2.141 Zwölf Morgen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Zwölf Morgen" in Walzbachtal und Pfinztal, Landkreis Karlsruhe vom 05. März 1991 (GBl. v. 13.05.1991, S. 209).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975(GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde, Walzbachtal, Gemarkung Wössingen, und Pfinztal, Gemarkung Wöschbach, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Zwölf Morgen".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 19 ha.

·               Es wird im wesentlichen begrenzt im Süden durch den Gemeindewald Distr. III (Höllwald) und das Gewann "Hinter der Höll", im Westen durch den landwirtschaftlichen Weg im Gewann "Am Streitwald", im Norden durch die Gewanne "Höll" und "Pforzheimer Straße" und im Osten durch das Gewann "Zwölf Morgen".

·               Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinde Pfinztal, Gemarkung Wöschbach, die Grundstücke Flst. Nrn. 1462, 1463/1, 1463/2, 1464, 1465, 1466, 1467, 1468, 1469/1, 1469/2, 1470, 2723 tw. (Gemeindewald Distr. III), auf dem Gebiet der Gemeinde Walzbachtal, Gemarkung Wössingen, die Grundstücke Flst. Nrn. 4834, 4835, 4836, 4838, 4840/1, 4841, 4842, 4843 tw., 4844 tw., 4846/1 tw., 4921, 4922/1, 4922/2, 4923, 4925, 4926, 4928, 4929, 4930/1, 4930/2, 4933, 4934, 4935, 4936, 4936/1, 4938/1, 4939, 4942/1, 4943, 4944, 4946, 4947, 4951, 4951/1, 4951/2, 4952, 4953, 4954, 4955, 4956, 4957, 4958, 4959, 4960, 4961, 4962/1, 4962/2, 4963, 4964/1, 4967/1, 4968, 4971, 4973/1, 5311, 5312, 5314, 53101, 5316, 5317, 5318, 5319, 5320, 5321/1, 5321/2, 5322, 5323, 5325/1, 5327, 5329, 5331/1, 5331/2, 5332, 5333, 5334, 5335, 5336, 5339, 5340, 5341, 5342, 5344, 5345, 5346, 5347, 5348, 5349, 5350, 5351, 5352, 5353, 5354, 5355, 5356, 5357, 5358, 5359, 5360. 5361, 5362, 5363, 5364, 5365, 5411, 5414, 5415, 5416, 5417, 5418, 5419, 5420, 5421, 5422, 5423, 5424, 5425, 5426, 5427, 5428, 5429, 5430, 5433/1, 5434, 5435, 5436, 5439/1.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Sicherung und Erhaltung eines extensiv genutzten Streuobstgebietes mit einem hohen Anteil alter Bäume und artenreicher Wiesen sowie ökologisch hochwertiger Hecken- und Waldrandbereiche als Lebensraum verschiedener, zum Teil seltener, spezialisierter und gefährdeter Tierarten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        Veranstaltungen durchzuführen, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

15.        Dauergrünland umzubrechen;

16.        außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden;

17.        Bäume, Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

18.        zu reiten;

19.        Hunde frei laufen zu lassen;

20.        die Wege zu befahren, ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Krankenfahrstühle.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, dass
a) die Jagdausübung möglichst schonend und nur in Übereinstimmung mit dem Schutzzweck erfolgt;
b) keine zusätzlichen Hochsitze bzw. Jagdkanzeln errichtet werden; die Errichtung von Ansitzleitern in landschaftsgerechter Bauweise bleibt zulässig;
c) Tiere nicht eingebracht werden und
d) Fütterungen auf die Notzeiten beschränkt werden;

2.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand oder anderen Bodenbestandteilen oder das Verändern der Bodengestalt auf andere Weise unzulässig sind;
b) fließende oder stehende Gewässer (einschließlich Gräben) nicht geschaffen, beseitigt oder verändert werden und keine Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorgenommen werden, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;
c) Dauergrünland nicht in Ackerland umgebrochen wird; der Umbruch von Dauergrünland zur Neueinsaat bedarf im Einzelfall der Genehmigung der Fachbehörden; zuständig für die Erteilung der Genehmigung ist die Naturschutzbehörde, die im Einvernehmen mit der zuständigen Landwirtschaftsbehörde entscheidet;
d) außerhalb von Ackerland keine Pflanzenbehandlungsmittel verwendet werden und außerhalb von Ackerland die Düngung nur bis 1. Mai eines jeden Jahres zulässig ist;
e) wesentliche Landschaftsbestandteile wie Bäume, Hecken, Gebüsch, Feld- und Ufergehölze nicht beseitigt oder geändert werden;
f) der vorhandene Obstbaumbestand als solcher erhalten bleibt, die Entnahme einzelner abgängiger Bäume bleibt bei entsprechenden Neu- und Nachpflanzungen unter Verwendung von Obsthochstämmen zulässig;

3.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß das Altholz als Dauerwald erhalten und gepflegt wird, im Laubwaldtraufbereich nur eine einzelstammweise Nutzung zulässig ist und in den Nadelholzbeständen das Laubholz gefördert und bei deren Verjüngung eine tiefe gestaffelte Waldrandzone mit heimischen, standortgerechten Sträuchern und Laubbäumen angelegt wird;

4.            für die, sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 5. März 1991

Dr. Miltner