2.147 Schafhof-Teufelsloch

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Schafhof-Teufelsloch" (Gemarkung Hemsbach, Rhein-Neckar-Kreis) vom 20. Dezember 1991 (GBl. v. 11.02.1992, S. 46).

 

Aufgrund der §§ 21, 48, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Hemsbach werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Schafhof-Teufelsloch".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 35 ha. Es wird im wesentlichen wie folgt umgrenzt: Im Norden durch den Gemeindewald Distrikt 2 "Kreuzberg" und den Kellerweg; im Süden durch den Gemeindewald Distrikt 1 "Bocksberg" und den Teufelslochweg; im Osten durch den Höhenweg und im Westen durch den Mühlenweg und den jüdischen Friedhof.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in zwei Übersichtskarten im Maßstab 1:25000 und 1:5000 mit durchgezogener roter Linie und in zwei Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach der Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes"Schafhof-Teufelsloch" ist:

1.            die Erhaltung und Sicherung eines charakteristischen Seitentales des "Bergsträßer Odenwaldes" mit seiner Vielgestaltigkeit an Lebensräumen;

2.            die Erhaltung der stark gefährdeten Lebensgemeinschaft der Trockenrasen, Halbtrockenrasen, Streuobstwiesen, Trockenmauern, Saum- und Grünlandgesellschaften, Röhrichte, Feuchtwiesen, Sickerquellen, Bachauen;

3.            die Erhaltung von Standorten seltener und bedrohter Pflanzenarten;

4.            die Erhaltung einer von der Vegetation und Feuchtigkeitsituation abhängigen seltenen und stark gefährdeten Tiergemeinschaft insbesondere der Vögel, Amphibien, Reptilien, Heuschreckenarten, Libellen, Käfer und Schmetterlinge.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Stein, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, Hochsitze außerhalb der Waldgrenze zu errichten;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        Feuer zu entfachen oder zu unterhalten sowie zu grillen;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luft- und Gewässerverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die gekennzeichneten Wege zu verlassen;

14.        sämtliche Wege mit Fahrzeugen aller Art mit Ausnahme von Krankenstühlen zu befahren;

15.        Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

16.        Grünland zur Neueinsaat oder in Ackerland umzubrechen (die Umwandlung von Acker- in Grünland ist zulässig);

17.        außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden;

18.        wesentliche Landschaftsbestandteile wie Bäume, Hecken, Gebüsche, Schilf und Röhrichte, Gehölze und Sträucher zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

19.        zu reiten;

20.        Hunde frei laufen zu lassen und zu angeln.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd, mit der Maßgabe, daß
a) Einrichtungen zu Bejagung des Wildes in einfacher Bauweise (Ansitzleitern) und landschaftsangepaßt errichtet werden;
b) keine Futterstellen errichtet werden;
c) keine Wildäcker angelegt werden;
d) in Schilf und Röhrichten keine Schußschneisen angelegt werden;
e) keine Treibjagden stattfinden;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß kein Fischbesatz erfolgen darf und keine Beangelung der Gewässer und Gräben stattfindet;

3.            für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß
a) § 4 Abs. 2 Nr. 18 unberührt bleibt;
b) die Bodengestalt nicht verändert wird;
c) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht in Ackerland umgebrochen wird;
d) fließende und stehende Gewässer nicht geschaffen, beseitigt oder verändert und keine Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorgenommen werden, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;
e) keine Insektizide, Herbizide, Fungizide und Dünger in die stehenden und fließenden Gewässer eingebracht werden;
f) außerhalb von Ackerland keine Pflanzenschutzmittel oder Düngemittel verwendet werden;
g) bei der vorübergehenden Umwandlung von Ackerflächen in Grünland Düngung und Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln zulässig bleiben;

1.            für die ordnungsmäßige forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, daß

a) die Anlage von größeren Erholungseinrichtungen und Wegen mit der höheren Naturschutzbehörde abgestimmt wird;

b) das Forsteinrichtungswerk den Schutzzweck dieser Verordnung zu beachten hat;

c) eine naturnahe, den landschaftlichen und kulturellen Erfordernissen entsprechende Waldbewirtschaftung vorgenommen wird;

2.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

3.            das Betreten des 4-Ritterturms (Waldnerturm) und des unmittelbaren Wiesenbereichs um den Turm sowie des Kastanienwäldchens zur Erntezeit;

4.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung, im Bereich des Waldes im Einvernehmen mit der Forstdirektion Karlsruhe, festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach jagdrechtlichen Bestimmungen Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 i. V. m. § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 20. Dezember 1991

Regierungspräsidium Karlsruhe

gez.: Dr. Miltner