2.152 Seckachtal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe über das Naturschutzgebiet "Seckachtal" (Neckar-Odenwald-Kreis, Stadt Buchen und Gemeinde Seckach) vom 25. August 1992 (GBl. v. 16.10.1992, S. 681).

 

Aufgrund von §§ 21, 58 und 64 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie des Rates vom 27. Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten (85/337/EWG) vom 12. Dezember 1991 (GBl. S. 848), und der §§ 22 und 33 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Buchen, Gemarkung Bödigheim, und der Gemeinde Seckach, Gemarkungen Seckach und Großeicholzheim, Landkreis Neckar-Odenwald-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Seckachtal".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 63,4 ha. Es umfaßt im wesentlichen den gesamten Talraum der oberen Seckach östlich von Großeichholzheim zwischen dem Glashof im Norden und der Hagenmühle im Süden.

 

(2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 mit durchgezogener roter Linie und in zwei Übersichtskarten im Maßstab 1:5000 sowie in fünf Detailkarten im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Karlsruhe und beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck dieser Rechtsverordnung ist die Sicherung und Erhaltung - des Gebietes insgesamt wegen seines wertvollen Mosaiks unterschiedlicher Lebensräume; - des Baches mit seiner Gewässergüte als Lebensraum einer vielfältigen aquatischen Flora und Fauna; - des gewässerbegleitenden Ufergehölzes als Rest naturnaher Auwaldgesellschaften; - der gewässerbegleitenden feuchten Talwiesen; - der Talflanken als - wegen ihres Strukturreichtums - ideales Rückzugsgebiet für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren.

 

§ 4 Verbote

 

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung, Veränderung oder Störung des Schutzgebietes, seiner Bestandteile oder seines Naturhaushaltes oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können.

 

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils gültigen Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer zu schaffen, zu beseitigen, zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

5.            Gegenstände jeglicher Art zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung zu ändern;

10.        zu baden, zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer anzumachen oder zu unterhalten;

12.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

13.        die Wege zu verlassen;

14.        die Wege mit Fahrzeugen aller Art (ausgenommen Fahrräder ohne Hilfsmotor und Krankenfahrstühle) zu befahren;

15.        Flugmodelle oder Modellboote zu betreiben;

16.        Dauergrünland - auch zur Neueinsaat - umzubrechen;

17.        außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungsmittel zu verwenden;

18.        zu reiten;

19.        Hunde frei laufen zu lassen;

20.        Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote des § 4 gelten nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Einschränkung, daß
a) jagdliche Einrichtungen wie Hochsitze und Jagdkanzeln landschaftsgerecht und nur in der Zeit vom 1. September bis 31. März errichtet werden,
b) Futterstellen nicht in der Talaue eingerichtet werden;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Einschränkung, daß ein Besatz nur noch mit Bachforellen erfolgt und Angeln nur an den entsprechend gekennzeichneten Stellen erlaubt ist;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Einschränkung, daß
a) fließende oder stehende Gewässer nicht geschaffen, beseitigt oder verändert sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen nicht vorgenommen werden, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;
b) Dauergrünland - auch zur Neueinsaat - nicht umgebrochen wird;
c) außerhalb von Ackerland Pflanzenbehandlungsmittel nicht verwendet werden; erlaubt ist die gezielte Ampfer- und Brennesselbekämpfung auf Grünlandgrundstücken;
d) landschaftsprägende Gehölze, insbesondere Ufergehölze, Hecken und Sträucher nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden; der Bach darf nur an den entsprechend gekennzeichneten Stellen als Viehtränke benutzt werden;
e) Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen nicht angelegt werden; Flächen, die auf der Grundlage von Bewilligungen oder Verträgen vorübergehend stillgelegt oder extensiviert waren, dürfen in die zuletzt ausgeübte Nutzung zurückgeführt werden;

4.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Einschränkung, daß die Waldflächen mit dem Ziel eines reichhaltigen Laubmischwaldes aus standortheimischen Arten bewirtschaftet werden;

5.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde zugelassen werden;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt.

 

§ 7 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG oder nach den jagdrechtlichen Vorschriften Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 in Verbindung mit § 5 Nr. 1 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§ 9 Heilung von Verfahrensmängeln

 

Eine Verletzung der in § 59 des Naturschutzgesetzes genannten Verfahrens- und Formvorschriften ist nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach dem Erlaß der Rechtsvorschriften gegenüber dem Regierungspräsidium Karlsruhe schriftlich geltend gemacht worden ist; der Sachverhalt, der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.

 

§ 10 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Karlsruhe, den 25. August 1992

Dr. Miltner