 1833-1837, 1846-1850, 1874, 1875, 1875/1.

 

Das Naturschutzgebiet wird im wesentlichen begrenzt im Süden durch den Hangfuß des Mausbergs sowie das anschließende Rebgelände im Bereich der Gewanne "Blinden" und "Fuchsloch", im Westen durch den Waldrand des Gemeindewaldes Distrikt I Langer Wald, im Osten durch den Gemeindewald Distrikt III Streit- und Pfannwald, im Norden durch die dort befindliche Gemeindestraße von Oberöwisheim nach Odenheim.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000/1:5000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte im Maßstab 1:1500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von 3 Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung eines naturnahen Bereiches der Kraichgaulandschaft mit den dafür charakteristischen Merkmalen wie trockene Keupermergelhänge, Hohlwege, Stufenraine und quellenreiche Talauen als Lebensraum für eine große Zahl unterschiedlicher Lebensgemeinschaften der Tier- und Pflanzenwelt.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder An- lagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern; insbesondere Dauergrünland zur Neueinsaat oder in Ackerland umzubrechen;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, Veranstaltungen durchzuführen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.         ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        Hunde frei laufen zu lassen oder nicht angeleint mit sich zu führen;

14.        zu reiten;

15.        zu baden;

16.        die Wege zu verlassen;

17.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art (ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Krankenfahrstühle) zu befahren;

18.        Flugmodelle, Modellboote oder Motorschlitten zu betreiben;

19.        wildlebende Tiere zu füttern.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
 a) jagdliche Einrichtungen wie Futterstellen, Hochsitze und Jagdkanzeln unter Beachtung des Schutzzweckes in landschaftsgerechter Bauausführung unter möglichster Schonung der Vegetation und Brutplätze und nur im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde erstellt werden; jagdli-che Einrichtungen sind nicht in Feuchtgebieten, Schilf und Röhrichtbeständen sowie auf Halbtrockenrasen zu errichten;
 b) keine Entenbrutkörbe angebracht werden;
 c) Wildfütterung nur in der Notzeit erfolgt;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art sowie im bisherigen Umfange mit der Maßgabe, daß
 a) Dauergrünland nicht in Ackerland umgebrochen wird; der Umbruch von Dauergrünland zur Neueinsaat bedarf im Einzelfall der Genehmigung der Fachbehörden; zuständig für die Erteilung der Genehmigung ist die Naturschutzbehörde, die im Einvernehmen mit der zuständigen Landwirtschaftsbehörde entscheidet;
 b) außerhalb von Ackerland kein Pflanzenbehandlungsmittel verwendet werden und die Düngung nur bis 01.05. eines jeden Jahres zulässig ist
 c) wesentliche Landschaftsbestandteile wie Bäume, Hecken, Gebüsch, Feld und Ufergehölze, Schilf -und Röhrichtbestände sowie Seggenriede nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden;
 d) auf den vernäßten Bereichen des Flst.Nr. 1169/2 und den Halbtrockenrasen im Gewann Mausberg (Flst. Nrn. 1700 - 1822) keine Koppelschafhaltung erfolgen darf;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit Maßgabe, daß Fischbesatzmaßnahmen über die höhere Fischereibehörde der Naturschutzbehörde zur Genehmigung vorzulegen sind; über die Erteilung der Genehmigung entscheidet die höhere Naturschutzbehörde im Einvernehmen mit der höheren Fischereibehörde;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Um fang mit der Maßgabe, daß
 a) in allen Waldtraufbereichen nur femelartige Bewirtschaftung zulässig ist;
 b) in den Auenwaldbereichen im Distrikt II Streit- und Pfannwald entlang der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Oberöwisheim und Odenheim im Osten abgegrenzt durch die Waldgrenzsteine 54-56 1/2 und im Westen abgegrenzt durch die Waldgrenzsteine 173-175 keine Kahlhiebe über 1 ha erfolgen dürfen;
 c) im Auenwaldbereich (wie oben abgegrenzt) die Bewirtschaftung die Erhaltung und Pflege eines naturnahen, standortgemäßen Erlen-Eschenwaldes zum Ziel hat; die Verjüngung darf nur mit standortheimischen Gehölzen erfolgen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnungen festgelegt. Ist hiervon Wald betroffen, erfolgt dies im Einvernehmen mit der Forstdirektion Karlsruhe, die Forstdirektion beteiligt ihrerseits die höhere Naturschutzbehörde bei der periodischen Betriebsplanung (Forsteinrichtung).

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 Naturschutzgesetz oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

1. Ordnungswidrig im Sinne der § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

2. Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 Abs. 2 i. V. m. § 5 Ziffer 1 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft. Gleichzeitig tritt für den Geltungsbereich des Naturschutzgebietes die Verordnung des Landratsamtes Karlsruhe über das Landschaftsschutzgebiet "Kraichgau" vom 03.06.1987 außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 05.04.1990

Dr. Miltner