2.146 Beim Reutwald

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Beim Reutwald" vom 27. November 1991 (GBl. v. 11.02.1992, S. 42).

Aufgrund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), und der §§ 22 u. 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) inder Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979, S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Kraichtal, Gemarkung Unteröwisheim, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Beim Reutwald"

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 4,5 ha. Es wird im wesentlichen begrenzt im Süden durch den Wald (Gewann "Im Loch"), im Osten durch den Staatswald Distrikt XI ("Reutwald"), im Westen und im Norden durch größere zusammenhängende Ackerflächen.

·               Es umfaßt auf dem Gebiet der Stadt Kraichtal, Gemarkung Unteröwisheim, die Grundstücke Flst. Nr. 5132/1 (tw), 5133 (tw), 5136 (tw), 5137 (tw), 5138 (tw), 5141 (tw), 5142 (tw), 5143 (tw), 5144 (tw), 5145 (tw), 5148 (tw), 5149 (tw), 5150 (tw), 5151 (tw), 5152, 5154 - 5157, 5158 (tw), 5161 (tw), 5190, 5194/1, 5194/2, 5195, 5199/1, 5200 - 5210, 5211/1, 5211/2, 5212, 5213/1, 5213/2, 5214 - 5217.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 sowie 1:5000 mit durchgezogener roter Linie und in einer Detailkarte mit Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Karlsruhe auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck ist die Sicherung einer kleinräumig gegliederten kraichgautypischen Lößterrassenlandschaft mit Stufenrainen, Hecken, Halbtrockenrasen und noch genutzten Flächen als Lebensraum für eine reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt mit zum Teil seltenen und gefährdeten Arten.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Gegenstände jeglicher Art abzustellen sowie Abfälle zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu ent-fernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        Veranstaltungen durchzuführen, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Krankenfahrstühle;

15.        Motorschlitten oder Flugmodelle zu betreiben;

16.        Dauergrünland umzubrechen;

17.        Außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungs- sowie Düngemittel zu verwenden;

18.        Bäume, Gehölze, Hecken und Sträucher zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

19.        zu reiten;

20.        Hunde frei laufen zu lassen;

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, dass
a) die Jagdausübung möglichst schonend und nur in Übereinstimmung mit dem Schutzzweck erfolgt;
b) keine zusätzlichen Hochsitze bzw. Jagdkanzeln errichtet werden; die Errichtung von Ansitzleitern in landschaftsgerechter Bauweise bleibt zulässig;
c) keine Tiere eingebracht werden dürfen;
d) Fütterungen unterlassen werden;

1.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) Dauergrünland nicht in Ackerland umgebrochen wird; der Umbruch von Dauergrünland zur Neueinsaat bedarf im Einzelfall der Genehmigung durch die Naturschutzbehörde;
b) außerhalb von Ackerland keine Pflanzenbehandlungsmittel verwendet werden und auf den Terrassenflächen außerhalb von Ackerland keine Düngung zulässig ist;
c) § 4 Abs. 2 Nr. 3, Nr. 4 und Nr. 18 beachtet weden;
d) der vorhandene Obstbaumbestand als solcher erhalten bleibt; die Entnahme einzelner abgängiger Bäume bleibt bei entsprechender Neu- und Nachpflanzungen unter Verwendung von Obsthochstämmen zulässig;

2.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß im Einvernehmen mit der Forstdirektion Karlsruhe darauf hingewirkt wird, daß die vorhandenen Erstaufforstungen in landschaftstypische Feldgehölze überführt werden oder nach Hiebsreife kahlgeschlagen undnicht wieder aufgeforstet werden;

3.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden von der höheren Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

Gleichzeitig tritt für den Geltungsbereich des Naturschutzgebietes die Verordnung des Landratsamtes Karlsruhe über das Landschaftsschutzgebiet "Kraichgau" vom 3. Juni 1987 außer Kraft.

 

Karlsruhe, den 27. November 1991

Dr. Miltner