2.131 Falchenwiesen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Falchenwiesen" vom 5. April 1990 (GBl. v. 29.09.1990, S. 288).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Neuweiler, Gemarkung Neuweiler, Landkreis Calw wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Falchenwiesen".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 10,5 ha. Es wird im wesentlichen begrenzt im Westen vom Wildbacher Weg bzw. einer Linie hinter den bebauten Grundstücken, im Süden vom Grundstück Nr. 41/2, im Osten von einer Linie durch die Gärten hinter den Gebäuden an der Calwer Straße und am Teinacher Weg bzw. durch den Teinacher Weg und im Norden vom Weg 246

 

·               Es umfaßt auf der Gemarkung Neuweiler die Grundstücke Flst.Nr.: 40/1 teilweise (tw), 4211 (tw), 45/1, 238-245, 246/1 (tw), 248 (tw), 249/1 (tw), 249/2 (tw), 250 (tw), 251 (tw), 253 (tw), 254 (tw), 257/1 (tw), 257/4 (tw), 257/5 (tw), 260 (tw), 261, 262 (tw), 264-272.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Calw auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündigung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeich-neten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Erhaltung des quellendurchsetzten Talursprungs der Teinach aus Gründen der Ökologie und des Landschaftsbildes: Er wird von Wiesen, Feuchtwiesen und Seggenbeständen mit einer für den Standort typischen Pflanzenartenvielfalt eingenommen. Die nur von wenigen Gehölzen gegliedert offene Landschaft ist Lebensstätte einer artenreichen Tierwelt mit seltenen, zum Teil gefährdeten und stark gefährdeten Vogelarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) Im Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinrächtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

15.        Fluggeräte aller Art zu betreiben;

16.        Dauergrünland in Ackerland umzubrechen und Unland einer Nutzung zuzuführen;

17.        außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden und in Unland, Quellen und Gewässer, Düngemittel und Pflanzenbehandlungsmittel einzubringen;

18.        Gehölze zu zerstören;

19.        Hunde mitzuführen;

20.        Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern anzulegen;

21.        Aufforstungen vorzunehmen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
- im Gebiet keine Hochsitze oder Jagdkanzeln errichtet werden,
- keine Futter- und Kirrplätze eingerichtet und betrieben werden,
- Gesellschaftsjagden nur ab 1. September bis 1. März durchgeführt werden (höchstens drei Jagden mit jeweils höchstens acht Personen);

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, ausgenommen § 4 Abs. 2 Nrn. 4, 16-18;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung, der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragen Stelle angeordnet werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt. Verpflichtungen, die über die Regelungen dieser Verordnung und die des Naturschutzgesetzes hinausgehen, können dadurch nicht begründet werden.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG und nach den jagdrechtlichen Vorschriften Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 5. April 1990

Dr. Miltner